leere Stadien wegen Coronapolitik

Deutscher Sonderweg bei Obergrenzen: Entfacht Profifußball eine Klagewelle?

RB Leipzig geht als erster Fußball-Bundesligist gerichtlich gegen die Zuschauer-Obergrenze vor. Das Vorgehen steht stellvertretend für einen zunehmenden Konfrontationskurs der Klubs gegen die Politik - auch mit Blick auf andere Länder.

Von hen/dpa Aktualisiert: 30.01.2022, 17:56
1000 Zuschauer nur erlaubt: Fans von RB Leipzig beim Spiel gegen Wolfsburg
1000 Zuschauer nur erlaubt: Fans von RB Leipzig beim Spiel gegen Wolfsburg (imago/picture point le)

Die Geduld ist aufgebraucht, die Zeit des freundlichen Dialogs vorbei, die Fußball-Bundesliga geht auf Konfrontationskurs zur Politik: Der nahezu vollständige Zuschauerausschluss in den deutschen Stadien wird zum Fall für die Justiz. Als erster Bundesliga-Klub geht RB Leipzig gerichtlich gegen die Obergrenze vor - und könnte den Startschuss für eine Klagewelle gegeben haben.

Heftige Kritik

Die Sachsen, die derzeit nur 1000 Fans in der Red Bull Arena begrüßen dürfen, haben beim sächsischen Oberverwaltungsgericht in Bautzen einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung im Eilverfahren gestellt. ´Das nächste Heimspiel hat RB am 11. Februar gegen den 1. FC Köln.

Die Klubs setzen den aktuelle Fallzahlen umfangreiche Hygienekonzepte, zu denen etwa die Maskenpflicht oder die 2G-Plus-Regel zählen, entgegen. Trotzdem hatte sich die Politik zuletzt dagegen entschieden, bundesweit einheitliche Lockerungen bei den Zuschauerobergrenzen zu beschließen.

Heftige Kritik übte daran unter anderem Hans-Joachim Watzke als Geschäftsführer von DFB-Pokalsieger Borussia Dortmund. Der künftige Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Fußball Liga (DFL) sprach zum wiederholten Mal von "Symbolpolitik" auf Kosten der Sportklubs.

Corona wie Grippe behandeln

Die Bundesliga ist im europäischen Vergleich von tiefgreifenderen Maßnahmen betroffen. In der englischen Premier League kann derzeit trotz hoher Fallzahlen unter Vollauslastung gespielt werden bei einer Erstimpfungsrate in England von 91 Prozent, doppelt geimpft sind 84 Prozent, geboostert 64 Prozent. Das Vereinigte Königreich will noch im Februar seine Corona-Maßnahmen weitgehend beenden.

Deutschland im Vergleich hat eine Erstimpfrate von 75 Prozent, als doppelt geimpft gelten knapp 74 Prozent, geboostert wurden 52 Prozent. In Spanien mit einer Doppeltgeimpftrate von über 90 Prozent, aber einer Booster-Rate von knapp 30 Prozent, dürfen die Stadien zu 75 Prozent ausgelastet sein. Das Land will die Corona-Pandemie demnächst für beendet erklären und Covid-19 wie die Grippe behandeln.

In Italien, wo 80 Prozent der Bevölkerung als doppelt geimpft gilt und 55 Prozent der Bevölkerung eine Booster-Impfung erhalten haben, können Klubs ihre Stadien zu 50 Prozent.

Zieht Sachsen nach?

Die hohen Kosten der Pandemie dürften RB zum Gang vor das Gericht bewegt haben. Man wisse, dass die Pandemie viele im Land schwer getroffen habe, sagte Geschäftsführer Oliver Mintzlaff zuletzt im Bild-Interview. Aber: "Wir haben trotz eines Minus von über 60 Millionen Euro in den vergangenen zwei Jahren viel Verständnis für Entscheidungen der Politik gehabt. Aber jetzt ist der Punkt, wo jeder Bundesbürger, jeder Unternehmer und auch jeder Bundesligaclub pragmatische, logische und nachvollziehbare Entscheidungen erwarten kann."

Andere Klubs könnten dem Leipziger Beispiel folgen. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen ist der Ärger gegen das Quasi-Zuschauerverbot groß. Nach den Sonderregeln in Bayern (bis zu 10.000 Fans) und Baden-Württemberg (bis zu 6000 Zuschauer) bleibt abzuwarten, ob auch andere Bundesländer wie etwa Sachsen nachziehen.