Nagelsmann unterlief ein Wechselfehler

Freiburg protestiert: Bayern kurz zu zwölft auf dem Platz

Von ukr/dpa/sid Aktualisiert: 02.04.2022, 18:12
Dieser Fehler könnte ein Nachspiel haben: Julian Nagelsmann.
Dieser Fehler könnte ein Nachspiel haben: Julian Nagelsmann. (imago/Jan Huebner)

Mit Comeback-Torschütze Leon Goretzka drehte der FC Bayern in der zweiten Hälfte beim SC Freiburg groß auf und gewann verdient 4:1 (0:0). Doch ob der Sieg auch zählt, ist ungewiss. Die Münchner hatten wohl kurzzeitig zwölf Spieler auf dem Platz. Der SC Freiburg könnte wegen des Wechselfehlers Protest gegen die Spielwertung einlegen.

Auch wenn sich die Münchner beim SC Freiburg lange mühten, gewann der Tabellenführer letztlich überzeugend. Sollte der Sieg zählen, würde dem Rekordmeister mit nun 66 Punkten bis zur nächsten Schale nicht mehr viel fehlen.

Nach dem 1:0 durch Goretzka (58.) glich Freiburgs Rekordtorschütze Nils Petersen nur einen Tag nach seiner erneuten Vertragsverlängerung aus (63.). Es war sein 100. Pflichtspieltreffer im SC-Trikot. Der ebenfalls eingewechselte Serge Gnabry brachte die Bayern wieder in Führung (73.), ehe Kingsley Coman die Partie entschied (82.). In der Nachspielzeit erhöhte Marcel Sabitzer (90.+6). Um Sabitzers Einwechslung hatte es zuvor Aufregung gegeben, weil die Bayern etwa 20 Sekunden in Überzahl auf dem Feld standen.

In der 86. Minute hatte Bayern-Trainer Nagelsmann einen Doppelwechsel vollzogen. Niklas Süle und Marcel Sabitzer kamen aufs Feld, Coman und Corentin Tolisso sollten ausgewechselt werden. Doch Coman verließ den Platz zunächst nicht. Freiburg protestierte, das Spiel war fast acht Minuten unterbrochen, ehe es fortgesetzt wurde. Freiburgs Verteidiger Nico Schlotterbeck soll den Schiedsrichter Christian Dingert darauf aufmerksam gemacht haben, dass Süle ins Spiel gekommen, aber kein Münchner rausgegangen sei.

Freiburgs Sportvorstand Saier: „Müssen drüber nachdenken”

Laut Paragraf 17 Absatz 4 der Rechts- und Verfahrensordnung des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) könnte dies Folgen für die Wertung der Partie haben. "War in einem Spiel ein Spieler nicht spiel- oder einsatzberechtigt, so ist das Spiel für die Mannschaft, die diesen Spieler schuldhaft eingesetzt hatte, mit 0:2 verloren und für den Gegner mit 2:0 gewonnen zu werten, es sei denn, das Spiel war nach dem Einsatz des nicht spiel- oder einsatzberechtigten Spielers noch nicht durch den Schiedsrichter fortgesetzt", heißt es dort.

„Wir haben den Schiedsrichter darauf aufmerksam gemacht, dass Bayern elf Feldspieler auf dem Platz hat”, sagte Freiburgs Sportvorstand Jochen Saier bei Sky: „Das war skurril, das habe ich so noch nicht gesehen.” Er könne die Konsequenzen "nicht beurteilen. Jetzt müssen wir alle ein bisschen runterkommen und drüber nachdenken."

Upamecano köpft über das Tor

Nicht nur Goretzkas Rückkehr nach viermonatiger Zwangspause sorgte schon im Vorfeld für Optimismus bei den Gästen, denn sie konnten nahezu in Bestbesetzung antreten. Robert Lewandowski, der wegen einer Rippenprellung fraglich war, stand ebenso zur Verfügung wie auch Joshua Kimmich. Der Mittelfeldspieler, der mit seiner Frau das dritte gemeinsame Kind erwartet, reiste am Morgen nach. Benjamin Pavard lief als Rechtsverteidiger auf.

Bei den Freiburgern kehrten Nicolas Höfler und Philipp Lienhart zurück. Sie fehlten zuletzt aufgrund von Corona-Infektionen. Ihr Coach Christian Streich baute auf eine Dreierkette, die sich zunächst kaum ernsthaften Prüfungen stellen musste.

Denn die Gastgeber begannen konzentriert, obwohl Streich wegen der vielen fehlenden Spieler die nicht optimale Vorbereitung moniert hatte. Neu-Nationalspieler Schlotterbeck, der das Interesse einiger Spitzenclubs geweckt haben soll, dirigierte seine Nebenleute, sodass den Bayern kaum Raum zur Entfaltung blieb.

Erstmals gefährlich wurde es nach einer Ecke. Der aufgerückte Dayot Upamecano köpfte aber über das Tor von SC-Schlussmann Mark Flekken (13.). Auf der Gegenseite fehlten Lucas Höler wenige Zentimeter, um die Fußspitze noch an den Ball zu bekommen (18.).

Die Standard-Stärke der Breisgauer hatte sich wohl aber bis nach München herumgesprochen. Julian Nagelsmanns Spieler vermieden bis zur 31. Minute ruhende Bälle der Freiburger in der Münchner Hälfte. Mit 20 Toren sind sie in dieser Kategorie das gefährlichste Team der Liga. Doch beim ersten Eckstoß war Manuel Neuer der Sieger im Duell mit Roland Sallai und bei einem Freistoß kurz vor der Pause musste die deutsche Nummer eins gegen Schlotterbeck erst gar nicht eingreifen.

Auch im zweiten Durchgang begegneten sich beide Mannschaften zunächst so, wie es sich Streich gewünscht hatte - auf Augenhöhe. Die erste Nachlässigkeit wurde dann prompt bestraft. Nach einem Freistoß köpfte Goretzka ein. Die Freiburger hatten aber eine Antwort parat. Petersen traf nicht einmal 20 Sekunden nach seiner Einwechslung und wurde dadurch einmal mehr seinem Ruf als bester Joker seit Einführung der Bundesliga gerecht.

In einer hektischen Phase brachte Gnabry die Bayern wieder in Führung, Kingsley Coman sorgte für die Entscheidung. Für Verwirrung sorgte die Auswechslung des Franzosen. Erst nach längerer Besprechung wurde die Partie wieder angepfiffen. Aber auch die achtminütige Nachspielzeit sorgte nicht mehr für die Wende aus SC-Sicht, im Gegenteil: Sabitzer setzte den Schlusspunkt.