Wie paralysiert im Ibrox

Finaltraum geplatzt: RB fliegt bei den Rangers raus

Von Martin Henkel, Glasgow Aktualisiert: 06.05.2022, 01:54
Zweites Finale verpasst: RB Leipzig verlässt Glasgow wieder enttäuscht.
Zweites Finale verpasst: RB Leipzig verlässt Glasgow wieder enttäuscht. (imago/Picture Point LE)

Zwei Finals hätte RB am Ende dieser Saison spielen können. Seit Donnerstagabend ist klar: Es wird nur eines, denn das in der Europa League findet ohne den Bundesligisten statt. An seiner Stelle fährt der Rangers FC nach Sevilla und trifft dort am 18. Mai auf Eintracht Frankfurt.

RB verlor das Spiel bei den Schotten trotz eines Treffers von Christopher Nkunku durch Tore von James Tavernier (25.), Glen Kamara sowie John Lundstram 1:3 (0:2), und das völlig verdient. Die Sachsen waren der Größe des Spiels nicht gewachsen. Vor allem nicht dem „Ibrox“.

Nur die Rangers waren „on fire”

Dass das Stadion der Rangers anders ist als andere Stadien, war bekannt. Es füllte sich 20 Minuten vor Anpfiff, die Gesänge begannen kurz davor, während ein riesiges Banner an Rangers‘ Sieg im Pokal der Pokalsieger 1972 gegen Dinamo Moskau in Barcelona erinnerte. Darunter der Satz: „Die Erfolge derjenigen, die vor uns da waren, sind unsere Inspiration.“

Die Schweigeminute zum Tod von Zeugwart Jimmy Bell brachte die 50.000 Fans die einzigen 60 Sekunden an diesem Abend zum Schweigen. Man konnte den Regen auf die Tribünendächer fallen hören. Danach explodierte die Stimmung.

Die Gäste aus Deutschland kamen damit nicht klar. Dabei hatte RB-Ballräuber Konrad Laimer noch versichert, Hexenkessel wie das Ibrox würden ihn „on fire“ setzen. On fire waren aber nur die Schotten.

RB Leipzig in allen Räumen zu spät

Nachdem die Rangers ihre Gegner eine Viertelstunde beobachtet hatten, zogen sie das Tempo an und überfielen sie zwei Mal binnen fünf Minuten. Erst ließ sich der indisponierte Josko Gvardiol den Ball abnehmen, Ryan Kent bediente James Tavernier am Fünfmeterraum. Das 2:0 legte Glen Kamara nach. Wieder war RB in allen Räumen zu spät. Die Rangers kombinierten sich flink bis an den Strafraum, dort zog der Finne einfach mal ab. Dass RB nicht schon zur Pause erledigt war, lag allein daran, dass wieder fünf Minuten später Joe Aribo eine Hereingabe von Tavernier aus drei Metern nicht im Tor unterbrachte, der Ball sprang ihm über den Scheitel (29.).

Es war im Vorfeld immer wieder von der Stimmung im Stadion die Rede gewesen. Welchen Einfluss sie auf die Partie haben könnte. Sie war entscheidend. Die Arena, bis unters Wellblechdach gefüllt, war niemals still, keine Sekunde.

RB, mit Yussuf Poulsen für André Silva und Lukas Klostermann für Mohamed Simakan auf zwei Positionen gegenüber dem 1:2 gegen Gladbach verändert, kam erst in der 38. Minute wirklich gefährlich vors Tor der „Gers“, einen Freistoß von Angeliño köpfte Willi Orban knapp nebens den Pfosten

Nkunku unterbrach entspannten Flutlichtabend von Keeper McGregor

Man hätte annehmen können, RB-Coach Domenico Tedesco würde seinen Spieler in der Pause erfolgreich vor Augen führen können, worum es in diesem Spiel ging. Wenn, dann verfing es sich aber nicht. Sein Personal kontrollierte die Partie zwar, vors Tor der Schotten kamen sie lange Zeit aber nicht. Stattdessen leisteten sich sie immer wieder haarsträubende Fehler, die ihnen leicht den Garaus hätten machen können. So wie Fashion Sakala, der eine Hereingabe in der 54. Minute nur knapp am Pfosten vorbei köpfte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte RB Rangers-Keeper Allan McGregor noch kein einziges Mal ernsthaft herausgefordert. Der Mann ist 40 und verlebte mit den singenden Fans im Rücken einen bis dahin entspannten Flutlichtabend. Dass er doch noch ein Tor in die Maschen bekam, lag mal wieder an Christopher Nkunku, der Sekunden nach einer vergebenen Großchance durch Laimer einen Lupfer von Angeliño zum Anschluss verwertete (70.).

Jetzt waren die Messestädter überlegen, denn den Schotten schien die Puste auszugehen. Nicht auf den Rängen, niemals, aber auf dem Rasen. Mitten in diese Dominanz hinein leistete sich Gvardiol den nächsten Fehler und köpfte eine Hereingabe dem von hinten heransprintenden Lundstram vor die Füße. Der Rechtsverteidiger zog einen Strich ins Tor der Sachsen – und damit auch unter die Partie.