Heimprimus vs. Auswärtsfluch Warum RB daheim Rekorde bricht und auswärts punktlos ist
Daheim bricht RB Rekorde, auswärts kassiert das Team Pleite nach Pleite. Wie kann das sein? Nach dem 4:0 gegen Elversberg und zwei Auswärtsspielen in der kommenden Woche rätselten Spieler und Trainer.

Leipzig – Der Unterschied könnte eklatanter nicht sein: Betrachtet man nur die Heimspiele, belegt RB Leipzig Rang eins der Tabelle. Mit 18:0 Toren und zwölf Punkten ist Rasenballsport Spitze in der Bundesliga und sogar erfolgreicher als der FC Bayern. Auswärts hingegen liegen die Leipziger mit 2:11 Toren und null Zählern auf dem letzten Platz. So drastisch war der Unterschied zwischen Heimstärke und Auswärtsschwäche bei Rasenballsport noch nie.
Lesen Sie hier: Reaktionen nach Sieg gegen Elversberg – „Geduldig und eiskalt zugeschlagen”
„Wir spüren unsere Atmosphäre”
Nach dem 4:0 gegen Aufsteiger SV Elversberg versuchten sich die Torschützen Tidiam Gomis und Romulo sowie Trainer Martin Demichelis an Erklärungsversuchen. Warum also schafft es RB, gegen Borussia Mönchengladbach, den HSV, PSV Eindhoven, Eintracht Frankfurt und eben Elversberg, genügend Punch zu entwickeln, auch schwere Phasen zu überstehen, sich zu befreien und jede Menge Tore zu erzielen, während auswärts gegen Como, Werder Bremen, Bayer Leverkusen, Bayern München und Real Madrid rein gar nichts zu holen war?
„Wir haben auswärts gegen schwere Gegner gespielt”, rätselte Gomis. „Aber zu Hause wissen wir einfach, dass das unser Rasen ist, unsere Fans hinter uns stehen – wir spüren unsere Atmosphäre.” Der junge Franzose ging sogar so weit, die Atmosphäre als Hauptgrund heranzuziehen, weshalb es zu Hause so außergewöhnlich gut läuft: „Die Fans sind sehr wichtig für uns, sie pushen uns entscheidend.”
Demichelis: „Mentale Frage”
Für Romulo ist der Auswärtsfluch eine Frage der mentalen Einstellung. „Ich denke, wir müssen auswärts ruhiger und gelassener bleiben. Wir sind jetzt bisschen unter Druck, weil wir kein einziges Spiel auswärts gewonnen haben”, bekannte der Brasilianer. Doch in der Fremde müsse man ebenso geduldig bleiben wie daheim.
Trainer Martin Demichelis forderte vor den nächsten beiden Auswärts-Pflichtaufgaben im DFB-Pokal an der Essener Hafenstraße (Dienstag, 18 Uhr) und auf Schalke: „Heute war eine erste Prüfung gegen einen ekligen Gegner, wir müssen mit Selbstbewusstsein und Vertrauen dahin fliegen. Das ist eine mentale Frage”, so der Argentinier. „Ich ändere meine Methodik nicht von Woche zu Woche, ich sage meinen Spielern ganz sicher nicht, dass sie nicht nach vorn gehen sollen. Aber wir sind Menschen, wir haben nun auswärts die Möglichkeit, ein gutes Spiel zu machen.”
Schäfer: „So werden wir unsere Ziele nicht erreichen”
RB muss in der kommenden Woche dringend auch auswärts anschreiben, um sich aus der Achterbahn zu befreien und Ruhe zu verschaffen. „Wenn man sich die Heim- und Auswärtstabelle anschaut, bewegen wir uns momentan in zwei Extremen”, mahnte Sportchef Marcel Schäfer. „Das wollen wir nicht. Das ist nicht unser Anspruch und darf auch nicht so bleiben, denn so werden wir unsere Ziele nicht erreichen.”
Die schwache Leistung auf fremden Plätzen ist letztlich Ausdruck der mangelnden Konstanz und Stabilität des Teams, das auch zu Hause phasenweise nicht überzeugt, aber vor eigener Kulisse stets die Kurve bekommt. Gegen drängende Mannschaften fehlt es (noch) an Struktur und Konzept, um über weite Strecken Dominanz auszustrahlen und Druckphasen zu überstehen.
Wie also lässt sich nun die Heimatmosphäre nach Essen in den DFB-Pokal (Dienstag, 18 Uhr) und ins nächste Liga-Auswärtsspiel Schalke (Samstag, 15.30 Uhr) übertragen. „Wir müssen auswärts unsere eigene Atmosphäre kreieren, mit allen Mitspielern und dem Staff”, so Gomis. „Dann werden wir diese zwei Spiele gewinnen.”