Seite neu laden
-

Timo Werner: Aus der Schublade in Stuttgart zum Nationalspieler in Leipzig

Timo Werner tritt heute Abend mit der deutschen Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation in Tschechien an (20.45 Uhr live bei RTL). Dass er dort wahrscheinlich in der Startelf stehen wird, sagt einiges über seine Entwicklung im letzten Jahr aus. Auch darüber spricht der Stürmer im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Timo Werner in Stuttgart von Erwartungshaltung erdrückt

Beim VfB Stuttgart habe er in er Schublade des Supertalents gesteckt, das sein Potenzial nicht abrufen kann. Dabei sei „eine Erwartungshaltung entstanden, die man als 18-Jähriger wahrscheinlich gar nicht erfüllen kann. Ich war auch selber unzufrieden mit meinen Leistungen. Und dann ist es auch klar, dass nicht nur manche Fans, sondern vielleicht auch mal manche Mitspieler oder Trainer denken: Und das soll dieser Superspieler sein?“

„Ich hatte eine schöne Zeit beim VfB, das ist mein Heimatverein, der mich hervorragend ausgebildet und es mir ermöglicht hat, früh Bundesligaspieler zu werden“, erklärt Timo Werner weiter. „Aber klar, auch der Fußball ist eine Neidgesellschaft, und wenn auf einmal ein ganz Junger auftaucht, sich gegen die Älteren durchsetzt und dann auch noch von außen so hochgejubelt wird, dann ist es vielleicht ein normaler Reflex, dass man sich als Junger auch mal eine fängt, wenn’s nicht läuft.“

Hohe Ablöse führt zu steigendem Ansehen

Dadurch habe er aber auch gelernt, sich zu behaupten. „Ich glaube, ich habe in jungen Jahren schon so viel durchgemacht wie andere in ihrer ganzen Karriere nicht. Ich habe früh gelernt, dass der Fußball auch eine zweite Seite hat und dass man die akzeptieren muss. Ich habe gelernt, gegen Widerstände anzukämpfen.“

Sein Ansehen sei auch durch den Wechsel nach Leipzig gestiegen. Dort war er plötzlich nicht mehr der Nachwuchsspieler, sondern der Stürmer, der 10 Millionen Euro gekostet hat. „Es klingt verrückt, aber so was ändert dein Ansehen in der Mannschaft. Das ist ein völlig anderer Stempel. Du wirst plötzlich ganz anders anerkannt.“

RB Leipzig schneidet Spiel auf Timo Werner zu

Zudem habe man bei RB Leipzig klare Vorstellungen gehabt, wie man Timo Werner einsetzen will. „Inzwischen kann ich sogar behaupten, dass man die Spielweise ein wenig auf mich zugeschnitten hat. Die Mitspieler wissen, in welchen Räumen ich mich am liebsten bewege und wo ich die Bälle am liebsten hinbekomme. Das ist überhaupt eine große Stärke von RB: dass jeder Spieler die Stärken des anderen erkennt und ausnutzt.“

Neben seinen Stärken bei „Abschluss, Schnelligkeit und Kopfball“ habe er sich bei RB Leipzig auch noch in anderen Bereichen weiterentwickelt. „In Leipzig habe ich gelernt, dass Verteidigen auch Spaß machen kann.“ Das hohe Verteidigen führe auch dazu, dass die Wege zum Tor nach Balleroberungen kürzer werden.

Timo Werner deutlich verbessert im Kombinationsspiel

Neben dem Umkehrspiel setze man bei RB aber auch verstärkt auf das Spiel mit dem Ball. Auch dort sieht sich Timo Werner deutlich verbessert. „Wir haben so viele gute Kombinationsfußballer bei RB, Keita, Forsberg, Sabitzer oder Demme, da muss man sich schon anpassen, um mitzuhalten. Unsere Elf entwickelt sich ständig weiter, und da entwickelt man sich als Einzelspieler automatisch mit.“

Diese Qualitäten helfen ihm auch in der Nationalelf, wo der Kombinationsfußball noch mal viel stärker gepflegt wird. Als Stammspieler fühlt er sich im deutschen Team noch nicht. Vielmehr staunt er immer noch über die Ansammlung an Stars im Team. „Das ist immer noch nicht selbstverständlich für mich. Trotzdem weiß ich: Wenn ich meine Leistung bringe, kann ich ein wichtiger Faktor für diese Mannschaft werden, vielleicht schon bei der WM.“


Jetzt die RBLive-App herunterladen: