Leipzig rutscht in die Krise Fiasko am Comer See: RB erhält Lehrstunde von Champions-League-Neuling
RB Leipzig war nach dem 1:4 in Bremen nach Como gereist, um die Niederlage schnell zu verarbeiten. Es kam allerdings anders, als gedacht. Mit demselben Ergebnis führte der Königsklassen-Debütant aus Norditalien den deutschen Gästen vor, wie man eleganten Spätsommer-Fußball spielt.

Como – RB Leipzigs Ausflug an den schönen Comer See endete Donnerstagabend in einem Fiasko. Neuling Como 1907 gab den Gästen von jenseits der Alpen ein 1:4 (0:2) mit auf den Rückweg, das die Zweifel an Neu-Trainer Martin Demichelis nicht kleiner werden lassen. Dessen Team war in seinem ersten Champions-League-Duell in dieser Saison nicht nur recht deutlich unterlegen, sondern über weite Strecken auch heillos überfordert.
Schweigeminute und Pyro
Es passte der Auftritt so gar nicht zur Kulisse, in die eine milde Spätsommernacht am berühmten See das Duell der zwei Teams mit ihren Neulingstrainer in der Königsklasse, Martin Demichelis für RB und Cesc Fabregas für die Hausherren, gehüllt hatte.
Es begann mit einer Schweigeminute für die Unwetter-Opfer in Nepal, ein bißchen Pyro im RB-Block und mit der Debüt-Choreo der Como-Fans im Europapokal. Dazu strich eine milde Brise über den See ins Stadion hinein.
Wer auf einen Spätsommer-eleganten Königsklassenabend gehofft hatte, wurde nicht enttäuscht. Er entwickelte sich nur nicht, wie es sich die Gäste aus Sachsen womöglich ausgemalt hatten: Die Rückkehr in die Champions League gegen den Königsklassen-Neuling aus der Lombardei, dessen Schwäche man ausgemacht habe, wie RB-Coach Martin Demichelis unmittelbar vor dem Anpfiff meinte. Das Team seines Kollegen aus Spanien möge es nicht, wenn man selber den Ball habe. Ergo: Man wolle feinzwirnigen Besitzfußball spielen und den Vorsaisonvierten der Seria A ein bißchen ins Leere laufen lassen.
Böe schlägt RB ins Gesicht
Es kam anders, und zwar in Form einer heftigen Böe, die Demichelis und seinem Personal entgegenschlug. 0:1 durch Martin Baturina nach 15 Minuten. 0:2 durch Tasos Douvikas nach 38 Minuten. Als das Spiel in die Halbzeit abtrat, stiegen die Leipziger wie geprügelte Hunde in den Stadion-Keller hinab, durch den sie in ihre Kabine gelangten.
Como spielte wie Rasenballsport vor ein paar Jahren. Extrem ballsicher, perfekt organisiert, Pressing-Fachleute, die Leipzigs Schwächen besser ausgespäht hatten als der Gegner. Dem 0:1 ging ein Ballgewinn an der Mittellinie voraus, bis zum Treffer vergingen sechs Sekunden. Beim 0:2 gewann Como den Ball tief in der eigenen Hälfte und schaltete in Rekordzeit um.
Rasenballsport, aufgestellt mit Rückkehrer Castello Lukeba in der Viererkette, Andrija Maksimovic mit seinem ersten Startelfauftritt auf der rechten Acht, mit Christopher Nkunku auf der Spielmacher-Position und Marc Guiu in der Sturmspitze.
Vandevoordt unterläuft Ball
Ballbesitz kam keiner zustande. Finesse auch nicht. Es gab kaum Ballgewinne, keine Kontersituationen und die beiden Großchancen durch Antonio Nusa (10., 16.) entsprangen seinen Dribbelqualitäten. Maksimovic hatte in der 36. Minute noch eine dritte Chance auf einen Treffer – das war’s für die erste Hälfte. Den Rest der Zeit führten die Norditaliener ihren Gegner weitgehend vor.
Demichelis schickte seine Mannschaft unverändert wieder an die Oberfläche. Ein erster Lichtblick: Willi Orban verpasste einen Freistoß von David Raum nur knapp (48.). Die Phase, in der RB seine Ballbesitz-Idee endlich umsetzte, dauerte genau sechs Minuten. Dann stand es 0:3. Einen Konter über Nicolas Paz lief der pfeilschnelle Assane Diao zu Ende und traf aus spitzem Winkel (54.). Nur eine Minute später schoss Baturina am leeren Leipziger Tor vorbei, nachdem RB-Keeper Maarten Vandevoordt einen Prallball unterlaufen hatte. Das hätte das 0:4 sein müssen.
Perrone schenkt das 1:4 ein
Mitten in den Comer Überschwang fiel der erste Leipziger Treffer. Maksimovic zirkelte einen Querpass von Nkunku in den Winkel (57.). Im Nu war es still im kleinen Comer Stadion und RB, jetzt verstärkt durch Assane Ouedraogo (für Seiwald), Tidiam Gomis (für Guiu) und Ezechiel Banzuzi (für Nkunku, alle 59.), entfaltete plötzlich Druck.
Ein paar Chancen sprangen noch heraus. Baku, im Zusammenspiel mit Brajan Gruda schoss knapp vorbei (81.). Como war aber noch scharf und lauerte. Einen Ballgewinn durch Moise Keane drosch Kapitän Paz nur um Zentimeter am RB-Tor vorbei (84.). Wenig später machte es der eingewechselte Maximo Perrone besser und schenkte Rasenballsport den vierten und letzten Treffer ein (90.).