RB-Trainer im Interview Zwei Regeln, mehr nicht: So geht Demichelis mit Krisen und Kritik um
RB-Trainer Martin Demichelis hat in seiner Karriere großen Erfolg und großen Druck erlebt. Im Umgang mit Krisen und Kritik hält sich der Argentinier an zwei erstaunlich einfache Regeln.

Leipzig/hen, sid – RB Leipzigs Trainer Martin Demichelis hat zwei relativ einfache Regeln, um in Krisen und bei Kritik gelassen zu bleiben. Er nimmt sie hin, weil sie für ihn "bei großen Klubs dazugehören". Und: Er liest keine Zeitung und nicht im Internet.
Demichelis schwört auf Werte seiner Kindheit
Zudem schwört der Argentinier auf die Werte seiner Kindheit. "Als ich Profi wurde und plötzlich Geld verdiente, hat mich das nicht verändert. Der Sport hat mich zwar berühmt gemacht, aber meine Werte sind noch immer die der einfachen Leute", sagte der frühere Bayern-Profi und heutige Leipzig-Coach der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS).
Demichelis wuchs in Justiniano Posse, einer 8000-Menschen-Gemeinde im Zentrum des Landes nahe Codoba auf. "Mein Vater hatte ein Getränkegeschäft. Das war von Montag bis Sonntag geöffnet. Es gab kein frei und keine Ferien. Ich habe früh realisiert, wie hart meine Eltern arbeiten mussten, um mir Fußballschuhe zu kaufen. Hatten wir Essen im Überfluss? Nein. Hat es mir jemals an Essen gefehlt? Nein. Ich hatte eine normale, schöne Kindheit", sagte Demichelis, dessen Mutter früh verstarb.
"Es geht ums Gewinnen"
Als Spieler schaffte es Demichelis unter anderem zu Bayern München, Atlético Madrid, Manchester City und Espanyol Barcelona, als Trainer zu RCD Mallorca und seit Sommer zu RB Leipzig. Dort hatte es nach zwei mäßigen Spielen auch schnell Kritik gegeben. Überraschend kam das für Demichelis nicht. "Das Fußballgeschäft ist so, und das weiß ich. Erst recht in den großen Klubs. Es geht einzig ums Gewinnen. Was anderes interessiert nicht", sagte er.
Auch deshalb lese er kaum Zeitung. "Ich schaue wenig darauf, was die Medien berichten. Weder, wenn wir gewinnen, noch, wenn wir verlieren. Ich verändere mich nicht. Ich rede genauso mit meinen Spielern oder den Mitarbeitern, ganz egal, wie das Spiel ausgegangen ist. Das ist meine Art", sagt er.