RB Leipzig

Tim Sebastian ist auf der Schulbank keine „wilde Sau“

18.01.2018, 10:35
Tim Sebastian kurz vor seinem Abschied von RB Leipzig.
Tim Sebastian kurz vor seinem Abschied von RB Leipzig. imago/Picture Point LE

34 Jahre als ist Tim Sebastian gestern geworden. Zwischen Sommer 2010 und Januar 2016 spielte er bei RB Leipzig. Im Sommer 2017 hat der ehemalige RB-Kapitän seine Karriere beim SC Paderborn beendet. Inzwischen drückt er in Leipzig wieder die Schulbank und studiert Psychologie, wie er im Interview mit dem Kicker (Print) erklärt.

Tim Sebastian findet Psychologie ein „interessantes Feld“

„Ich habe schon während meiner Fußballerzeit gemerkt, dass das ein unheimlich interessantes Feld ist“, erklärt er die Wahl des Studienfachs. „Bei RB Leipzig und in Paderborn habe ich mit sehr interessanten Leuten zusammengearbeitet.“ Nach dem Abschluss wolle er allerdings wieder im Sport arbeiten. Auch eine Karriere als Trainer möchte Tim Sebastian nicht ausschließen.

Montag bis Freitag ist Sebastian in der Uni beschäftigt. Am Wochenende frei zu haben, sei der größte Unterschied zur Zeit als Fußballer. „Und das Gefühl, nach 14 Jahren wieder auf der Schulbank zu sitzen, ist gewöhnungsbedürftig.“

An der Uni sucht Tim Sebastian durchaus den Kontakt zu den anderen Kommilitonen. Dass er ein ehemaliger Fußballprofi ist, spielt dabei kaum eine Rolle. „Wenn ich mit dem Porsche vorführe und die wilde Sau machen würde, wäre das ein Thema. So ist es keines. Ich integriere mich normal.“

Kopfverletzung als Ursache für Karriereende von Tim Sebastian

Dass er sich im Sommer 2017 für das Karriereende entschied, hatte nicht etwa mit fehlenden Angeboten, sondern unter anderem mit einem „Schlüsselerlebnis“ zu tun. Demnach hatte sich Tim Sebastian am Ende der Drittligasaison 2016/2017 bei einem Zusammenprall am Kopf verletzt. „Mir fehlten danach zwei Stunden – ich bin erst im Krankenhaus wieder zu mir gekommen. Die neurologischen Tests direkt im Anschluss waren schlecht, auch wenn sie eine Woche später wieder besser wurden. Das hat den Ausschlag gegeben, zu sagen: Ich höre auf!“

Gern hätte Tim Sebastian so wie Dominik Kaiser auch die Möglichkeit gehabt, mit RB Leipzig noch mal in der Champions League aufzulaufen. „Aber ich bin nicht traurig, dass ich in der 1. Liga nicht mehr bei RB war. Ich freue mich, dass ich den Weg bis in die 2. Liga mitgehen durfte.“

Tim Sebastian hatte bei RB Leipzig nie Angst vor Anfeindungen

2010 war Tim Sebastian zu RB Leipzig gekommen. Damals wechselte er lieber in die Regionalliga als in der zweiten Liga zu bleiben. „Das wäre wieder Abstiegskampf gewesen. Ich wollte lieber einen Schritt zurückgehen und dann mittelfristig durchstarten. Das hat ja Gott sei Dank auch funktioniert.“

Angst hatte Tim Sebastian in seiner Zeit bei RB Leipzig nie. Er habe schon mit Rostock und Karlsruhe in den Spielen gegen St. Pauli und Stuttgart Anfeindungen erlebt. Der Unterschied dazu sei bei RB Leipzig nur gewesen, dass man „in der 4. Liga, wo wir bisweilen eher auf Sportplätzen als in Arenen gespielt haben, Beleidigungen eben eher gehört hat als bei
40 000 Fans“. Das habe aber die Mannschaft nur „zusammengeschweißt“.

RB Leipzig für Tim Sebastian kein ernster Bayern-Konkurrent

Ein Problem hat Tim Sebastian mit dem Red-Bull-Hintergrund von RB Leipzig nicht. „Warum soll es verboten sein, einen Verein neu zu gründen? Dann könnte 1860 München ja sagen: Mit Klubs, die nach 1900 gegründet sind, können wir nichts anfangen. Es gab die Red-Bull-Anschubfinanzierung, aber den Erfolg hat sich RB erarbeitet.“

Dass der Verein dabei die Bayern angreifen kann, sieht er allerdings aktuell nicht. „Aber in der Gruppe dahinter mit Dortmund, Schalke, Leverkusen, Gladbach oder Hoffenheim kann RB mitreden.“