Aufbruchstimmung in österreich

Rangnick und die "Golden Boys": Wird es eine Erfolgsgeschichte?

Von RBlive/sid 11.06.2022, 20:58
Drittes Spiel für den neuen ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick
Drittes Spiel für den neuen ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick (imago/gepa pictures)

90 Minuten lang hatte das oft so zugige Ernst-Happel-Stadion gekocht. Und als dann Schluss war in Wien, brodelte es noch immer in Ralf Rangnick. Österreich habe "immerhin" ein Unentschieden gegen den Weltmeister geschafft, hatte gerade jemand gesagt. "Warum immerhin?!", blaffte der frühere Sportchef sowie Trainer von Bundesligist und Pokalsieger RB Leipzig: "Wir haben 1:0 geführt!"

"Es gibt nichts zu gratulieren"

Rot-Weiß-Rot will unter dem neuen deutschen Teamchef anderen Fußball spielen und einen anderen Anspruch entwickeln, das zeigte sich beim 1:1 (1:0) gegen Frankreich. Und das zeigte sich auch in der Nachlese am späten Freitagabend. Mit dem Spiel seiner Mannschaft sei er zufrieden, sagte Rangnick, "aber es gibt nichts zu gratulieren". Auch David Alaba war am Ende enttäuscht über dieses Remis gegen Kylian Mbappe und Co. - und ordnete seine Gefühlslage gleich mal selbst ein. "Es zeigt einfach", sagte der langjährige Bayern-Star, "dass wir vielleicht irgendwo die Schnauze voll haben von einer gewissen Art Fußball zu spielen, wie wir es immer wieder in den Jahren zuvor hatten."

Vermutlich soll sich Franco Foda dabei angesprochen fühlen, der bisherige Teamchef, ebenfalls aus Deutschland. Auf jeden Fall aber transportiert auch Alaba die Aufbruchstimmung, die in Österreich gerade herrscht. Bei Rangnicks Debüt gewann das Team 3:0 bei Vizeweltmeister Kroatien, unterlag dann unglücklich gegen ein starkes dänisches Team (1:2), nun hatte es den Weltmeister am Rande der Niederlage. Erst spät glich Mbappe (83.) die Führung durch Andreas Weimann (37.) aus.

Keine WM seit 1998

"Wir sind in einem Prozess", sagt Alaba, "wir sind geil darauf, diesen Prozess weiterzugehen." Rangnick lässt früh angreifen und auf Sieg spielen. Das ist durchaus möglich mit Profis wie Alaba, der mittlerweile für Real Madrid spielt, mit etablierten Bundesliga-Spielern wie Konrad Laimer (RB Leipzig), Xaver Schlager (VfL Wolfsburg) und Marcel Sabitzer (Bayern München). Auch der einstige Bremer Marko Arnautovic gehört noch zu dieser Generation der Hochveranlagten, die durchaus golden schimmert - und die eigentlich eine Durststrecke beenden soll: Seit 1998 war Österreich bei keiner Weltmeisterschaft mehr dabei.

Dass Foda mit dieser Mannschaft die Winter-WM in Katar verpasste, besiegelte letztlich sein Aus. Rangnicks Ankunft wurde dann zwar durchaus gefeiert in Österreich, löste aber auch Skepsis aus: Schon wieder kein Einheimischer, schon wieder ein Deutscher auf dem wichtigsten Trainerstuhl des Landes. Bislang bietet Rangnick den Zweiflern keine Angriffsfläche, im Gegenteil.

Ein weiter Weg

Seit vier Jahren war das Happel-Stadion nicht mehr ausverkauft, gegen Frankreich nun immerhin beinahe: 44.800 Zuschauer kamen, nur wenige Plätze blieben leer, von einem "Hexenkessel" schrieb die Zeitung Österreich. "Ich glaube, dass wir mit unserem Spiel die Leute aufgeweckt haben", sagt Alaba.

Abwarten heißt es allerdings für Rangnick. Sein Vertrag gilt zunächst bis zur EM 2024 in Deutschland. Gelingt die Qualifikation, läuft er weiter bis zur WM 2026 in den USA. Bis zum ganz großen Ziel ist es noch ein weiter Weg.