RB Leipzig

Trainingstag 9: O Graus, ein Standard!

19.07.2018, 18:10
Im Gleichschritt. Der RB-Kader wärmt sich auf.
Im Gleichschritt. Der RB-Kader wärmt sich auf. imago/Picture Point LE

Ralf Rangnick macht ernst. Der Trainer von RB Leipzig hatte angekündigt, vermehrt Standards trainiern zu wollen. Das setzt er um. Am neunten Trainingstag ließ er wieder Situationen mit ruhenden Bällen einüben.

30 Prozent der Trainingsarbeit wolle er ihn das Einstudieren von Ecken und Freistößen künftig stecken. Er hielt Wort. Am Donnerstag teilte er die Vormittagseinheit in drei Teile: Standards, Kurzpassspiel und Gegenpressing übers Halbfeld.

Die erste Stammelf des Sommers

Der 60-Jährige gab dabei tiefe Einblicke in seine Arbeit. Immer wieder korrigierte er Spielzüge, zeigte Pass- und Laufwege auf. Was sich dabei herauskristallisierte war eine Art Stammelf, vermutlich für die ersten Partien ohne die WM-Spieler Poulsen, Forsberg und Werner. Das erste, ein Test, findet am Freitag in Grimma statt, der zweite den Dienstag darauf in Meuselwitz. Im Tor: Gulacsi. Viererkette: Laimer, Konaté, Upamecano, Sarrachi. Auf der Sechs: Ilsanker und Demme. Davor: Kampl und Bruma. Im Sturm: Augustin und Cunha.

In Grimma wird man sehen, ob die Eck- und Freistöße bereits die erwünschte Wirkung erzielen können. Rangnick hat sich durch die Weltmeisterschaft bestätigen lassen, dass die ruhenden Bälle ein probates Mittel sind, umtiefstehende Kontrahenten besiegen zu können. 73 Treffer fielen in den 64 WM-Partien nach Einwürfen, Starfstößen, Ecken und Freistößen. Rekord! Die alte Bestmarke stammte von der WM 1998, damals waren es 61, um ein Viertel weniger also.

Rangnick ist das natürlich nicht entgangen. Als der 60-Jährige vor zehn Tagen von dem sprach, was mit ihm als Übergangscoach anders werden soll im Vergleich zur Vorsaison, ging es auch um Standard-Tore und den WM-Vierten England, der neun seiner zwölf WM-Treffer nach ruhenden Bällen erzielt hat. Die Briten, so Rangnick, hätten ihm vorgeführt „wie wichtig die Standards mittlerweile sind.“

Durchschnitt ist kein Maßstab

So jedenfalls hatte es sich angefühlt. Jeder zweite Gegner-Standard schien im Leipziger Tornetz zu enden. O Graus, eine neue Schwäche, die enttarnte Achillesverse von RB! Und das, obwohl die Zahlen nicht schlechter waren als die vieler Ligakonkurrenten, und auch nicht schlechter als im Jahr zuvor.

18 Standard-Gegentreffer sind es insgesamt gewesen, das war nur einer mehr als 2016/2017, zudem Ligaschnitt und keine Tragödie weit weg vom Spitzentiefstwert, den die Bayern mit zehn Toren erzielt haben. Auch bei Toren nach eigenen Standard-Bällen lag der Wert der Sachsen im Mittelfeld. RB hatte 17 Tore nach liegenden Bällen erzielt, ein Jahr zuvor waren es 19.

Aber Durchschnitt ist am Cottaweg nun mal kein Maßstab, also ran an das Thema! Es gibt bei den Standards vor allem ja Einiges zu gewinnen, wie sich an den Briten und auch in der Liga zeigte, in der Rangnicks Ex-Klub Schalke 04 nicht zuletzt durch 27 Standard-Tore abgelöst hat.