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„Da reden wir von Amputation” Wolfsburger Frust: Schiri rechtfertigt Elfmeterpfiff für RB

Der Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Tobias Reichel sorgte nach dem Pokalerfolg von RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg für heftige Diskussionen. So erklärt der Referee seinen höchst umstrittenen Pfiff.

Von Ullrich Kroemer 27.02.2025, 04:00
Vergrößerung der Körperflechte? Kilian Fischer gegen Benjamin Sesko.
Vergrößerung der Körperflechte? Kilian Fischer gegen Benjamin Sesko. (Foto: imago/Jan Huebner)

Leipzig – Für RB Leipzig bedeutete der Elfmeter-Pfiff von Schiedsrichter Tobias Reichel (39) den Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale; die Spieler des VfL Wolfsburg und Trainer Ralph Hasenhüttl waren völlig konsterniert ob der Entscheidung des Referees.

RB-Stürmer Benjamin Sesko hatte Gegenspieler Kilian Fischer im Strafraum in wenig aussichtsreicher Situation aus kürzester Distanz an den rechten Arm geschossen, der diesen noch vor der Berührung weggezogen hatte. Der sonst souveräne Schiedsrichter Tobias Reichel pfiff zur Überraschung der meisten und blieb auch nach Absprache mit dem VAR dabei – allerdings ohne sich die Szene noch einmal anzuschauen. Sesko trat selbst an und verwandelte wuchtig und sicher zum Tor des Abends (69.).

Hasenhüttl: „Fauler Beigeschmack”

Gäste-Trainer Hasenhüttl, der zwei Jahre lang bei RB tätig war, verstand die Welt nicht mehr. „Das war absolut kein klares Handspiel, die Hand geht weg vom Ball hinter den Körper”, sagte der 57-Jährige. „Da bleibt ein fauler Beigeschmack, das wird diesem intensiven und guten Spiel nicht gerecht. So auszuscheiden, das ist sehr, sehr schwer zu akzeptieren.”

Lesen Sie hier: Die Reaktionen auf den Pokaltriumph

Torhüter Marius Müller, der ebenfalls RB-Vergangenheit hat, hätte „Haus, Hof und Kind verwettet”, dass der Schiedsrichter den Pfiff zurücknimmt. Doch es kam anders. Zur Frage, wie Abwehrspieler Fischer den Arm hätte halten sollen, um einen Pfiff zu vermeiden, sagte Müller bissig: „Da reden wir dann schon über Amputation.”

Schiedsrichter Reichel: „Mit der ausgestreckten Hand in den Ball gegangen”

Der Referee hatte immerhin den Mut, sich zu stellen und äußerte sich spät am Abend zu der Szene des Spiels. Fischer „hatte klare Sicht auf den Ball. Klar, ist die Distanz relativ kurz, aber er versucht, sich mit zwei Spreizschritten in den Weg zu stellen”, argumentierte der Bürokaufmann aus Stuttgart. Der Schuss sei „erwartbar” gewesen, „und er ist mit der ausgestreckten Hand in den Ball gegangen, versucht den Arm in der Drehbewegung erst wegzuziehen, nachdem der Ball an der Hand war”, interpretierte Reichel. Es sei eine „gewisse Spannung im Arm” gewesen, als der Ball ihn traf.

Warum er sich die Szene anders als etwa Hasenhüttl es einforderte, nicht noch einmal ansah, begründete der Unparteiische wie folgt:  „Ich hatte die Wahrnehmung auf dem Feld, deswegen habe ich so entschieden. Wir wollen schließlich starke Schiedsrichterpersönlichkeiten auf dem Feld.” Bilder, die Reichels Entscheidung widerlegen, habe Videoschiedsrichter Pascal Müller nicht liefern können. Deswegen sei die Tatsachenentscheidung ohne Ansicht von Videobildern bestehen geblieben.

Rose: „Kann den Ärger nachvollziehen”

RB-Trainer Marco Rose verstand den Unmut seines Kollegen Hasenhüttl. „Den Ärger kann ich durchaus nachvollziehen, sage aber auch, dass es keine Fehlentscheidung ist, wenn du den Elfmeter pfeifst.” Daher sei es nachvollziehbar, dass Reichel sich die Szene nicht noch einmal anschaute.

RB-Rechtsverteidiger Ridle Baku, der im Winter nach vier Jahren in Wolfsburg zu RB gewechselt war, war der Treffer fast ein wenig peinlich. „Ganz ehrlich: Ich bin froh, dass der Treffer auf unserer Seite gefallen ist. Dass das Spiel so entschieden wird, ist für die Wolfsburger echt bitter.”