Zeitpunkt wirft fragen auf Demichelis neuer RB-Trainer: Ist er überhaupt die Wunschlösung
Vor knapp drei Wochen verlängerte Martín Demichelis noch bei Mallorca. Nun soll der Argentinier neuer Trainer von RB Leipzig werden. Der späte Vorstoß wirft die Frage auf, ob er tatsächlich die Wunschlösung der Red-Bull-Verantwortlichen ist.

Leipzig/hen - Martín Demichelis soll nach Informationen mehrerer spanischer Medien vor einem Wechsel vom spanischen Erstliga-Absteiger RCD Mallorca zu RB Leipzig stehen. U.a. berichtet Spaniens bestens unterrichtete Sporttageszeitung Marca und die Zeitung Ultima übereinstimmend von einer Einigung zwischen dem Argentinier und dem Bundesligist. Eine offizielle Bestätigung steht bislang zwar noch aus, doch es ist von einem Vertrag bis 2029 die Rede.
Spekulation über Werner-Ende bei RB
Schon die Laufzeit stellt Leipzigs aktuellen RB-Trainer Ole Werner in den Schatten. Der gebürtige Kieler bekam vor einem Jahr nur einen Zweijahresvertrag und die Aussicht auf mehr, wenn er die Vorgaben erfüllt. Die Arbeit ist getan, einen neuen Vertrag wird es aber wohl trotzdem nicht mehr geben. Stattdessen wurde der in Leipzig und beim Klub äußerst beliebte 38-Jährige mutmaßlich aus dem Weg manövriert.
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Über die Gründe wird spekuliert. Als mögliche Ursachen gelten unterschiedliche Vorstellungen über die sportliche Ausrichtung sowie Zweifel an der langfristigen Entwicklung. Zudem soll das Verhältnis zwischen Werner und dem Red-Bull-Beraterteam um Ex-Trainer Jürgen Klopp, Ex-Fußballer Mario Gomez und Ex-Sportbild-Journalist Florian Scholz erkaltetet sein, was eigentlich keine solchen Folgen haben dürfte, denn das in München ansässige Team darf keine operativen Entscheidungen fällen. Federführend bei RB ist die sportliche Leitung um Geschäftsführer Marcel Schäfer.
Demichelis pathetisch
Spannender aber als die Frage, warum Schäfer vor Wochen noch mit Ole Werner verlängern wollte („Leistung wird bei uns belohnt“), ist die, ob Demichelis überhaupt die erste Wahl auf die Nachfolge des aktuell in Asien urlaubenden Werner ist.
Kurios ist der Zeitpunkt. Vor knapp drei Wochen erst, am 28. Mai, hatte der Argentinier seinen Vertrag mit dem abgestiegenen Klub um zwei Jahre bis 2028 verlängert. Voller Pathos sagte der frühere Verteidiger: „Ich habe das vom ersten Tag an gesagt, als ich hier angekommen bin: Ich bin sehr stolz darauf, Teil dessen zu sein, was wir nun neu aufbauen werden und was wir erreichen wollen.“
Und weiter: „Es stimmt, dass der Abstieg für alle schmerzhaft war. Aber schon am nächsten Tag habe ich eine moralische Verpflichtung gespürt und den Wunsch, meine Anstrengungen noch einmal zu verdoppeln. Deshalb bin ich dem Verein dankbar, dass er mir die Möglichkeit gibt weiterzumachen, weiter daran zu arbeiten und auf der Identität aufzubauen, die wir der Mannschaft in so kurzer Zeit gegeben haben. Und um ehrlich zu sein: Ich freue mich wirklich sehr auf die kommende Aufgabe.“
Jaissle zu wohlhabend?
Gleichzeitig soll das Red-Bull-Team vergangene Saison zweimal versucht haben, Werner als Trainer abzusetzen, einmal im Spätherbst und einmal im Frühjahr. Heißt, die Kritik bei Red Bull an der Arbeit des früheren Kiel- und Bremen-Coaches ist nicht neu. Wieso dann aber Demichelis nicht früher kontaktieren? Bevor er sich einem Aufstiegsprojekt verpflichtet, dem er drei Wochen später wieder den Rücken kehrt und eine Ausstiegsklausel von angeblich 2,5 Millionen Euro zieht?
Der Verdacht liegt nahe: Der frühere Bayern-Profi (2003 bis 2010) ist – wie auch schon Werner – nicht die erste Wahl für den Trainerposten beim Red-Bull-Klub.
Welche anderen Kandidaten die Klopp-Mannschaft diskutiert hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Oliver Glasner und Matthias Jaissle galten bereits vergangenen Sommer als Kandidaten. Beide haben Salzburg-Vergangenheit. Jaissle trainiert aktuell den asiatischen Doppel-Champions-League-Sieger Al Ahly, Glasner gewann erst kürzlich die europäische Conference League mit Crystal Palace.
Mittlerweile ist der Österreicher Glasner Kandidat bei der AC Mailand. Und Jaissle hat einen hochdotierten Vertrag bis 2027, die Rede ist von 15 Millionen Euro Jahresgehalt. Viel wichtiger aber für eine mögliche Absage an RB: Beide lieben ihre Unabhängigkeit. Mit Klopp, Gomez und Co mittlerweile ein herausfordernder Wunsch, wie die Ablösung von Ole Werner durch Martin Demichelis zeigt, der vermutlich auch mit der Bürde der zweiten Wahl seinen Job antreten wird.