„Christos” Comeback Emotionales Experiment mit ungewissem Ausgang
Christopher Nkunku ist mit der ihm eigenen Herzlichkeit zu RB zurückgekehrt. Die große Frage lautet, ob der Hochveranlagte wie damals noch den Unterschied machen kann.

Leipzig – Die erste Training von Christopher Nkunku seit mehr als drei Jahren fand am Mittwochvormittag im Nieselregen statt. Doch wie man hört, genoss der zu RB Leipzig zurückgekehrte Star die erste Einheit mit seinen neuen, alten Teamkollegen. Noch ließ er es etwas ruhiger angehen, um sich nach zwei stressigen Transfertagen mit Flügen, wenig Schlaf und vielen klubinternen Verpflichtungen, langsam an die Intensität und Geschwindigkeit unter dem neuen Trainer Martin Demichelis zu gewöhnen.
Der 28-Jährige hatte viele Hände zu schütteln und bekannte Gesichter zu begrüßen. Immerhin noch fünf Spieler standen bereits in der Saison 2022/23 im Kader, die „Christo” noch als Mitspieler kennen. Der Rest schaut zu ihm als eine der lebenden Klublegenden auf.
Nkunku: „Ich bin immer noch derselbe Typ”
Vom Typ her ist Nkunku mit seiner ruhigen, sympathischen, unprätentiösen Art zweifellos der Gleiche geblieben. „Ich habe in den letzten Jahren viel mehr Erfahrung gesammelt. Nach meinem Abschied habe ich Dinge erlebt und mich mit Neuem vertraut machen müssen – diese Erfahrungen bringe ich nun positiv mit ein”, sagte er zum Einstand. „Aber im Grunde bin ich immer noch derselbe Typ.”
Kapitän Raum begrüßte den angesichts des RB-Beuteschemas mit Akteuren zwischen 18 und 23 Jahren ungewöhnlichen Zugang. „Er wird uns nicht nur auf dem Platz helfen, sondern auch neben dem Platz in der Kommunikation mit den jüngeren Spielern. Und er ist jemand, der mit Leistung vorangehen wird”, so der Spielführer.
Bei Milan fünf von sieben Saisontoren per Elfmeter
Im RB-Trikot hatte der junge Nkunku insgesamt 70 Treffer und 56 Torvorlagen fabriziert. Danach waren es für Chelsea und Milan in drei Jahren allerdings nur noch insgesamt 26 Tore und acht Assists gewesen. In der Serie A erzielte er zuletzt fünf seiner sieben Saisontore per Elfmeter.
So muss die entscheidende Frage lauten, ob er auch als reiferer Spieler noch zum intensiven RB-Spielstil passt und die nötige Form und Fitness hat, um wie einst den Unterschied zu machen? In Italien kam er mit dem defensiven, physischen Spielstil nicht gut zurecht. Der frühere Bayern- und Milan-Stürmer Jean-Pierre Papin urteilte: „Nkunku ist körperlich nicht wie die anderen; er braucht Technik und Schnelligkeit, und in Italien ist das schwierig, weil die Abwehrreihen stark sind. Es ist schwer für ihn.”
Schneller als bei seinem Abgang aus Leipzig
In der Bundesliga sind jedoch mehr Räume verfügbar, sodass Nkunku seine Stärken hier wieder besser ausspielen können dürfte. Übrigens: Schnell ist er noch wie damals. Seine Top-Geschwindigkeit in der Serie A betrug 35,3 km/h; der Wert liegt sogar höher als der in seiner bis dato letzten RB-Saison 2022/23.
Bleibt die Frage nach dem System, denn anders als damals spielt RB nun nicht mehr im 4-2-2-2, wo Nkunku den hängenden Stürmer gab, sondern in einer 4-3-3-Formation, wo er auf dem linken Flügel oder als hängende, spielstarke Spitze Sturmzentrum agieren soll. Ein Abnehmer für Kopfbälle ist Nkunku eher nicht, aber ein Akteur, dessen Klasse am Ball auch die Nebenleute wie Antonio Nusa, Christoph Baumgartner, Brajan Gruda besser machen kann.
Gegen Gladbach könnte Nkunku eingewechselt werden
Es ist ein Experiment mit ungewissem Ausgang, doch ein ebenso spannendes wie emotionales allemal mit vergleichsweise geringem finanziellem Risiko. RB investiert lediglich drei Millionen Euro Leihgebühr und fünf Millionen Gehalt; danach wird Bilanz gezogen, ob auch der reife Nkunku noch taugt. Für kolportierte 28 Millionen Euro könnte er dann im Sommer 2027 ganz nach Leipzig wechseln.
Für die Klubfotografen warf Nkunku schon einen Blick ins Stadion und blies seinen roten Luftballon auf – sein Signature-Jubel, mit dem er seinen kleinen Sohn grüßt. Am Samstag zum Bundesligaauftakt gegen Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr) dürften sich die Fans von den Sitzen erheben, wenn Nkunku zum Wechsel bereit stehen und sein Comeback geben könnte. Er ist topfit nach Leipzig gekommen und kann sofort spielen.