Rangnick holte ihn zurück zum Fußball

Alexander Blessin: "Muss mich kneifen, ob das ein Traum ist"

Von RBlive/msc 12.04.2022, 10:09

Noch hat Ex-RB-Nachwuchstrainer Alexander Blessin den Klassenerhalt mit dem FC Genua nicht geschafft, aber genug Punkte gesammelt, um wieder Hoffnung zu haben. Im Interview mit dem Kicker berichtet er von seinen Schritten in Italien.

Sprachlich komme er dort insgesamt gut zurecht, denn Fußball sei "multi-lingual" und mit seinem Englisch erreiche er die meisten im Team. Für manches braucht er aber Code-Wörter, wenn mal etwas nicht passend zu übersetzen ist. Die Spieler schauten ihn beispielsweise etwas verwundert an, als er vom "Online sein" sprach, aber nicht das WLAN meinte.

Keine Taktiktafel im Land der Taktiker

Überrascht war Blessin besonders von der Abwesenheit eines zentralen Gegenstands seiner Arbeit. "Es gab tatsächlich nirgends eine Taktik-Tafel. Die erste Aktion war demnach, fünf Tafeln zu besorgen", berichtet er. Das schien ein Erfolg gewesen zu sein. Blessin überraschte, wie schnell die Mannschaft den neuen Stil verinnerlichte. Der besteht logischerweise mehr aus Balljagen als Ballbesitz. Und dazu musste er dem Team Selbstvertrauen einimpfen.

Fans feierten Blessin

Immerhin habe es die Mannschaft geschafft, "zumindest die Hoffnung zu wecken, noch eine Chance zu besitzen". Von den letzten fünf Teams holte Genua in den vergangenen fünf Spielen die meisten Punkte. Zwar steht der Klub noch immer auf einem Abstiegsplatz, aber "die Gier ist bei Fans und Spielern geweckt". So kam es, dass er schließlich nach einem 1:1 von den Fans gefeiert wurde. "Auf der Tribüne saß neben meiner Frau jemand aus dem Vorstand und sagte: Die wollen das, der muss jetzt dahin. Dann signalisierte sie, ich solle gefälligst zur Kurve, und der Frau kann man ganz schwierig etwas abschlagen."

Rangnick holte ihn zurück zum Fußball

Kürzlich bekam er für seine Arbeit sogar ein Extralob von Trainerlegende Fabio Capello. Dabei hatte er beinahe die Karriere schon an den Nagel gehängt und wollte sich gerade auf seine Allianz-Agentur konzentrieren, als ihn seine Frau nach der Zukunft fragte. "Kannst du dir das wirklich die nächsten 25, 30 Jahre vorstellen? Es ist bitter, solch eine Frage gestellt zu bekommen, denn 30 Jahre klingen verdammt viel. Ich sagte: Ja, passt schon, warum nicht? Und just an jenem Tag rief Ralf Rangnick an. Daraus wurden acht Jahre Leipzig und nun bin ich beim ältesten Klub Italiens." Die Anfrage kam dazu von Ex-RB-Scout Johannes Spors kurz nachdem er Belgiens Trainer des Jahres wurde und die Zeit drängte. Aber das Drängen des Managers auf seine Zusage und der Posten in einer europäischen Topliga gaben den Ausschlag. "Diese Chance musste ich einfach nutzen. Bisweilen muss ich mich morgens immer noch kneifen, ob es alles bloß ein Traum ist."