Acht Jahre Ausbildung am Cottaweg Von Rangnick geprägt: So viel RB-Fußball bringt Blessin nach Gladbach mit
Sportchef Rouven Schröder setzt in Gladbach auf einen neuen Trainer aus der RB-Schule. Der Übungsleiter Alexander Blessin wurde acht Jahre am Leipziger Cottaweg geprägt – und hat den Leipziger Fußball seitdem weiterentwickelt.

Leipzig/hen - Borussia Mönchengladbach bekommt einen neuen Trainer. Und zwar mit allergrößter Wahrscheinlichkeit Alexander Blessin, der nicht nur eine Vergangenheit beim FC St. Puali mitbringt, bei dem er im Sommer freigestellt wurde und noch Vertrag besitzt. Sondern auch bei RB Leipzig, und zwar in ganz erheblichem Maße.
Wie viel RB aber steckt heute noch im Blessin-Fußball? Der Schwabe selbst sagt: Bei Trainern aus der Leipziger Schule sind vor allem gegen den Ball „vielleicht bis zu 60 Prozent“ der Gedankengänge ähnlich. Pressing, Gegenpressing, Intensität und der schnelle Weg nach vorn gehören bis heute zu seinem Ansatz. Demnach sind 40 Prozent neu, anders - Blessin-Fußball, nicht reine RB-Schule.
Der Umstand, dass der Neue beim "Konstrukt" ausgebildet wurde, könnte bei Teilen der aktiven Fanszene trotzdem Schnappatmung auslösen. Aber auch nur, wenn sie Klub und Fußball miteinander gleichsetzen. Für Blessins Ausbildung war Rasenballsport jedenfalls maßgeblich und prägend. Dort hat er sein Handwerk gelernt.
Acht Jahre RB: Blessin wurde am Cottaweg geprägt
Blessin kam 2012 nach Leipzig, arbeitete zunächst als Assistent und übernahm später die U17 und U19. 2018 gewann er mit der U17 die Bundesliga-Staffel Nord/Nordost, ein Jahr später führte er die U19 bis ins Finale des DFB-Juniorenpokals. 2020 verließ er RB für seinen ersten Cheftrainerjob beim belgischen Erstligisten KV Oostende.

Vor allem aber wurde Blessin am Cottaweg fußballerisch geprägt. Zu seinen Lehrmeistern zählt er Ralf Rangnick, dazu Helmut Groß und Wolfgang Geiger, die in Leipzig die Spielidee der frühen RB-Jahre vermittelten. Blessin sprach später von einer „geballten Power an Wissen“. Für seine Ausbildung habe es damals „nichts Besseres geben“ können.
Wie viel RB steckt in Blessins Fußball?
Wie viel davon geblieben ist, bezifferte Blessin später selbst. Bei Trainern aus der Red-Bull-Schule wie Ex-Gladbach-Coach Marco Rose oder Ralph Hasenhüttl seien viele Gedankengänge ähnlich, vor allem im Spiel gegen den Ball. „Vielleicht bis zu 60 Prozent“, sagte Blessin 2025.
Die Basis ist bis heute erkennbar: aggressives Pressing, sofortiges Gegenpressing nach Ballverlust, hohe Intensität und nach Ballgewinn schnell der Weg nach vorn. In Oostende setzte Blessin diese Prinzipien besonders konsequent um. Rückblickend bezeichnete er diese Station als die Phase, in der sein Fußball dem klassischen Leipziger Modell am nächsten kam.
In Genua gelernt, vom RB-Muster abzuweichen
Bei seinen nächsten Stationen entwickelte Blessin den Ansatz weiter. Beim CFC Genua fehlten ihm nach eigener Aussage die Spielertypen, um seine ursprüngliche Idee konsequent umzusetzen. Er musste stärker auf den Kader eingehen und neue Lösungen mit dem Ball entwickeln.
Bei Union Saint-Gilloise und später beim FC St. Pauli blieb das intensive Spiel gegen den Ball ein Markenzeichen, Blessin wurde aber flexibler. In Hamburg ließ er phasenweise hoch und mannorientiert pressen, gegen stärkere Gegner aber auch kompakter verteidigen. In seiner ersten Bundesliga-Saison kassierte St. Pauli nur 41 Gegentore – weniger ließ lediglich der FC Bayern zu.
Jetzt soll Blessin eine Mannschaft stabilisieren, die nach vier Spielen ohne Punkt dasteht und bereits 16 Gegentore kassiert hat. Schröder, der als Sportdirektor selbst eine Leipzig-Vergangenheit hat, setzt damit auf einen Trainer, dessen fußballerische Grundlagen am Cottaweg gelegt wurden. Dort, wo RB Leipzigs Fußballakademie steht.