Sinnliche hölle"Hier wird die Post abgehen": RB-Trainer Rose warnt vor Kulisse im Celtic Park

Das Spiel zwischen RB und Celtic in Glasgow wird vor allem über das Publikum im Stadion der Schotten entschieden. So bereiten sich die Sachsen drauf vor.

Von Martin Henkel Aktualisiert: 10.10.2022, 21:20
RB-Trainer Marco Rose
RB-Trainer Marco Rose (imago/eibner)

Einen Tag vor dem zweiten Spiel gegen Celtic Glasgow am Dienstagabend (21 Uhr) im "Celtic Park" sagte Marco Rose auf der Pressekonferenz: "Morgen treffen zwei Mannschaften aufeinenander, die einen ähnlichen Ansatz haben. Das kann wild werden. Hier wird morgen die Post abgehen!"

RB im Celtic Park: Höllenlärm

Der Bundesligist aus Sachsen ist in der guten Position, mit einem Sieg gegen den schottischen Meister weitere wichtige Punkte im Duell um Platz zwei der Gruppe zu sammeln. Das Hinspiel entschied der Klub vom Cottaweg mit 3:1 für sich.

Allerdings, die Kulisse im Stadion ist ein Faktor, den die Gastgeber gegen jeden Gegner ausspielen können. Das "Parkhead" gilt als eines der lautesten Arenen des europäischen Fußballs. 50.000 Fans veranstalten einen Höllenlärm, den man erst einmal aushalten muss.

RB-Profi André Silva, der neben Rose saß, meinte dazu: "Es wird nicht einfach mit diesem Publikum, aber wir können dagegenhalten." Auch Rose sagte: "Die Jungs haben ja Erfahrung mit solchen Stadien. Dennoch werden wir nochmal gezielt auf die Atmosphäre zu sprechen kommen. Wir brauchen die Vorfreude auf ein großes Spiel in der Champions League. Nach dem Spiel können wir drüber reden, wie es uns gelungen ist."

Marco Rose: "eine Menge Arbeit"

Der 46-Jährige, der am Nachmittag mit seinem Team im Stadien anlangte, meinte, die Stimmung sei "gut, wir haben gut regeneriert. Wir haben uns mit Video vorbereitet, dann das Abschlusstraining gemacht. Insgesamt habe ich einen guten Eindruck, aber wir müssen morgen noch was draufpacken was Leistungsbereitschaft und Gegenhalten anbetrifft."

Darauf läuft dann eben doch alles hinaus. Es ist von Vorteil, wenn man schon mal im „Paradies“ gewesen ist. Man weiß dann, was auf einen zukommt, wenn der Anpfiff ertönt und zehn von einem fanatischen Publikum in Berserker verwandelte Männer auf einen zugelaufen kommen. „Eine Menge Arbeit“, wie Marco Rose es mit dezenter Ironie vergangenen Samstag nach dem 1:1 in Mainz beschrieb.

Der Celtic Park wurde vor über 100 Jahren neben einem Friedhof errichtet, weshalb es heißt, ein Besuch des Stadions fühle sich an, als „würde man aus einem Grab ins Paradies kommen“. Freilich hängt dieser Eindruck von der Perspektive ab. Aus Sicht einer gegnerischen Mannschaft erweist sich die an Europapokalabenden krachendvolle Arena gern als sinnliche Hölle. „Ohrenbetäubend laut“, wie Toni Kroos sich neulich an den Ausflug mit Real Madrid in seinem Podcast „Einfach mal Luppen“ erinnerte. „Als die Champions League-Hymne ertönte, dachte ich, das Stadion kracht ein. Das war unfassbar, das habe ich noch nicht erlebt, was da los war!“

RB gegen Rangers: Bilder im Kopf

In dieser Atmosphäre will RB Leipzig auch das zweite Spiel gegen die Schotten gewinnen. Nur klingt das viel leichter, als getan. Das Ergebnis vergangene Woche spiegelte nicht wider, dass Celtic die Partie auch hätte gewinnen können. Mehr noch aber konfrontiert die Reise nach Glasgow einen Großteil der deutschen Reisegruppe mit teils albtraumhaften Bildern aus ihrer jüngsten Vergangenheit.

Erst im Mai knickten die Kicker aus Leipzig im Rückspiel des Europa-League-Halbfinales bei Celtics Stadtrivalen Glasgow Rangers mit 1:3 ein. Großen Anteil an der Niederlage hatte das Publikum, welches das „Ibrox“ und die Beine der Gegner zum Zittern brachten. Und auch an das „Paradise“ wird sich ein Teil des Leipziger Kaders nur mit einigem Grausen zurückerinnern. In der Europa-League-Saison 2017/2018 verlor RB dort gegen einen deutlich weniger talentierten Kontrahenten 1:2.

Rose weiß, wie man gegen Celtic gewinnt

„Bei so einer Kulisse werden wir maximales Selbstvertrauen und gegenseitige Unterstützung brauchen“, benannte Rose ein paar der Mittel gegen das Nervenflattern, das den sensiblen Leipziger Kader gern befällt, wenn es mal richtig laut wird. Roses Rezept dagegen: „Wir müsse das auf- und annehmen und dürfen den Spaß dabei nicht vergessen.“

Was dann dabei herauskommen kann, wenn man das Paradies von Celtic nicht mit dem Himmelreich  verwechselt, weiß Rose nur zu gut. Er war schon Mal vor Ort  - und gewann mit dem FC Salzburg 2:1.