Max Eberl im Interview"Ich habe einfach Bock, für Leipzig zu arbeiten"

Der bald neue Sportdirektor von RB Leipzig gibt sein erstes Interview nach gut zehn Monaten Auszeit. In diesem schildert er die Beweggründe für seinen Rückzug, was ihn danach bewegt hat und welche Erfahrungen er macht, seitdem er sich entschieden hat, ab dem 15. Dezember für den Red-Bull-Klub zu arbeiten.

Von Martin Henkel Aktualisiert: 22.10.2022, 08:30
Freut sich auf seinen neuen Job bei RB Leipzig: Max Eberl
Freut sich auf seinen neuen Job bei RB Leipzig: Max Eberl (imago/claus bergmann)

Ende Januar dieses Jahr zog Max Eberl die Reißleine. Auf einer Pressekonferenz erklärte der langjährige Sportchef und frühere Fußballprofi von Borussia Mönchengladbach teils unter Tränen, dass er „kaputt“ sei, „erschöpft“ und deshalb „nicht mehr arbeiten“ könne. „Ich muss einen Schlussstrich finden. Ich muss raus. Ich muss auf den Menschen Max Eberl aufpassen.“

RB Leipzig: Max Eberl meldet sich zu Wort

Zehn Monate verschwand der 49-Jährige danach aus der Öffentlichkeit. Er reiste nach Argentinien, nach Namibia und auf die Malediven. Jetzt ist er zurück, auch im Geschäft. Eberl wird ab dem 15. Dezember Sportchef bei RB Leipzig.

Seine Entscheidung, für den Red-Bull-Klub zu arbeiten, wurde vor allem im Umfeld seines alten Vereins mit Skepsis aufgenommen und kritisch beurteilt. Der Fanverband warf Eberl zudem Täuschung und Kalkül vor. Die Klubführung, meist alte Weggefährten schwiegen zu diesen mitunter abstrusen Vorwürfen. Nun hat sich auch Max Eberl zu Wort gemeldet.

In seinem ersten Interview nach seinem Rückzug vom Profifußball sprach der gebürtige Niederbayer mit der Welt am Sonntag (morgige Ausgabe) über die vergangenen Monate, den Umgang in Gladbach mit seiner Entscheidung, künftig für RB Leipzig zu arbeiten und wie er sich momentan fühlt. Die Aussagen sind vorab in der WELT und der BILD erschienen.

Eberl…

… über Kritik an seiner künftigen Arbeit für RB: „Natürlich war diese Debatte in meinen Gedanken ein Thema. Als ich mich damit auseinandergesetzt habe, habe ich gemerkt, wie wichtig es mir jahrelang war, den Menschen zu gefallen – dass die Fans und die Leute um mich herum zufrieden sind mit dem, was ich mache. Heute aber sage ich: Am Ende gibt es nur einen, dem du wirklich Rechenschaft ablegen musst, und das bist du selbst. Und ich habe einfach Bock, für Leipzig zu arbeiten.“

… über eine zuletzt größte Enttäuschung: „Das war der Brief des Gladbacher Fanprojekts. Die darin geäußerte Enttäuschung darüber, dass ich zu RB gehe, verstehe ich. Aber nicht, dass mir Lügen und Theaterspiel vorgeworfen wird – und dass der Klub so etwas nicht umgehend zurückweist. Im Verein wissen sie, wie es mir gegangen ist und wie oft ich in Gesprächen geweint und gesagt habe, dass ich nicht mehr kann. Deshalb enttäuschte es mich sehr, dass Menschen, mit denen ich 23 Jahren lang fast täglich zusammengearbeitet habe, mir nicht glauben. Das kann ich nicht verstehen. (...) Dass unkommentiert stehen gelassen und nicht eingeordnet wird, wenn man mir in einem offenen Brief vorwirft, ich würde Menschen mit Burn-Out oder Depressionen diskreditieren, kann ich nicht verstehen. Die Menschen, die so etwas schreiben, sind das Problem. Mit mir hat sich jemand zu Wort gemeldet, der psychisch angeschlagen, der krank war – und ihm wird nicht geglaubt.“

"Max Eberl ist immer marschiert"

… über seine aktuelle Verfassung: „Es geht mir sehr gut. Ich habe die Zeit intensiv genutzt, auf den Menschen Max Eberl geschaut, auf ihn geachtet und mich um ihn gekümmert. (...) Als ich aus Argentinien zurückgekommen bin, habe ich mir professionelle Hilfe genommen und professionell reflektiert. Ich habe mir Fragen stellen lassen und mich auf sie eingelassen. Das war aufschlussreich, aber auch sehr schmerzhaft und hart. Ich war mit mir beschäftigt und kann offen sagen: Ich habe auch viel geweint. Inzwischen bin ich an einem Punkt, an dem ich Dinge viel bewusster mache.“

... über den Grund für seinen Abgang: "23 Jahre war ich insgesamt in Mönchengladbach; ohne Pause, ohne Zeit, mal etwas zu reflektieren und zu verarbeiten. Dazu gehört zum Beispiel auch Privates, wie die Trennung vor knapp dreieinhalb Jahren von meiner Frau nach knapp 25 Jahren. Wir Fußballer neigen aufgrund des dichten Zeitplans dazu, Dinge schnell abzuhaken, zu verdrängen und weiterzumachen. Das nächste Spiel steht ja an. Aber irgendwann wird der Berg immer größer mit all dem, was sich so angehäuft hat. (...) Max Eberl ist immer marschiert. Ich wollte den größtmöglichen Erfolg für den Klub und habe mich komplett hingegeben. Am Ende aber war der Berg zu groß. Ich war in einer Sackgasse. Inzwischen weiß ich das. Doch es hat gedauert, bis ich das gemerkt habe und akzeptieren konnte, dass der Fußball mal nicht der Mittelpunkt in meinem Leben ist."