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Sport Inside: Muss sich Red Bull Salzburg nach RB Leipzig richten?

Gemeinsames Dinner: zwischen Leipzigs und Salzburgs Bossen im Jahr 2016: Ex-Salzburg-Geschäftsführer Jochen Sauer, Oliver Mintzlaff, Ralf Rangnick und Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund

Gemeinsames Dinner: zwischen Leipzigs und Salzburgs Bossen im Jahr 2016: Ex-Salzburg-Geschäftsführer Jochen Sauer, Oliver Mintzlaff, Ralf Rangnick und Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund

Seit Wochen wird spekuliert, ob RB Leipzig und Red Bull Salzburg im selben Wettbewerb starten dürfen. Dabei geht es um die Bestimmungen zur Integrität des Wettbewerbs und des Financial Fairplays. Im Beitrag von Sport Inside spielten auch die Transfers von Bernardo und Marcel Sabitzer wieder eine Rolle.

Ablösesummen zum Ausgleich der Financial-Fairplay-Bestimmungen?

Die Höhe der Transfergelder, die zwischen Red Bull Salzburg und RB Leipzig fließen, kann sich insbesondere auf die Bestimmungen des Financial Fairplay auswirken. Wenn die Transfereinnahmen durch Verkäufe an RB Leipzig als Einnahmen gerechnet würden, könnten sie die direkte Beteiligung des Hauptsponsors Red Bull nach unten korrigieren.

Bernardo wechselte ohne Einigung auf Ablösesumme

Einen Transfer mit Geschmäckle sehen der Vorsitzende der österreichischen Spielergewerkschaft Gernot Zirngast und Journalist Jakob Rosenberg den Wechsel von Bernardo. Dieser sei am Tag des prestigeträchtigen Duells gegen Rapid Wien gegen den Willen seines Trainers zu RB Leipzig gewechselt. „Da war in dem Moment für alle klar, dass diese Entscheidung nicht in Salzburg gefallen ist. Es war ein Affront, der vielen Fußballfans, aber auch Zuständigen in Österreich vor dem Kopf gestoßen hat, weil man gesehen hat, dass es diese Verquickungen gibt“, so Zirngast.

Das eigentlich kuriose sei aber, wie Ralf Rangnick bestätigt haben soll, dass der Transfer zunächst ohne die Festlegung auf eine Ablösesumme vollzogen wurde. „Der Bernardo-Transfer hat klar gezeigt, wie Salzburg von Leipzig gesteuert wird. Wenn der Sportdirektor nachher sagt, wenn das Transfer unter Dach und Fach ist, über die Modalitäten reden wir später, sagt das eigentlich schon alles“, so der Chefredakteur des Ballesterer. Auch die 11FREUNDE hatte unter anderem den Wechsel als Zeichen der Verflechtung angeführt.

Red Bull Salzburg und RB Leipzig umgehen Ausstiegsklausel

Auch Andreas Müller ist davon überzeugt, „dass Salzburg sich nach Leipzig richten muss.“ Zu seiner Zeit als Sportdirektor bei Rapid Wien habe er das zu spüren bekommen, als Marcel Sabitzer entgegen der Bestimmungen seiner Ausstiegsklausel von Wien nach Salzburg wechselte. Dazu wurde er von RB Leipzig verpflichtet und umgehend nach Salzburg verliehen. „Wir haben ernsthaft überlegt, es non der UEFA prüfen zu lassen“, so Müller. Was letzlich nahelegt, dass der Transfer letzten Endes sportrechtlich nicht zu beanstanden war. Womöglich hätte Rapid Wien die Ausstiegsklausel auch auf RB Leipzig erweitern müssen, um Sabitzer nicht an Salzburg zu verlieren.

Wie groß sind Schnittmengen durch Red Bull?

RB Leipzig habe Anfragen der Sport-Inside-Redaktion unbeantwortet gelassen, wieviel Einfluss Oliver Mintzlaff auf beide Vereine habe und wieviel Ralf Rangnick nach seinem dortigen Rückzug  immer noch auf Red Bull Salzburg einwirkt. Beide haben ihre Doppelfunktionen formal aufgekündigt und Oliver Mintzlaff sein Salzburger Büro geräumt. Als Head of Soccer ist er bei Red Bull für alle Vereine außer Salzburg zuständig. Allerdings, so die Autoren des Beitrags, habe das Kamerateam in Salzburg nicht drehen dürfen – mit Verweis auf eine Entscheidung von Oliver Mintzlaff.

Zulassung beider Vereine ein „sportpolitisches Desaster“

Rechtsanwalt Dr. Thomas Dehelles geht trotz formaler Entflechtung beider Clubs davon aus, dass die UEFA aktuell nicht beide Vereine zulassen kann. Dazu sei Red Bull, ob mittelbar oder unmittelbar noch zu sehr doppelt involviert. Die Sorge, dass die UEFA ihre eigenen Kriterien nicht anwendet, hält er darüberhinaus für unbegründet. Selbst der Anschein einer Beschädigung der Integrität führe bei den UEFA-Sponsoren zur Druckausübung. „Die Zulassung beider Clubs in einem Wettbewerbs, in dem die Chance des Aufeinandertreffens besteht, wäre juristisch, wie auch sportpolitisch ein Desaster“, so der Rechtsanwalt. Die Bestimmungen in Artikel 5 zur Integrität des Wettbewerbs habe die FIFA zudem im letzten Jahr verschärft. Auch Paul Lambertz von der renommierten Kanzlei Burkhard Beiten sah gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung die Gefahr eines Ausschlusses.

RB Leipzig bleibt gelassen

Demgegenüber geben sich die RB-Verantwortlichen nach wie vor gelassen. Man arbeite seit 2015 in enger Abstimmung mit der UEFA an der Entflechtung der Vereine. Auch Sportrechtler Jonas Arnhold sah einen erheblichen Interpretationsspielraum „durch eine Vielzahl nicht näher bestimmter Rechtsbegriffe“. So verwiesen sie auch gegenüber Sport Inside darauf, dass die beanstandeten Sachverhalte nicht mehr der Realität entsprächen und man guter Dinge ist, die Regularien zu erfüllen.