„Einer unserer wichtigsten Köpfe” RB-Fanszene trauert um Fan der ersten Stunde
Er bot auch Oliver Mintzlaff die Stirn, wenn die Diskussion nötig war: Die Fans von RB Leipzig trauern um Holger Miersch, einen der aktivsten und prägendsten Anhänger.

Leipzig – „Du kämpfst nicht allein, Holger! Wir stehen alle neben Dir” stand beim RB-Heimspiel gegen den HSV auf zwei Bannern im Fanblock. Ein letzter Gruß an den im Sterben liegenden Holger Miersch. Keine drei Wochen später ist der langjährige Beirats-Vorsitzende des Fanverbandes Leipzigs an einer Krebserkrankung verstorben, wie der Fanverband in dieser Woche mitteilte.
„Moderiert, wenn es Stunk gab”
„Als Fans verlieren wir einen unserer wichtigsten Köpfe. Er war uns stets echter Freund, Weggefährte, Berater in vielen Lebenslagen und kreativer Kopf zugleich”, trauert der Fanverband. „Moderiert hat er, wenn es Stunk gab. Organisiert hat er, wenn Not an der Person war. Korrigiert hat er, wenn Leute von uns einfach drüber waren. Und das beharrlich und ruhig, meist eher im Hintergrund.”
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Miersch gehörte zu jenen Fans bei RB Leipzig, die sich wirklich engagierten, die Fanszene entwickeln und prägen wollten, ohne selbst in den Vordergrund zu drängen. „Deutlich in der Sache und voller Herzblut. Unser Holger war einer der größten Fans der Fans. Seine Weitsicht, sein ,am Ball bleiben’ und vor allem seine ernst gemeinte Freundlichkeit werden uns unendlich fehlen und sollen uns Vorbild sein. Wir werden ihn nicht vergessen”, schreibt der Fanverband.
Hitzige Debatten mit Mintzlaff: „Wir schreien uns auch mal an”
Dass auch RB Leipzig in den sozialen Netzwerken kondolierte, zeigt, dass Miersch auch im Klub geschätzt war. Und das, gerade weil er sich immer für die Belange der aktiven Fans einsetzte und dabei auch keine Konflikte scheute. Bei einem Gespräch für einen Text über die RB-Fanszene für Zeit online berichtete er etwa über hitzige Diskussionen mit dem damaligen RB-CEO Oliver Mintzlaff. „Wir schreien uns auch mal an”, sagt Miersch über die emotionalen Debatten mit dem Boss.
Miersch war Bühnenbauer und Informatiker und fand 2010 zu RB. „Fansein kommt von Fanatismus, das ist mehr, als ins Stadion zu kommen und sich eine Bratwurst und ein Bier zu kaufen”, betonte Miersch damals. Dass es Zehntausende Dauerkarteninhaber gebe, heiße nicht automatisch, dass RB auch Zehntausende Fans habe. Das sei ein Denkfehler des Klubs.
Miersch gehörte zu der eher kleinen Gruppe der 50 bis 100 Anhänger, die Choreografien planten und umsetzten, der immer da war, wenn Themen die Fanszene spaltete und Dialog nötig war. Von ebenso kreativen wie kritischen Köpfen wie Holger Miersch es war, könnte die Fanszene von Rasenballsport mehr vertragen. Umso mehr wird der gebürtige Connewitzer in der Kurve fehlen.