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Von Ullrich Kroemer

Nils Petersen im Interview „RB Leipzig muss einen guten Tag erwischen, um uns zu besiegen”

„Ich bin vielleicht nicht schneller und kopfballstärker als einige Kollegen, aber ich kann diesen einen Ball über die Linie drücken”: Nils Petersen.

„Ich bin vielleicht nicht schneller und kopfballstärker als einige Kollegen, aber ich kann diesen einen Ball über die Linie drücken”: Nils Petersen.

Freiburgs Sturm-Routinier Nils Petersen (32) gilt als einer der guten Typen in der Bundesliga, die ihr Herz auf der Zunge tragen und nicht in Marketing-Stanzen sprechen. Vor dem Duell gegen RB Leipzig (15.30 Uhr) spricht er mit der MZ-/RBlive-Reporter Ullrich Kroemer über den Umzug ins neue Stadion und den Freiburger Höhenflug, die Herangehensweise gegen RB und die Herausforderung Bundesliga im reiferen Profi-Alter.

Nils, Sie haben einen Großteil Ihrer 96 Tore für den SC Freiburg im Dreisamstadion erzielt. Wieviel Wehmut ist beim Umzug in das neue Europa-Park-Stadion dabei?
Nils Petersen: Ich habe viele, viele Tore im alten Stadion erzielt. Da wurden zahllose Erfolgsgeschichten geschrieben – nicht nur durch mich, sondern über Jahrzehnte hier in Freiburg. Wir haben immer von dieser Heimmacht und der Nähe zu den Fans gelebt. Wenn man Leipziger Spieler fragen würde, sind die über den Umzug sicher nicht böse. Aber nun ist der Tag X gekommen und wir freuen uns auf dieses Moderne, Schicke, was eigentlich ein bisschen untypisch für uns ist. Aber wir sind eben als Verein sportlich gewachsen, brauchen neue Infrastruktur, und es ist letztlich im Interesse aller hier, dass der Sportclub größer wird.

Im alten Stadion wussten Sie ganz genau, wo die Tore stehen, wie die Platz- und Raumverhältnisse sind. Wie passen Sie sich an?
Wir hatten im alten Stadion besondere Maße, da kannte ich jeden Zentimeter. Jetzt ist das wie bei einem Vereinswechsel, das braucht alles ein bisschen Zeit. Aber man gewöhnt sich dann doch ruckzuck an den neuen Platz und die neuen Umstände. Ich habe ja schon ein paar Stadien gesehen: Das Europa-Park-Stadion ist schon ein echter Hingucker, das nicht so steril wirkt. Natürlich muss in die Kabine noch ein bisschen Geschichte rein, aber das kommt mit der Zeit. Ich habe selbst auch gerade privat neu gebaut, die Anfangskälte eines Neubaus verfliegt rasch. Wenn man schnell Erfolge feiert, läuft die Eingewöhnung natürlich noch besser.

Damit wollen Sie gleich im ersten Spiel gegen RB anfangen, nehme ich an.
Klar, wir wollen den Kult des alten Stadions aufs neue übertragen. Wir wissen natürlich, welcher Brocken da mit RB Leipzig auf uns zukommt. Aber wir fiebern alle darauf hin; es gibt bei den Fans einen riesigen Run, dabei sein zu können. In der Stadt gibt es gefühlt nur dieses eine Thema. Es freut uns natürlich, dass wir aktuell für Furore sorgen können.

Nils Petersen: „Das sind immer schöne Kräftemessen gegen Leipzig”

Wie moderiert denn Ihr traditionsbewusster Trainer Christian Streich den Wirbel um das neue Stadion intern?
Er macht es richtig. Er versucht, das gar nicht so sehr zu thematisieren, sondern eher, den Ball flach zu halten, damit wir uns auf unsere Jobs konzentrieren. Das ist das Wichtigste und nicht, dass wir uns über den Platz und die Tribünen ’rumwundern, sondern den Fokus auf die 90 Minuten gegen RB legen.

Gegen den SC Freiburg hat RB nach Dortmund und Bayern die schlechteste Bilanz. Kommt RB in der aktuellen Verfassung gerade recht?
Das sind immer schöne Kräftemessen gegen Leipzig. Sie wissen auch, dass sie einen guten Tag erwischen müssen, um uns zu besiegen. Wir wollen so lange wie möglich ungeschlagen bleiben und uns oben in der Tabelle festsetzen. Dazu müssen wir gegen Leipzig eine Überraschung landen. Wir sind der klare Außenseiter, aber vielleicht können wir die Euphorie hier in Freiburg auch gegen RB aufnehmen.

Wir sind gerade so gut drauf, dass wir uns taktisch nicht nur dem Gegner anpassen müssen, sondern eigene Stärken betonen können.
Nils Petersen

RB hatte gegen Brügge, auch phasenweise gegen Bochum, arge Probleme im Spielaufbau, wenn die Gegner hoch gepresst haben. Wird das auch die Strategie des SC Freiburg?
Es ist immer das Beste, so qualitativ hochwertige Offensivspieler wie sie Leipzig hat, weit vom Tor fernzuhalten. Uns hinten einzuigeln, ist nicht unser Ziel. Wir wollen Spieler wie Vincenzo Grifo oder Woo-yeong Jeong in die Positionen kriegen. Unser Spiel ist auch auf Ballbesitz ausgelegt. Gegen Dortmund hatten wir ein ähnliches Kaliber, da haben wir die Balance gut hingekriegt, zugleich auch kompakt zu verteidigen (2:1-Sieg, Anm.d.Red.). Gerade gegen diese Teams beißt du dich gern fest, weil man weiß, dass man wahnsinnig viel investieren muss, um nicht zu verlieren.

Ist das der neue Anspruch des SC Freiburg, Teams wie Dortmund und Leipzig auf Augenhöhe begegnen zu können?
Wir freuen uns, dass wir anders wahrgenommen werden. Wir sind zwar weiterhin demütig, aber natürlich kann man mit 15 Punkten aus sieben Spielen nicht erzählen, dass wir nur nach unten gucken. Es ist kein Zufall, dass wir da oben stehen. Dass Freiburg gegen Leipzig jetzt als Spitzenspiel ausgerufen wird, haben wir uns hart erarbeitet. Aber wir wissen, dass es schnell in die andere Richtung geht. Wir dürfen gar nicht erst daran denken, dass wir jetzt weniger investieren müssten.

Was sind aus Ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren gerade?
Wir sind sehr gut eingespielt. Dazu merkt man bei vielen Spielern wie Nico Schlotterbeck, Philipp Lienhart oder Lucas Höler, dass sie den nächsten Schritt gemacht haben. Wir sind gerade so gut drauf, dass wir uns taktisch nicht nur dem Gegner anpassen müssen, sondern eigene Stärken betonen und uns auf unser Spiel konzentrieren können. Bei Standards sind wir sehr konzentriert und gut drauf und im Tor tut uns Mark Flekken unglaublich gut mit seiner Ruhe und Klasse am Ball. Wir sind gut, aber auch nur deswegen, weil wir wissen, dass wir viel tun müssen, um mitzuhalten. Das dürfen wir nicht verlieren.

Wir haben inzwischen eine wahnsinnige Konkurrenz im Team, wenn wir im Training A- gegen B-Elf spielen, ist es schwierig, ein Tor zu erzielen.
Nils Petersen

Wie steht es um Ihre persönliche Form? Sie haben gegen Hertha Ihr erstes Saisontor erzielt.
Das erste Tor ist oft das wichtigste; in den ersten Spielen habe ich ja wegen einer Meniskusverletzung leider noch gefehlt, deswegen freue ich mich besonders, dass ich der Mannschaft mal wieder helfen konnte. Jedes Tor bringt mehr Selbstvertrauen, innere Stärke und führt zu mehr Einsatzzeit. Wir haben inzwischen eine wahnsinnige Konkurrenz im Team, wenn wir im Training A- gegen B-Elf spielen, ist es schwierig, ein Tor zu erzielen. Das ist eine perfekte Vorbereitung auf Ligaspiele wie gegen Leipzig. Ich hoffe natürlich, dass ich trotz dieser harten Konkurrenz meine Einsatzzeiten kriege.

Spüren Sie Ihre mittlerweile 32 Jahre oder fühlen Sie sich fit wie mit 28?
Das merkt man schon, das zehrt auch manchmal. Der Fußball wird immer physischer und athletischer. Man muss einfach topfit sein. Aber ich glaube schon, dass ich mich auch weiterhin auf Bundesliganiveau begeben kann, muss aber vieles dafür tun, um dieses Level auch weiterhin zu haben. Tore wie in Berlin (Petersen traf nach einer Ecke per Fallrückzieher, Anm.d.Red.) sind gut, weil ich so den Unterschied ausmachen kann. Dafür stehe ich, und das muss ich Woche für Woche dem Trainer zeigen.

Was haben Sie sich persönlich vorgenommen?
Ich bin vielleicht nicht schneller und kopfballstärker als einige Kollegen, aber ich kann diesen einen Ball über die Linie drücken. Solange ich das noch hinkriege, traue ich mir die Bundesliga zu. Aber man muss immer auf der Hut sein, dass du nicht von den Jungen überholt wirst. Meine Hauptaufgabe ist es, Tore zu erzielen. Da habe ich einiges vor in dieser Saison – aber das muss ich erstmal nachweisen.

Das komplette Interview mit Nils Petersen lesen Sie in der Mitteldeutschen Zeitung (MZ+ oder Print/E-Paper).

(RBlive/ukr)