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Ralph Hasenhüttl hat keine Angst vor dem Bumerang

Ralph Hasenhüttl kann mit „Glaubenssätzen“ im Fußball wenig anfangen. In der Winterpause haben viele prognostiziert, dass RB Leipzig wie einst Hoffenheim einbrechen werde. Nun glauben manche eben, dass der steile Weg nach oben wieder nach unten führen werde.

Ralph Hasenhüttl ohne Angst auf dem Erfolgspfad

„Ich kann mit solchen Erfahrungen, die andere Klubs einmal gemacht haben, nichts anfangen“, erklärt der RB-Coach im Interview mit der FAZ. „Wir gehen unseren Weg. Wir schauen nicht ängstlich runter in die Schlucht. Wir suchen nach dem Pfad, der uns rüberführt. Auch wenn der Pfad noch so schmal ist, es links und rechts gefährlich bergab geht: Wir konzentrieren uns nur auf unseren nächsten Schritt. Und wenn der sitzt, kann es daneben 1000 Meter nach unten gehen – das ist mir dann egal.“

Er halte nichts von althergebrachten Glaubenssätzen, die das Handeln leiten. Von so etwas lasse man sich bei RB Leipzig „nicht begrenzen“. „Wir suchen nie die Schuld bei irgendjemand anderem, sondern immer nur bei uns selbst. Wir versuchen immer, dass wir selbst besser werden. Das ist für mich der einzige Weg, um sich nachhaltig zu entwickeln.“

Keine Angst vor dem Bumerang

Dabei ist Ralph Hasenhüttl auch klar, dass man sich mit dieser Position angreifbar macht. „Wenn ich zum Beispiel die umstrittene These aufstelle, dass man mit einer jungen Mannschaft Titel gewinnen kann und die Doppelbelastung Bundesliga und Champions League wegsteckt, dann wird der Moment kommen, an dem einen nach Niederlagen diese These wie ein Bumerang im Genick trifft. Aber das interessiert mich nicht.“ Mit guter Arbeit in einem guten und „selbstkritischen“ Team „existieren keine Limits. Das ist es woran ich glaube.“

Diesen Weg ohne Grenzen werde man weiter mit jungen, entwicklungsfähigen Spielern gehen. „Wie Ralf Rangnick kenne auch ich keinen 28 Jahre alten Topspieler, für den RB Leipzig der nächste Karriereschritt wäre. Die Spieler, um die es geht, sind doch alles Stars, die schon bei europäischen Topklubs spielen.“ Entsprechend werde man weiter Spieler wie Naby Keita, Timo Werner, Emil Forsberg oder Marcel Sabitzer holen und entwickeln.

Keine Angst vor der Doppelbelastung

„Wir brauchen nächstes Jahr 16, 17 Spieler auf einem Niveau“, gibt Ralph Hasenhüttl auch gleich den Kaderplaner. „Das wird nicht nur Geld kosten, sondern auch ein gutes Auge benötigen, um Spieler wie Keïta oder Upamecano zu bekommen. Die hatte auch keiner auf dem Zettel. Mal sehen, was wir im Sommer bekommen.“ Die Investitionen seien aber nötig, wenn man sehe, was für Spieler bei anderen Teams auf der Bank sitzen und eingewechselt werden können.

Sorgen, dass die Doppelbelastung in der kommenden Saison die Leistung negativ beeinträchtigen wird, macht sich Ralph Hasenhüttl derweil nicht. „Als Alibi mag dieses Argument funktionieren. Aber wir wollen nicht jetzt schon Alibis suchen. Wir wollen nicht schlechte Leistungen rechtfertigen, sondern gute loben.“ Zwar bleibe weniger Zeit zum Trainieren, aber man habe auch genug Spieler im Kader, die als Wettkampf-Typen mit zwei Spielen pro Woche gut leben können.


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