RB-Gegner Wolfsburg

Nur 0:0 gegen Hertha: Der VfL bleibt im Krisenmodus

Es war der erste Punkt nach zuvor acht Niederlagen, doch das Remis gegen Berlin wollte beim kommenden RB-Gegner niemand zu hochhängen. Keeper Casteels: "Das ist zu wenig."

16.01.2022, 12:43
Erster Punkt nach neun Spielen: Es wollte darüber keine rechte Freude beim VfL aufkommen
Erster Punkt nach neun Spielen: Es wollte darüber keine rechte Freude beim VfL aufkommen (imago/matthias koch)

Nach dem Schlusspfiff brach der Ärger aus Florian Kohfeldt kurz heraus. Der Trainer des VfL Wolfsburg schimpfte, er haderte. Mit dem 0:0 gegen Hertha BSC hat seine Mannschaft am Samstag zwar eine Serie von acht Niederlagen nacheinander beendet. Die sportlichen Probleme bei den Wölfen sind dadurch aber noch längst nicht behoben - und kommenden Samstag geht es zum zuletzt zwei Mal siegreichen Vizemeister nach Leipzig. "In der Kabine war schon viel Unzufriedenheit", sagte Kohfeldt. "Wir haben insgesamt einen Leistungsschritt nach vorne gemacht, auch wenn es noch nicht zum Befreiungsschlag gereicht hat."

"Das ist ein klarer Elfmeter"

Sein Kapitän Koen Casteels wurde nach dem Spiel noch deutlicher: "Das Gefühl ist: Es war viel, viel mehr drin. Wir hätten dieses Spiel gewinnen müssen", sagte der Belgier. Dass nahezu jeder Wolfsburger zu diesem Schluss kam, lag am einseitigen Verlauf der ersten Halbzeit. Da ließ der VfL mehrere klare Chancen aus und fühlte sich nach einem vermeintlichen Foul von Jordan Torunarigha an Renato Steffen in der 39. Minute auch um einen Elfmeter gebracht. "Naja, den Ball spielt er nicht", sagte Sportdirektor Marcel Schäfer in einem Sky-Interview. "Wenn ich die Bilder so bewerte, ist das ein klarer Elfmeter."

Ähnlich strittig war allerdings auch, dass Schiedsrichter Robert Hartmann ein Kopfball-Tor des Berliners Niklas Stark nicht anerkannte (43.), weil sein Teamkollege Jurgen Ekkelenkamp kurz zuvor den Wolfsburger Jerome Roussillon leicht geschubst hatte. "In zehn Fällen wird so etwas vielleicht einmal zurückgepfiffen", sagte Trainer Tayfun Korkut. Sein Kollege Kohfeldt stimmte ihm unumwunden zu.

Letztlich wären beide Situationen aber nicht annähernd so ins Gewicht gefallen, wenn der VfL nicht so fahrlässig mit seinen Torchancen umgegangen wäre. In der 16. Minute passte Roussillon von der linken Seite in den Strafraum, wo Luca Waldschmidt den Ball beinahe vom Elfmeterpunkt aus freistehend über das Tor schoss. Nur zwei Minuten später war Wout Weghorst der Abnehmer einer Roussillon-Flanke, doch sein Volleyschuss aus nur sieben Metern landete in den Armen von Alexander Schwolow. Der Hertha-Torwart rettete auch in der 29. Minute mit nur einem Arm, als Yannick Gerhardt allein auf ihn zulief.

Wölfe gewinnen Hinspiel gegen RB

"Wir hätten auf jeden Fall ein Tor verdient gehabt - sowohl von der Art und Weise, wie wir gespielt haben, als auch von der Mentalität in dieser schwierigen Situation", sagte Casteels. "Nach den Spielen, die wir in den letzten Monaten abgeliefert haben, hilft uns dieser Punkt nicht weiter.."

Der VfL war zu Beginn der Saison mal Tabellenführer und galt erneut als Kandidat für die Champions-League-Plätze. Nach einer Ergebniskrise wurde Trainer Mark van Bommel durch Kohfeldt entlassen, der den Vorjahresvierten aber nicht stabilisieren konnte. Nach neun Spielen am Stück ohne Dreier ist der VfL mittlerweile nur noch 14., vier Punkte von den Abstiegsrängen entfernt. Das Hinspiel gewannen die Wölfe gegen RB 1:0. Sie feierten den Sieg wie eine Meisterschaft.