Heim-Blamage in der Champions League

RB bricht gegen Donezk auseinander

Von Martin Henkel Aktualisiert: 06.09.2022, 23:52
Fassungslos: Konrad Laimer.
Fassungslos: Konrad Laimer. (imago/Eibner)

Spiel eins nach dem 0:4-Debakel bei Eintracht Frankfurt verlief am Dienstagabend für RB Leipzig nicht weniger bitter: Der Bundesligist aus Sachsen unterlag in der Champions League daheim vor 41.591 Fans Schachtar Donezk 1:4 (0:1). Mit einigem Pech, aber wer fragt in ein paar Tagen danach schon, wenn die Krisendebatte am Cottaweg zum nächsten Höhepunkt eilt. Zwei Mal Marian Shved (16., 58.), Mykhaylo Mudryk (76.) sowie Lassina Traoré (85.) trafen für die Gäste aus dem Kriegsgebiet im Donbass, Mohamed Simakan hatte zwischenzeitlich ausgeglichen (57.).

Tedesco geht ins Risko

Trainer Domenico Tedesco war ins Risiko gegangen für dieses Spiel. Eine Abkehr von Spielern wie Benjamin Henrichs, David Raum, Kevin Kampl und Josko Gcardiol, alle in der Defensive zu Hause, alle indisponiert in den vergangenen Wochen. Vor allem beim Debakel in Frankfurt, welches die Ergebniskrise vergangenen Samstag auf die Spitze getrieben hatte.

Für das Quartett stellte der Coach den Lastminute-Leihpieler Abdou Diallo (Paris Saint-Germain), Xaver Schlager und Marcel Halstenberg in seine Startelf und setzte im Angriff auf Dominik Szoboszalai, Christopher Nkunku, Timo Werner und André Silva.

RB probierte die Verunsicherung der letzten Wochen durch eine Rückkehr zum Dominanzfußball der ersten Ligaspiele in den Griff zu bekommen. Es wirkte eine Weile lang und lief auf die Strategie hinaus, den viele Monate seit Ausbruch des Krieges untätigen ukrainischen Meister irgendwann mürbe zu spielen.

Gastgeschenk von Gulacsi

Timo Werner näherte sich in der 3. Minute dem Tor an, sein Schuss rauschte aber vorbei. Acht Minuten später tauchte Nkunku frei vor Anatloyi Trubin auf. Der Schachtar-Keeper parierte den Schuss des Franzosen nach einem Pass von Silva.

Nur fünf Minuten später krachte dann der erste Wirkungstreffer ins ohnehin brüchige Gemüt der RB-Elf. Schlussmann Peter Gulacsi spielte 30 Meter vor seinem Gehäuse einen ungefährlichen Rückpass Donezk-Stürmer Marian Shved vor die Füße. Der Ukrainer nahm das Gastgeschenk an und schob den Ball ins verlassene Tor.

Die Zahlen bis zur Pause gaben Aufschluss darüber, dass Tedescos Personal den Hieb nur schwer verdaute. In den verbleibenden Minuten ergab sich nicht eine ernsthafte Gelegenheit zum Ausgleich.

RB Leipzig lässt sich dreimal auskontern

Für die zweite Hälfte brachte Tedesco Raum für Halstenberg. RB erhöhte die Schlagzahl, und kam zu Chancen. Die erste hatte Szoboszlai mit einem Freistoß (54.), kurz darauf köpfte Laimer knapp am langen Pfosten vorbei (55.). Zwei Minuten später überschlugen sich die Ereignisse. Erst erzielte Simakan das 1:1, im Gegenzug traf Shved erneut zur Führung. Willi Orban fälschte den Schuss des Ukrainers ins eigene Tor ab (57., 58.).

Zwei Schüsse der Gäste, zwei Treffer nach Missgeschick und Pech: Das war alles andere als leicht zu verdauen für die Sachsen, die sich noch nicht hängenließen wie in Frankfurt, sondern weiter das Tor der Ukrainer belagerten. Orban hatte eine erste Gelegenheit zum erneuten Ausgleich, er köpfte knapp am Tor vorbei (70.).

Weitere würden folgen, so jedenfalls sah das aus, bis RB in einen Konter der Ukrainer lief, den Mykhailo Mudrych zum 1:3 versenkte. Drei Minuten vor dem Ende beendete Lassina Traoré die Partie mit dem vierten Wirkungstreffer für den taumelnden Bundesligisten, der nun auseinanderbrach. Es ist eine alte Wahrheit im Fußball wie im Leben: Hast du einmal das Pech an den Hacken, dann richtig.