RB Leipzig

Partisanen hinter feindlichen Linien: RB Leipzigs Spieler in der Einzelkritik

Von Ullrich Kroemer 18.12.2019, 10:14
Schick macht den Flieger: Der Tscheche erzielte das 3:3 gegen Dortmund.
Schick macht den Flieger: Der Tscheche erzielte das 3:3 gegen Dortmund. Imago/Nordphoto.

Das 3:3 bei Borussia Dortmund war die wundersamste Auferstehung der Leipziger in dieser Saison. Die Einzel-Zeugnisse der Spieler:

Peter Gulacsi: Nach zwei Patzern gegen Hoffenheim leistete sich der sonst so fehlerlose Rückhalt erneut einen kapitalen Fehler. Beim 1:0 durch Julian Weigl verschätzte sich der Keeper, lag bereits am Boden, als ihm der Ball übers Schienbein hinweg ins Tor flutschte. Bei den anderen Toren machtlos, hielt RB mit einigen guten Paraden im Spiel. Note: 4.

Nordi Mukiele: Hatte gegen den Dortmunder Hochgeschwindigkeitsfußball immer wieder Probleme im Stellungsspiel. Bei Julian Brandts 2:0 konnte er nur zuschauen. Leistete sich 13 Fehlpässe (bei 29 angekommenen) – die meisten bei RB. Vor dem entscheidenden 3:3 absolvierte er dann einen tollen Laufweg und schloss so wuchtig ab, dass Roman Bürki den Ball nur abprallen lassen konnte. Note: 3.

Lukas Klostermann: Musste wieder als Innenverteidiger aushelfen und tat das solide. Aber man wurde das Gefühl nicht los, dass er als Rechtsverteidiger mehr gebraucht worden wäre. Leistete sich beim 2:3 einen Stellungsfehler, hatte die Chance zum Ausgleich per Kopf (52.), doch Bürki parierte den durch Dauerregen glitschigen Ball. Note: 3,5.

Dayot Upamecano: War auch in der schwachen ersten Hälfte RBs Turm in der Schlacht und über das gesamte Spiel hinweg gesehen bester Leipziger. Bügelte diverse Fehler der Vorderleute aus, sah dann beim 0:2 durch Brandt ebenso wie Mukiele nicht gut aus. In der zweiten Hälfte trieb er das Spiel an, hatte die meisten Ballkontakte bei RB (111) und gewann 16 Zweikämpfe. Mit einem tollen Diagonalball auf Mukiele bereitete er das 3:3 vor. Note: 2,5.

Marcel Halstenberg: Hatte in der ersten Hälfte gegen Achraf Hakimi & Co. enorme Probleme auf der linken Abwehrseite, wurde dann stärker. Letztlich ohne entscheidende Impulse gegen seinen Ex-Klub. Note: 3,5.

Diego Demme: War anfangs im Spielaufbau überfordert, konnte nur selten einen seiner berühmten Chipbälle an den Mann bringen. Defensiv biss er sich in die Partie, gewann schließlich 16 Zweikämpfe - und lief natürlich mitz 13,2 Kilometern wieder am meisten. Note: 3,5.

Konrad Laimer: Rackerte wie gewohnt (79 intensive Läufe), verlor aber gerade in den ersten 30 Minuten zahlreiche Bälle im Spiel nach vorn gegen aggressiv pressende Dortmunder. Note: 3,5.

Marcel Sabitzer: Der Mentalitätsspieler aus Österreich fand sich in der defenisveren Rolle in der anfänglichen 4-3-3-Grundordnung nicht so gut zurecht wie gewohnt. Ist augenscheinlich ein wenig überspielt, seine Abschlüsse zündeten nicht. Bisweilen lief das Spiel an ihm vorbei, was sich bereits gegen Düsseldorf andeutete. Braucht dringend Weihnachtsurlaub. Note: 4.

Emil Forsberg: War nach schwacher 1. Hälfte – zu wenig Ballkontakte, zu viele Ballverluste und Fehlpässe – das Opfer von Nagelsmann Plan für die 2. Halbzeit und musste zur Pause raus. Klemmte sich nach Spielschluss als Erster den Kulturbeutel unter den Arm und stapfte angefressen zum Mannschaftsbus. Wurde seinem Anspruch als Führungsspieler, der in Topspielen wie diesen Verantwortung übernimmt und das Team führt, diesmal nicht gerecht. Note: 4,5.

Timo Werner: Er sagte es selbst: In der ersten Hälfte absolvierte er eines seiner schlechtesten Spiele für RB überhaupt. Nach eigenem Bekunden brachte der Stürmer keinen Ball zum Nebenmann. Doch nach dem Seitenwechsel zeigte der Tempostürmer seine bislang eher vernachlässigten Qualitäten als Spekulant in des Gegners Hälfte. Reagierte beim 1:2 blitzschnell auf Bürkis Fehler und schlich beim 2:2 unbemerkt von Julian Brandt inmitten der feindlichen Linien umher wie ein Partisan. Drehte das Spiel, rutschte wunderschön durch den Dortmunder Regen vor der Fankurve über den Rasen und gestattete später sogar der schreibenden Presse drei Fragen, was in etwa zwei Mal im Jahr vorkommt. Ist mit 18 Toren in 16 Spielen auf Rekordkurs. Note: 2,5.

Yussuf Poulsen: Ackerte viel nach hinten, war in der ersten Hälfte einer der Spieler, die sich am meisten wehrten und kam sogar in eine Abschlussposition (45.). Doch vor dem Tor hat der Däne anders als in der Vorsaison aktuell weder Klasse noch Fortune. Drei Saisontore sind zu wenig für den langen Angreifer. Bereitet aber das 1:2 vor, indem er sein Kopfballduell gewann und Bürki in Bedrängnis brachte. Was das Toreschießen angeht, bekommt der Meister des Anlaufens starke Konkurrenz des derzeit besseren Patrik Schick. Note: 3,5.

Patrik Schick: Es läuft bei dem Beau aus Prag. Der ausgeliehene Joker stand beim 3:3 genau richtig und hatte keine Hemmungen, den Ball wuchtig im Tor unterzubringen. Erzielte in 250 Spielminuten und fünf Bundesligaeinsätzen für RB drei Tore und legte eines auf. Entwickelt sich zur ernsthaften Konkurrenz für Klub-Legende Poulsen. So langsam ahnt man, weshalb sein festgeschriebener Kaufpreis bei 29 Millionen Euro liegt. Note: 2,5.

Christopher Nkunku: Kam in der zweiten Hälfte in das wilder werdende Spiel, hatte aber wenig, und keinesfalls so überragende Aktionen wie zuletzt. Immerhin: Der Franzose war um Längen aktiver als zuvor Emil Forsberg und band eine Menge Gegenspieler, wenn er am Ball war. Note: 3,5.

Matheus Cunha: Bekam wie gegen Düsseldorf die Chance, sich zu zeigen. Die gute Nachricht: Er bemühte sich, seinen Frust über die Rolle als Ersatzspieler diesmal für sich zu behalten. Legte seinen Freestyle-Trotz beseite und ackerte zum Wohle des Team, um das 3:3 zu halten. Note: 3,5.

(RBlive/ukr)