1. RB Leipzig News
  2. >
  3. News
  4. >
  5. „Hätte ihn schützen müssen”: Klostermann wird zum Symbol der Überforderung

„Man hätte ihn schützen müssen” Klostermann wird zum Symbol der Überforderung

Lukas Klostermann erlebte gegen Luis Diaz den wohl schwärzesten Abend seiner Karriere. Der Routinier gewann bei seinem überraschenden Startelfeinsatz keinen einzigen Zweikampf und war an vier Gegentoren beteiligt.

Von Ullrich Kroemer 18.10.2026, 10:53
Überfordert: Lukas Kostermann gegen Luis Diaz.
Überfordert: Lukas Kostermann gegen Luis Diaz. (Foto: imago/kolbert-press)

München/Leipzig/ukr – Wenn die 1:6 (0:3)-Blamage von RB Leipzig beim FC Bayern ein Sinnbild benötigt, dann illustrierte das ungleiche Duell zwischen Lukas Klostermann – Kicker-Note 6 – und Luis Diaz, der eine glatte 1 bekam – die komplette Überforderung der Leipziger am deutlichsten. Bei vier der ersten fünf Gegentore war der überraschend in die Startformation beorderte Ex-Nationalspieler als Rechtsverteidiger direkt beteiligt.

Lesen Sie hier: Reaktionen nach der heftigen Pleite – „Scheißspiel, wir müssen reden!”

Beim 0:1 aus RB-Sicht lief der leichtfüßige Diaz dem 30-Jährigen nach Steckpass von Kimmich physisch und gedanklich schneller davon. Beim 0:2 verschätzte sich Klostermann wieder gegen Diaz komplett und trabte nur hinterher. Beim 0:4 ging Klostermann gar nicht in den Zweikampf und ließ Diaz einfach abschließen. Und beim 0:5 leistete sich „Klosti” zuerst einen Stellungsfehler und übernahm dann nicht den eingelaufenen Nathaniel Brown. Letztlich gewann Klostermann keinen einzigen Zweikampf, auch, weil er kaum in die direkten Duelle kam.

Demichelis vor dem Spiel sicher: „Er wird seinen Job machen”

Nach 60 Minuten hatte Trainer Martin Demichelis ein Einsehen und nahm Klostermann vom Feld. Seine Idee, Klostermann nach einem halben Jahr erstmals wieder in der Startelf zu bringen, erwies sich als fatal. „Lukas bringt andere defensive Qualitäten mit, gerade auch im Kopfballspiel. In diesem Bereich haben wir noch Schwächen. Ich freue mich für ihn, weil er in den vergangenen Tagen sehr gut trainiert hat. Er wird seinen Job machen”, hatte Demichelis vor dem Spiel gesagt.

Lesen Sie hier: Schlimer Rückfall gegen Bayern – „Komplettes Versagen von uns allen”

Nach der Partie bat „Micho” am TV-Mikrofon: „Bitte nennen Sie mir keine einzelnen Namen. Ich hätte nach einer Halbzeit fünf Wechsel machen können. Aber wir haben als Mannschaft verloren und ich möchte die Mannschaft kritisieren, nicht einen einzelnen Spieler.” Klostermann sei erfahren und bringe viele defensive Qualitäten mit. „Deshalb haben wir uns gegen so klasse Spieler wie Olise und Luis Diaz für ihn entschieden. Aber wir müssen über unsere gesamte Mannschaft und unsere Spielidee mit und ohne Ball sprechen.”

Schäfer: „Am Freitag von der Entscheidung erfahren”

Sportchef Marcel Schäfer ließ zwischen den Zeilen durchblicken, dass er Klostermanns Nominierung ebenfalls nicht nachvollziehen konnte. „Ich habe gestern von der Entscheidung erfahren”, so Schäfer. „Aber wir brauchen jetzt nicht über einzelne Bereiche oder Spieler zu sprechen. Ob Offensive, Defensive, Spiel gegen den Ball oder über die Flügel: Wir waren auf jeder Position und in allen Bereichen chancenlos unterlegen.”

Der Einsatz erinnerte an Klostermanns Spiel im DFB-Pokal gegen den 1. FC Magdeburg in der Vorsaison, als es damals Trainer Ole Werner auf seine Kappe nahm, einen Spieler aufgestellt zu haben, der nicht bereit für diese Anforderung war und Klostermann zur Pause vom Feld nahm. Auch Demichelis hätte nun wohl besser ebenfalls zur Halbzeit die Notbremse ziehen sollen. 

Matthäus: „Man hätte ihn nach 20 oder 30 Minuten vom Platz nehmen müssen”

Weltmeister und Sky-Experte Lothar Matthäus kommentierte: „Man hat ihm keinen Gefallen getan, ihn nach so langer Zeit ohne Startelfeinsatz ausgerechnet gegen Bayern München und Weltklassespieler wie Luis Diaz und Michael Olise von Beginn an aufzustellen.” Demichelis hätte früher Einfluss nehmen müssen. „Eigentlich hätte man ihn schon nach 20 oder 30 Minuten vom Platz nehmen müssen, auch um ihn zu schützen. Das ist hart, aber manchmal muss man einen Spieler in einer solchen Situation erlösen.”

Insofern gilt die Kritik gar nicht unbedingt Klostermann, denn wie soll ein Profi, der sich seit anderthalb Jahren auf dem Abstellgleis befindet, plötzlich genug Rhythmus und Praxis haben, um gegen einen Luis Diaz in Topform zu bestehen? Vielmehr muss sich Demichelis diese Personalentscheidung ankreiden lassen – eine fatale Fehleinschätzung.