Dominik Szoboszlai

Überschuss an Talent: Tedesco fordert mehr "Intensität" vom Ungarn

21-Jähriger gehört zu den talentiertesten Offensivspielern bei RB Leipzig. Im Hinspiel gegen Stuttgart traf er zwei Mal spektakulär. Sein Trainer hofft auf mehr Konstanz

Von Martin Henkel 15.01.2022, 07:44 • Aktualisiert: 15.01.2022, 14:47
Gegen Stuttgart kämpferisch: Dominik Szoboszlai
Gegen Stuttgart kämpferisch: Dominik Szoboszlai (Quelle: imago/motivio)

Wie den Trend beenden, das war eine der Grübelfragen in dieser Trainingswoche für RB Leipzigs Trainer Domenico Tedesco vor der Auswärtspartie beim VfB Stuttgart heute (15.30 Uhr/Sky). Die Sachsen haben seit März kein Spiel auf fremden Platz gewonnen. Tedesco nannte diesen Umstand am Donnerstag „einen Wahnsinn“, wenn man sich den Kader so vor Augen führe. Sitzt also „in den Köpfen“ drin, meinte der 36-Jährige. „Da brauchen wir nicht drumherum reden.“

Vor dem letzten Ausflug in die Fremde zur Partie gegen Augsburg kurz vor Weihnachten, hatte es der Coach des Vizemeisters deshalb mit einer Schocktherapie versucht. Er sprach den „Fluch“ an, um „die Sinne zu schärfen und die Mannschaft heiß zu machen“, wie er am Donnerstag erzählte. Es verfing sich nicht, RB spielte beim Abstiegskandidaten nur 1:1. „Diesmal“, so der Trainer, werde er deshalb lieber den Mund halten.

Halb Schuss, halb Hereingabe

Damit diese Maßnahme nun endlich mal wirkt, kommt der VfB Stuttgart ja vielleicht wie gerufen. Das Hinspiel gewannen die Rasenballsportler mit feinem Fußball 4:0. Ein Profi spielte an jenem spätsommerlichen Nachmittag besonders groß auf, der durch den Ausfall von Spielmacher Emil Forsberg gerade im Fokus steht: Dominik Szoboszlai. Der Ungar erzielte damals zwei Tore – mit Fernschüssen aus Winkeln und Positionen, aus denen selten ein Tor gelingt. Einmal vom rechten Strafraumeck, der Ball segelte in den schussfernen Winkel. Das zweite Tor fiel nach einem ruhenden Ball aus dem linken Halbfeld, aufgesetzt halb als Hereingabe, halb als Schuss.

Es ist diese exzellente Schusstechnik gepaart mit einem guten Auge und viel Ballgefühl, die den erst 21 Jahre jungen Offensivspieler derzeit so wichtig machen für seinen Coach und seine Mitspieler bei der überaus schwierigen Punktejagd, um es von Rang neun aus doch noch bis zum Ende dieser Spielzeit auf einen Champions-League-Platz zu schaffen. Fünf Zähler beträgt der Abstand auf Platz vier.

Vorigen Samstag, beim 4:1 gegen Mainz, zeigte der Salzburg-Transfer von vor einem Jahr erneut, dass die investierten 22 Millionen Euro jeden Cent wert sein können. Nach dem Seitenwechsel drehte der 18-fache ungarische Nationalspieler auf, erzielte ein Tor und leistete zu einem zweiten unmittelbar Beistand. „Er war an vielen Orten zu finden“, begründete Tedesco diese Effektivität, vor allem aber habe „Szobo“ eine „gute Intensität“ gehabt.

Überschuss an Talent

Sein Trainer legte nicht ohne Grund den Akzent auf die Bereitschaft, die ganze Fülle an Talenten auch auf den Platz bringen zu wollen. Das nämlich ist beim Ungarn seit seinem Wechsel aus Österreich bisher nur selten der Fall gewesen, was sich allein schon in seiner Scorer-Quote niederschlägt. In der Liga erzielte er in 17 Spielen vier Tore und legte fünf auf, in DFB-Pokal und Champions League kommen vier Treffer dazu, keine weitere Vorlage aber. Dabei lagen die einfachen Spiele dem gebürtigen Budapester bislang mehr, als die sogenannten dreckigen Partien, wenn die Gegner die Räume eng hielten und Leipzigs Überschuss an Talent mit Kampfgeist und einer harten Gangart begegneten.

Damit ist er ein Sinnbild für die bislang gespielte Saison der Messestädter. Auch gegen Mainz glänzten Szoboszlai und Kollegen erst so richtig, als die robusten Gäste aus Rheinhessen durch Rot für Alexander Hack ein Mann weniger waren. Ob dies der entscheidende Zusammenhang gewesen war, sei dahingestellt. Tedesco aber, der sich der Klasse seines rechten Offensivspielers bewusst ist, fand am Donnerstag zwar, dass seine Nummer 17 einen Schritt in die Richtung gemacht habe, „was auch für allen anderen Spieler gilt“. Doch am Limit angelangt sei der Ungar deshalb noch nicht. „Das muss er jetzt konstant abrufen."