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Oliver Mintzlaff: Bei 50+1 ist noch keine Entscheidung gefallen – RB gegen St.-Pauli-Antrag

Die Vertreter der 36 Erst- und Zweitligisten votierten am Donnerstag auf ihrer Mitgliederversammlung mehrheitlich für die Beibehaltung der 50+1-Regel, die eine Komplettübernahme von Vereinen durch externe Investoren verhindert. Die 50+1-Regel, die es nur im deutschen Fußball gibt, sichert den Stammvereinen eine Stimmenmehrheit in den Kapitalgesellschaften. Eine Ausnahmegenehmigung besitzen nur Bayer Leverkusen, 1899 Hoffenheim und der VfL Wolfsburg.

Entscheidung zu 50+1 ein guter oder schlechter Tag für den deutschen Fußball?

„Heute ist ein guter Tag, wenn man mit der 50+1-Regel eine positive Zukunft des deutschen Fußballs verbindet. Das kann sein, denn sie hat uns wirklich weit gebracht“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert nach der knapp fünfstündigen Sitzung. Gleichzeitig gab er aber zu bedenken: „Wir werden sehen, ob es möglich ist, diese Regel und die damit verbundenen Ziele zu halten. Wenn das juristisch nicht hält, wäre es automatisch ein schlechter Tag.“

Zweitligist FC St. Pauli hatte in der Sitzung in einem Frankfurter Flughafen-Hotel den Antrag auf eine Grundsatzdebatte unter Beibehaltung der 50+1-Regel gestellt. 18 der anwesenden 34 Vereinsvertreter votierten dafür. Ein Trio beteiligte sich nicht an der Abstimmung, vier Vereine waren dagegen, neun Clubs enthielten sich. „Allen, die es gut mit dem Fußball meinen, gefällt diese Entscheidung. Es ist ein wichtiges Signal, das davon ausgeht“, sagte Andreas Rettig, der Geschäftsführer des Hamburger Kiez-Clubs.

Berichten zufolge gehörte RB Leipzig zu den vier Vereinen, die gegen den Antrag des FC St. Pauli gestimmt hat. Demnach habe das Quartett aus RB, Bayern München, Heidenheim und Fürth bestanden. Über die Gründe der Ablehnung des Antrags ist nichts bekannt.

50+1-Regel soll rechtssicher gemacht werden

Im Mittelpunkt der künftigen Diskussionen dürfte stehen, wie die 50+1-Regel noch rechtssicherer gemacht werden kann. Denn die DFL-Führung befürchtet, dass 50+1 einer juristischen Überprüfung nicht Stand halten könnte. „Sollten diese Bedenken, die das Präsidium geäußert hat, zutreffen, wird es die Aufgabe sein, die Werte des deutschen Fußballs ohne 50+1-Regel zu erhalten“, sagte Seifert. Was er nicht sagte: Dies läge dann vielleicht nicht mehr in den Händen der Vereine.

Auch bei Rettig wollte bei aller Zufriedenheit keine Euphorie aufkommen. „Wir dürfen jetzt nicht die Hände in den Schoß legen und uns neuen Entwicklungen nicht verschließen“, mahnte er. Für DFL-Präsident Rauball gehört die Regel zwar „zu den Grundsätzen, die den deutschen Fußball stark gemacht und in der Gesellschaft verankert haben.“ Man müsse jetzt aber den juristischen Bereich abklopfen, um „Einschüsse zu verhindern“.

Oliver Mintzlaff sieht Diskussionen zu 50+1 erst beginnen

Oliver Mintzlaff sieht derweil im Kicker nach der DFL-Entscheidung den Diskussionsprozess erst so richtig beginnen. „Es ging nicht darum, ob 50+1 bleibt oder fällt. Wir haben hier während einer Mitgliederversammlung kontrovers und viel diskutiert. Das war eine gute Versammlung. Jetzt gehen wir die nächsten Schritte“, so der Geschäftsführer von RB Leipzig nach dem DFL-Treffen. Die 50+1-Regel bleibe ein „Diskussionsgegenstand und „es ist ja gut, dass wir darüber diskutieren“.

Nach derzeitiger Regelung kann ein Geldgeber eine Ausnahme von 50+1 beantragen, wenn er 20 Jahre lang einen Verein in großem Umfang gefördert hat. Einem entsprechenden Antrag von Dietmar Hopp hatte die DFL zuletzt stattgegeben, sodass der Mäzen bei der TSG Hoffenheim nun die Stimmenmehrheit hält.

DFL-Vize Peter Peters hat eine Problem mit RB Leipzig

Unzufrieden mit dieser Regelung hat sich bereits vor der Abstimmung Schalke-Vorstand und DFL-Vize Peter Peters gezeigt. „Sinn und Zweck von 50+1 ist der Schutz des Wettbewerbs. Ich bin ein Freund eines funktionierenden Financial Fairplay. Wenn aber etwas nicht greift, muss man es verbessern, damit es greift.“

„In 16 Jahren kommt RB Leipzig, und dafür, dass der Wettbewerb mit viel Geld nachhaltig verzerrt wurde, wird RB mit einer Ausnahmegenehmigung belohnt“, so Peters in der Sportbild (Print) weiter. „Damit habe ich ein Problem“, sieht er die Ausnahmeregelung mit Blick auf Leipzig und die Red-Bull-Unterstützung als nicht zielführend an.

(DPA | RBlive)