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Austria statt Asien „Abstrus”: Bayern und BVB kritisieren Konkurrenz für Trainingslager-Auswahl

Schladming, Schruns und Blankenhain: Die meisten Bundesligisten reisen für ihr Sommertrainingslager maximal nach Österreich. Den Branchengrößen Bayern und BVB gefällt das nicht. Doch RB Leipzig hat sein Soll in diesem Jahr erneut erfüllt.

05.08.2026, 10:46
Malerische Kulisse, gute Bergluft und Ruhe: Panorama in Saalfelden.
Malerische Kulisse, gute Bergluft und Ruhe: Panorama in Saalfelden. (Foto: imago/Picture Point LE)

Jeju/Achenkirch/dpa/ukr – Golf spielen im idyllischen EM-Camp der Engländer, Radfahren am Achensee und Entspannung im Pool mit Blick auf die Alpen: Unter anderem in Blankenhain, Seefeld und in der Nähe von Kitzbühel bereiten sich viele von Deutschlands besten Fußballklubs aktuell unter idealen Bedingungen auf die neue Saison vor. RB Leipzig residiert derzeit im schönen Saalfelden. Das Problem: In Thüringen und Tirol tun die Vereine nicht viel dafür, die Bundesliga im Ausland bekannter zu machen.

Und genau das stört die drei reichsten Fußball-Zugpferde des Landes. Denn der FC Bayern, Borussia Dortmund und RB Leipzig haben auch im knackigen WM-Sommer eine Fernreise hingelegt. Leipzig jettete direkt nach der Saison nach Südafrika, der BVB war zuletzt in Japan und der Rekordmeister aus München tourt aktuell durch Asien, wo Südkorea und Hongkong wichtige strategische Ziele sind.

Bayern-Vorstand: Klubs „müssen aktiv sein»”

„Das ist viel zu wenig. Die Bundesligisten müssen weitsichtiger denken. Die Engländer gehen raus in die Welt – das heißt auch für die deutschen Klubs, dass sie aktiv sein müssen”, sagte Bayerns Marketing-Vorstand Rouven Kasper. Bayerns Reisetross erlebten, wie die Stars um Manuel Neuer und Lokalmatador Minjae Kim nicht nur bei Ankunft in Südkorea gefeiert wurden.

Immer wieder versuchen Klubs auch hinter Bayern und Dortmund, andere Wege im Ausland zu gehen. Vergangenes Jahr war Bayer Leverkusen mit dem damaligen Kurzzeit-Trainer Erik ten Hag in Brasilien, immer wieder versucht Eintracht Frankfurt den Weg nach Amerika. Doch einen kontinuierlichen Trend hin zu mehr Fernreisen gibt es nicht, wie der WM-Sommer 2026 zeigt.

Bellingham in Tokio unterwegs

„Wir sollten uns bewusst machen, welche Chancen in der Auslandsvermarktung liegen – und nicht immer gleich über ein mögliches Risiko sprechen. Dass nach der WM wieder nur die Bayern und wir auf Reisen gehen, finde ich schade”, sagte Dortmunds Clubchef Carsten Cramer der WAZ.

Der BVB-Geschäftsführer nannte auch einen möglichen Grund, der im Ausland weniger bekannte und erfolgreiche deutsche Clubs abschrecken könnte. Es sei „ein Zeichen der Stärke von Borussia Dortmund, dass wir mit diesen Reisen eben auch Geld verdienen”, erklärte er. Wenn Profis wie Jobe Bellingham sich durch Tokio bewegen, hat das natürlich auch andere Effekte als bei kleineren und mittelgroßen Klubs.

Bayern-Vorstand Dresen: „Abstrus”

Dass die Bundesliga-Vereine in der internationalen Vermarktung hinter größeren Playern wie der Premier League oder der spanischen La Liga zurückhängen, liegt für die Verantwortlichen der Topklubs auch am fehlenden Engagement bei Sommerreisen. „Und deshalb würde ich mir wünschen, dass mehr Vereine aus Deutschland die Chance nutzen, ins Ausland zu gehen – nach Asien, nach Amerika, nach Afrika oder wo auch immer”, sagte Bayern-Präsident Herbert Hainer. Wie es die Branchengrößen trotz des vollen Terminplans und der höchsten Belastung machen.

Doch bei den Klubs unterhalb der Champions League heißt es dann doch oft: Achensee statt Amerika. Auch in Österreich oder Südtirol gibt es im Sommer ausgezeichnete Bedingungen für die Vorbereitung. Und die Reisen kosten zudem deutlich weniger Geld, als einmal mit dem ganzen Tross um die halbe Welt zu fliegen. Zudem liegt der Fokus bei großen Auslandsreisen stärker auf Marketingaktivitäten als auf konzentrierter Vorbereitung. Das erfuhr RB im Sommer 2024 bei der US-Reise; seither absolvieren die Leipziger ihre großen Touren nach der Saison. 2025 ging es nach Brasilien, 2026 nach Südafrika.

„Es kann nicht sein, dass in diesem Jahr Leipzig direkt nach der Saison und jetzt aktuell Dortmund und wir international unterwegs sind. Und dann haben wir gleichzeitig alle drei, vier Jahre das Getöse und Getöne um die Verteilung der internationalen Fernsehgelder. Das ist abstrus”, sagte Bayern-Vorstandschef Jan-Christian Dreesen.

Bei Bayer folgt Blankenhain auf Brasilien

Bestes Beispiel ist Leverkusen, wo auf Brasilien 2025 das Weimarer Land in diesem Sommer folgte. „Die hauseigenen Trainingsanlagen genügen internationalen Ansprüchen, die Regenerationsmöglichkeiten für unsere Spieler sind dank der hervorragenden Infrastruktur vor Ort perfekt”, sagte Sportchef Simon Rolfes im Winter bei der Entscheidung zugunsten von Blankenhain.

Auch bei Eintracht Frankfurt fiel die Sommerreise nach dem Verpassen des europäischen Wettbewerbs sowie dem Trainerwechsel von Albert Riera zu Adi Hütter in diesem Sommer kleiner aus. Ging es im Sommer 2024 und 2025 noch in die USA, stand dieses Jahr Grassau unweit vom Chiemsee auf dem Plan. Dagegen wird Aufsteiger SC Paderborn in der Länderspielpause im September in die USA reisen.

Dabei hatte Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann vor einem Jahr noch gesagt: „Grundsätzlich: Die Bundesliga muss mehr reisen. Auch wenn sich das in den Kalendern schwer abbildet: Es muss einen Beitrag für die Wertschöpfung in der Bundesliga geben.” Den haben in diesem Sommer wieder einmal hauptsächlich Bayern, der BVB und RB Leipzig beigesteuert.