RB Leipzig

Impfpflichtdebatte im DFB-Team: Flick und Lahm positionieren sich, erstmals kein Profi von RB Leipzig im Kader

Von Martin Henkel 10.11.2021, 17:20
Gemeinsam Weltmeister: Philipp Lahm und Hansi Flick (r.)
Gemeinsam Weltmeister: Philipp Lahm und Hansi Flick (r.) imago sportfotodienst

Ohne einen Spieler von RB Leipzig begibt sich die deutsche Nationalmannschaft in ihre letzten zwei Spiele des Jahres gegen Liechtenstein (11.11.) und Armenien (14.11.) . Ein allzugroßes Drama ist es nicht, denn keiner der bislang vier Auserwählten spielt gerade eine allzu tragende Rolle im Team von Bundestrainer Hansi Flick.

Debüt schon vor fünf Jahren

Dennoch ist der Umstand aus RB-Sicht bemerkenswert und verdeutlicht gerade den schleichenden Verlust deutscher Topsieler in den eigenen Reihen. Ex-Stürmer Timo Werner (jetzt FC Chelsea) war der erste aus der RB-Männerkabine, der in den A-Kader nominiert wurde, am 17. März 2017 debütierte er gegen England.

Ihm folgte im gleichen Jahr Marcel Halstenberg, der ebenfalls gegen England sein erstes Spiel bestritt (10. November). Zwei Jahre später war es für Lukas Klostermann so weit, seine Premiere war die Partie am 20. März gegen Serbien. Benjamin Henrichs, der vierte im Bunde, war schon Nationalspieler, als er zu RB wechselte. Er debütierte am 11. November 2016 gegen San Marino.

Lahm: Moralische Pflicht zum Vorbildsein

Ob es jemand vom Cottaweg zur WM im kommenden Winter in Katar schafft, steht deshalb in den Sternen. Wenn aber, dürfte er bis dahin auch eine Impfdebatte geführt haben, wie sie der DFB im kommenden Jahr plant, nachdem fünf Spieler den Kader verlassen mussten, weil einer von ihnen positiv auf Corona getestet wurde.

Dieser eine war Niklas Süle, doppelt geimpft. Vier seiner Mitflieger mussten nach Hause, mutmaßlich ungeimpft, aber das konnte und durfte beim DFB niemand so genau sagen. Diese vier waren Ex-RB-Leihspieler Joshua Kimmich, RB-Transfertargetspieler Karim Adeyemi (Salzburg) sowie Serge Gnabry und Jamal Musiala. Vier weiter durften bleiben, gut möglich ihres Impfstatus' wegen: die restlichen Bayern-Spieler Manuel Neuer, Thomas Müller, Leon Goretzka und Leroy Sane.

Philipp Lahm, einer der Vorgänger im Nationalteam und Ex-Kollege beim FC Bayern, sagte dazu bei einer Veranstaltung in Leipzig zur Frage, wieviel moralische Pflicht die Profis zur Impfung hätten, weil es eine gesetzlich geregelte ja nicht gibt: "Ich bin geimpft, weil ich vermeiden will, dass ich einen schwerwiegenden Verlauf habe."

Flick: "Ich wünsche mir, dass die Spieler geimpft sind"

Gerade weil Fußballspieler mehr seien als nur Privatpersonen sieht Lahm die Pflicht zum Vorbildsein, in seinen Augen also zum Impfen. "Ich habe es so kennengelernt, dass man als Nationalspieler sein Land und die Bevölkerung vertritt und damit Vorbild ist", sagte der Direktor des EM-Turniers 2024 in Deutschland. "Dessen sind sich die Spieler auch bewusst. Das habe ich immer so gehandhabt und das wünsche ich mir auch von jedem einzelnen, der bei der Nationalmannschaft ist."

Ganz so weit wie Lahm wollte Hansi Flick einen Tag vor dem Spiel in Wolfsburg gegen Liechtenstein nicht gehen. "Was meine Meinung ist: Ganz klar wünsche ich mir natürlich schon, dass die Spieler geimpft sind“, sagte er. „Aber letztendlich ist es ihre eigene Sache.“ 

Fast genau zwölf Monate vor dem WM-Eröffnungsspiel in Doha bekam der Bundestrainer eindrücklich vor Augen geführt, welche Folgen eine Corona-Infektion eines Spielers für seine Mannschaft haben kann. Flick will sich mit diesem Thema so kurzfristig aber nicht befassen. Der Anstieg der Infektionen in der - ungeimpften wie geimpften - Bevölkerung überrascht auch den Deutschen Fußballbund.

Impfen ist Privatsache

"Wir müssen einfach schauen, wie wir das in Zukunft machen, das wird uns noch länger beschäftigten, wie wir uns schützen", sagte Flick mit Blick auf die Pandemielage. "Ich hoffe, dass es solche Themen, dass wir fünf Spieler nach Hause schicken müssen aufgrund von Corona, nicht mehr gibt, das würde ich mir wünschen."

Flick betonte aber vor allen Erwägungen, dass es in Deutschland keine Impfpflicht gebe und jene, die sich nicht impfen lassen, dürften dafür nicht verurteilt werden. "Für mich ist es trotzdem der einzige Weg aus der Pandemie, dass man sich impfen lässt", sagte der Bundestrainer. "Jeder hat am Ende die Verantwortung für sich und das Recht, das zu verweigern." (RBlive/hen mit dpa)