Das "Konstrukt"

Diese Ansichten hinterlegt Herthas neuer Präsident bei RB Leipzig

Kaum im Amt, gab Herthas neuer Präsident Kay Bernstein den Volkstribun: Er kritisierte RB Leipzig. Der 41 Jahre ehemalige "Ultra" forderte in einem Interview: "Kritik am Konstrukt RB Leipzig" müsse möglich sein,

Von RBlive/hen Aktualisiert: 03.07.2022, 18:10
Früher Ultra mit Mikro, jetzt Herthas neuer Präsident: Kay Bernstein
Früher Ultra mit Mikro, jetzt Herthas neuer Präsident: Kay Bernstein (imago/camera 4)

Kaum im Amt, gab Herthas neuer Präsident Kay Bernstein den Volkstribun: Er kritisierte RB Leipzig. Der 41 Jahre ehemalige "Ultra" des Berliner Stadtteilklubs sagte in einem Interview mit der "Bild am Sonntag": "Kritik am Konstrukt RB Leipzig" müsse möglich sein, auch wenn er als Funktionär nunmehr zur Diplomatie angehalten ist. Man spielt schließlich in der gleichen Liga, nur nicht auf dem gleichen Niveau.

Bedenken abbauen mit Kritik an RB

Der 41 Jahre alte Unternehmer (Kommunikation) war vergangene Woche ins Präsidentenamt beim fast abgestiegenen Berliner Verein gewählt worden. In einem der ersten Interviews nach der Wahl wollte der ehemalige Hardcore-Fan Bedenken abbauen, dass mit ihm ein zu einseitig orientiertes Mitglied ins wichtigste Hertha-Amt gewählt worden sei.

Einen populistischen Tritt gegen den Pokalsieger aus dem nachbarschaftlichen Süden konnte er sich aber nicht verkneifen. Bernstein meinte, die sportliche Professionalität des Projekts Rasenballsport sei zwar bemerkenswert, aber: "Man darf nie vergessen, wie viele Regeln verbogen wurden auf dem Weg in die Bundesliga und wie extrem dadurch die finanziellen Vorteile dieses Konstrukts gegenüber den anderen Vereinen waren. Genauso kritisch sehe ich die Defizite an Mitsprache, Identifikation und im Vereinsleben."

"Kritik ja, Beleidigung nein"

Auch Dietmar Hopp, Mäzen in Hoffenheim, bekam eins mit. Aber sachte. Zum SAP-Gründer sagte der in der Szene völlig neue Bernstein konzilliant: "Dietmar Hopp im Fadenkreuz", wie geschehen bei einem Spiel gegen Dortmund auf einem Banner, "ist keine freie Meinungsäußerung. Kritik ja, Beleidigungen nein."

Ansonsten gab es viel Lob für die wahren, in Bernsteins Augen echten Funktionäre im Land. Fans, Fanversteher, fanorientierte Funktionäre wie Dortmunds Aki Watzke. "Aki Watzke, Ralf Minge in Halle oder auch Dirk Zingler von Union. Kurz gesagt: die Arbeiter", antwortete Bernstein auf die Frage, welcher Klub-Chef ihm von den Ideen her am nächsten stehe, wobei Minge in Halle nur Sportchef ist.

Watzke sei auch eine der ersten Personen überhaupt gewesen, die ihm zu seiner Wahl gratuliert hätten. "Aki Watzke ist ein Kind der Tribüne, da sehe und spüre ich die Liebe zum Sport. Die haben alle einen gewissen Wertekompass und eine authentische Nähe zum Verein, den Mitgliedern und Fans", so Bernstein.