„Kann sofort sauer sein” Was Demichelis anders als Werner machen will
Eine Prise argentinische Würze für RB Leipzig: Martín Demichelis erläuterte bei seiner Vorstellung, was er im Vergleich zu seinem Vorgänger Ole Werner an Inhalten und Haltung einbringen kann, um das Team auf eine neue Ebene zu bringen.

Leipzig – Ob er Martín oder Micho genannt wird, ist Martín Demichelis egal, ebenso, ob man das „ch” in seinen Nachnamen weich spricht wie in Argentinien oder als hartes „k” wie auf Italienisch. Der neue Trainer von RB Leipzig präsentierte sich bei seiner Vorstellung am Montagmittag voll fokussiert auf die Inhalte und vor allem die veränderte Haltung, die er bei RB etablieren möchte.
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„Die Identität von Leipzig ist schon recht klar: Intensität, Leidenschaft, Mut, Offensive, Aggressivität”, sagte Demichelis und fuhr fort: „Nicht nur in den Füßen und den Zweikämpfen, sondern auch in der Art und Weise, mutig nach vorn zu spielen und verteidigen. Ich versuche so schnell wie möglich, meine Erfahrung als Spieler und Trainer einzubringen und eine gemeinsame Identität und Kommunikation aufzubauen.”
„Besser mit dem Ball, aggressiver gegen den Ball”
Das Wichtige sei, „vom ersten Tag an einen Spirit in der Gruppe zu kreieren”, der die Grundlage für den Charakter der Mannschaft bildet. „Ich will nicht viele Ichs hören, sondern es zählen Team, Mannschaft, Zusammenhalt.”
Grundlegend wird RB weiter auf die im vergangenen Jahr bewährte 4-3-3-Grundordnung vertrauen, das bestätigte Demichelis. In einer Antwort nannte er auch explizit seinen Vorgänger Ole Werner. „Leipzig hat viel erreicht, ich kann Ole und seinem Staff für das letzte Jahr nur gratulieren.” Doch mit seinem neuen Team wolle er nun „diese vielen guten Dinge noch weiter verbessern. Fußball ist Detailarbeit. Es sind die Kleinigkeiten, die ich aus meiner Erfahrung als Trainer und Spieler einbringe”, betonte der 45-Jährige. „Wir wollen mit dem Ball besser sein und gegen den Ball aggressiver nach vorn schieben, kompakt sein und in der letzten Phase den Gegner weiter weg von unserem Tor halten.”
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„Ich warte nicht ab, was passiert”
Auch bei den großen Gegnern in der Champions League werde sich das Team nicht verstecken, sondern Courage zeigen. „ Ich warte nicht ab, was passiert, sondern ich möchte meine Idee von Anfang an sehen”, kündigte er an.
Mit anderen Worten: Demichelis will dem Team eine Prise mehr argentinische Würze und Härte verleihen als zuletzt, ein Tick mehr Siegermentalität und Punch, die der vierfache Deutsche Meister und DFB-Pokalsieger, Englische und Spanische Meister sowie WM-Zweite von 2014 als Spieler verkörperte. „Entwicklung im Fußball hat kein Limit, ich versuche, mehr aus jedem Spieler herauszuholen”, sagte er. Übersetzt auf konkrete Ziele bedeutet das: „Wir werden versuchen, den Pokal das dritte Mal zu holen. Wir müssen uns nicht mit Bayern messen, aber wir versuchen, ihnen immer ein Stück näher zu kommen.”
„Kann ganz nett, aber auch am nächsten Tag sofort sauer sein”
Als Typ ist Demichelis dabei ein völlig anderer, auch unberechenbarerer Charakter als der stets gleichmütige Ole Werner. „Ich kann ganz nett sein und einen Spieler unter meine Fittiche nehmen, aber am nächsten Tag sofort sauer sein”, bekannte er. Zwischen zwei Extremen umzuschalten, sei gar kein Problem für ihn. „Ich weiß, was Disziplin und Organisation bedeuten.” Sein Mentor als Trainer sei der Chilene Manuel Pellegrini gewesen, mit dem Demichelis insgesamt sieben Jahre seiner Karriere zusammenarbeitete.
Sportchef Marcel Schäfer bestätigte das Streben nach schnellerer und dringlicherer Entwicklung als das zuletzt gelang: „Wir sind zurück in der Champions League, aber noch lange nicht da, wo wir sein wollen – jeder einzelne Spieler, aber auch wir als Klub. Heute beginnt eine neue Zeitrechnung. Wenn man nicht grundsätzlich Ziele und Träume im Kopf verankert hat, wird man sie auch niemals erreichen.” RB habe im vergangenen Jahr eine gute Basis gelegt – physisch und spielerisch. „Wir sind zurück auf der Mittelstation, das gilt es nicht nur zu manifestieren, sondern auch ein Stück in allen Bereichen zu verbessern.”