grotesker Chancenwucher

RB verpasst gegen Frankfurt Sprung weg von Konkurrenten

Nur 0:0 trotz vieler Chancen. Nach Patzern von Hoffenheim (0:3 gegen Hertha) und Freiburg (0:0 gegen Fürth) verpasste es RB, sich im Kampf um die Champions-League-Plätze etwas abzusetzen.

Von Ullrich Kroemer Aktualisiert: 20.03.2022, 17:54
Haben sich lieb, aber standen einander beim Torschuss im Weg: "Christo" Nkunku und "Benny" Henrichs (r.)
Haben sich lieb, aber standen einander beim Torschuss im Weg: "Christo" Nkunku und "Benny" Henrichs (r.) (imago/opocupix)

RB Leipzig hat sich an Eintracht Frankfurt die Zähne ausgebissen. Das Sonntagsspiel in der Red-Bull-Arena endete trotz klarer Überlegenheit der Hausherren torlos. Die Leipziger vergaben eine Vielzahl an Möglichkeiten durch Ungenauigkeiten, Missverständnisse, auch Pech, und scheiterten letztlich an der zu verschwenderischen Chancenverwertung.

Nach Patzern von Hoffenheim (0:3 gegen Hertha) und Freiburg (0:0 gegen Fürth) verpasste es RB, sich im Kampf um die Champions-League-Plätze etwas abzusetzen.

Zerfahrene Startphase

Das Spiel war noch keine Minute alt, da ruhte der Ball wieder. Dicke Rauchschwaden waberten durch das Stadion. Aus dem Block der 1500 mitgereisten Frankfurter knallte und qualmte es. Als sich der Nebel verzogen hatte, sahen die 43.058 im Stadion eine zerfahrene Startphase.

Frankfurt trat trotz des kräftezehrenden Einzugs ins Europapokal-Viertelfinale mit nur einer Änderung an, die allerdings programmatisch war: Der bissige Sebastian Rode war für Djibril Sow in die erste Elf gerückt und lief die Leipziger im Spielaufbau gallig an. Überhaupt begann Frankfurt aggressiv, immer wieder rückte einer der Abwehrspieler aus der Fünferkette und stand Christopher Nkunku und Dani Olmo aggressiv auf den Füßen.

Es war ein von Konrad Laimer eingeleiteter Konter, der die erste Chance für RB brachte. Olmo lief mit dem Ball am Fuß bis kurz vor den Strafraum, hätte es auch selbst versuchen können, legte aber links raus zu Nkunku, der beim Abschluss noch gestört wurde (9.). Aus dem Spiel heraus brauchte Leipzig etwas, um Ideen gegen die gut organisierten Gäste zu entwickeln.

Simakan an den Pfosten

Das gelang dann zweimal über die linke Seite: Zunächst flankte Kevin Kampl auf den Kopf des Ex-Frankfurters André Silva, in dessen Ablage Nkunku mit zu hohem Bein rauschte (22.). Kurz darauf leitete Angeliño wieder über Links die nächste gefährliche Szene ein. Im zweiten Nachfassen landete der Ball bei Verteidiger Mohamed Simakan, dessen kraftvoller Schuss von der Strafraumkante von Eintracht-Keeper Kevin Trapp an den Pfosten gelenkt wurde (26.).

Die Eintracht hatte zwei, drei gefährliche Momente mit viel Raum im letzten Drittel, doch die Leipziger Abwehr machte diese Situationen mit viel Willen und gutem Zweikampfverhalten zunichte. Die Eintracht brachte keinen einzigen Schuss aufs Leipziger Tor.

RB drängte noch vor der Pause auf den Führungstreffer; Nkunku legte für Laimer auf, dessen wuchtiger Abschluss aus 20 Metern von der Latte ins Feld zurücksprang. Silva reagierte überrascht und setzte den Kopfball gegen die alten Kollegen deutlich daneben. Der Portugiese, der in der Vorsaison noch 28 Mal für Frankfurt getroffen hatte, agierte sonst kaum wahrnehmbar und war kein Faktor für Leipzig in diesem Duell.

Groteskes Abschlussverhalten

In der Nachspielzeit lag der Ball dann endlich im Tor, doch der Jubel auf dem Platz und im Stadion währte nur kurz. Der vermeintliche Torschütze Nkunku hatte bei Angeliños Vorlage im Abseits gestanden. Dabei hätte der Franzose den Ball einfach nur zu Henrichs durchlassen müssen (45.+2). So musste es sich RB bereits in der Pause ankreiden lassen, nicht mehr aus der Vielzahl an Chancen gemacht zu haben.

Dieser teils absurde Chancenwucher setzte sich in der zweiten Hälfte fort. Immer, wenn Frankfurt mal hoch aufrückte und RB kontern konnte, wurde es gefährlich. Erst scheiterte Olmo mit einem zu zentralen Schuss an Trapp (46.), dann vertändelte Nkunku nach Hereingabe von Henrichs (52.). Schließlich stürmte Laimer nach Traumvorlage von Nkunku allein auf Trapp und die erstmals mit 10.500 Fans gefüllte Stehplatztribüne zu, scheiterte aber aus halbrechter Position wieder an dem Nationalkeeper (63.).

Nach Abwehrpatzer der Frankfurter zog Nkunku zu überhastet aus zu großer Entfernung ab (78.). Und das waren nur die besten Szenen. Als der eingewechselte Yussuf Poulsen von Nkunku freigespielt einfach nicht abschloss, sondern immer weiter zögerte (82.), nahm das Abschlussverhalten schon fast groteske Züge an.