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"Who the fuck are you?" Wie Jesse Marsch vom Unbekannten zum Bundesligatrainer wurde

Jesse Marsch stritt sich einst mit David Beckham.

Jesse Marsch stritt sich einst mit David Beckham.

Mit einem 1:1 gegen Ajax Amsterdam beendete RB Leipzig das Trainingslager auf dem Papier enttäuschend, nachdem schon das Spiel gegen HSC Montpellier verloren ging. Trainer Jesse Marsch erklärte dem Sportbuzzer, warum er dennoch extrem zufrieden ist mit dem Stand der Dinge in seinen Reihen.

"Ich lebe einen Traum"

"Gut wäre untertrieben", sagt der US-Amerikaner über seine Laune. Das liegt maßgeblich an der Stimmung in seinem Staff. "Alle sind motiviert, lieben ihren Job", sagt er. Freude am Beruf und am Leben ist ein großes Thema bei ihm. Dabei habe er die lockere Lebensart nicht unbedingt in New York aufgesogen. "An der Ost-Küste geht es verbissen und streng zu. Meine Familie und ich haben sechs Jahre in Los Angeles gelebt, da habe ich gelernt, das Leben zu genießen", so Marsch. Seine aktuelle Zufriedenheit bezieht sich auch generell auf seinen Karriereweg. "Ich lebe eine Traum." Die Chance, dass er es mit dem Fußball von Wisconsin nach Europa und in die Bundesliga schaffte, habe er schließlich mal als gleich null geschätzt.

Marsch ließ sich Zeit mit Salzburg und Leipzig

Den Schritt nach Salzburg hätte Marsch dafür vielleicht sogar schon früher gehen können, denn Ralf Rangnick fragte schon 2016 nach seiner Verfügbarkeit. Damals sei seine Mission in New York aber noch nicht beendet gewesen. Den Chefcoachposten als Nachfolger von Ralph Hasenhüttl habe er 2018 abgelehnt, weil er noch lernen wollte. "Mein Deutsch war nicht gut genug. Ich war insgesamt noch nicht so weit."

Alte Beziehungen sollen keine Rolle spielen

Zurück in Leipzig hat er nun zu einem Großteil des Kaders bereits eine persönliche Beziehung. Zu Szoboszlai oder Hwang aus Salzburg, zu Adams bereits aus New York, zu einigen aus seiner ersten Amtszeit als Assistent. "Es ist cool zu sehen, wie wunderbar sich die Jungs seit 2019 entwickelt haben." Bessere oder schlechtere Karten habe aufgrund der gemeinsamen Vorgeschichte aber niemand, auch wenn Adams als Gewinner der Vorbereitung gilt.

Brobbey war von Liverpool-Ansprache beeindruckt

Brian Brobbey, mit dem er zum ersten Mal zusammen arbeitet, konnte er gleich überzeugen, dass der junge Niederländer auch bei ihm eine Rolle spielt, obwohl der sich aufgrund von Julian Nagelsmann für RB entschieden hatte. Ein Video der Marsch-Ansprache in der Kabine des FC Liverpool hatte den Jungstürmer beeindruckt. Salzburg hatte den Gastgeber beim 3:4 an der Anfield Road nach 0:3-Rückstand schon am Rande einer Niederlage.

Der RB-Coach will aber seinen Anteil an der Topleistung der Salzburger nicht zu hoch hängen. "Nein, das war nicht ich, das waren die Jungs, die standen in Liverpool auf dem Platz." Die emotionale Rede aber war aus dem Netz nicht mehr zu entfernen.

Marsch sah Gelb nach Tritt gegen Beckham

Hochfahren konnte Marsch auch als Spieler auf dem Platz. Einmal traf er auf David Beckham, der 2007 für LA Galaxy spielte, und geriet mit dem Weltstar aneinander. Für einen Tritt gegen Beckham in den Unterleib sah er die Gelbe Karte. „Beckham hatte mich vorher zweimal aus meiner Sicht absichtlich im Gesicht getroffen. Ich habe den Schiri gefragt: ‚Unternimmst du etwas dagegen? Nein?‘ Dann habe ich mich selbst gewehrt gegen David“, so Marsch. Beckham habe ihm nach der Aktion nur ein bissiges „Who the fuck are you?“ entgegen geraunt. Aus seiner Sicht damals sogar verständlich. Die beiden fanden allerdings später noch zueinander: „Er ist sehr freundlich.“

Mehr Intuition, weniger Vorgaben

Als Typ ist er an der Seitenlinie aber normalerweise ruhiger als beispielsweise sein Vorgänger Julian Nagelsmann. Und er greift weniger ins Spiel ein. "Natürlich kann und muss es auch taktische Veränderungen geben. Aber wir werfen nicht alle fünf Minuten unsere Strategie um", so Marsch. Fußball lebe mehr von der Intuition als andere Sportarten wie Football oder Basketball, wo es unzählige vordefinierte Spielzüge gibt. "Ich kann doch einem Emil Forsberg nicht vorgeben, ob er rechts oder links an seinem Gegenspieler vorbeiläuft, ob er schießt, dribbelt oder flankt. Das weiß er in diesem Moment ja selbst nicht."

(RBlive/msc)