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Salzburg-Fans sticheln Richtung Red Bull und RB Leipzig

Die ganz große Sensation hat der FC Salzburg in der Europa League gestern Abend verpasst. Im Halbfinal-Rückspiel hatte man Olympique Marseille am Rande des Ausscheidens, musste sich aber wegen eines Gegentors in der Verlängerung trotz 2:1-Sieg in der Gesamtrechnung mit 2:3 geschlagen geben.

FC Salzburg hat Pech mit Eckball-Entscheidung

Im Endspiel hat Olympique Marseille gegen Atletico Madrid damit in knapp zwei Wochen im knapp 300 Kilometer entfernten Lyon quasi Heimvorteil. Amadou Haidara (53.) und ein Eigentor von Bouna Sarr (65.) brachten Salzburg in Führung, doch der 1:2-Anschluss von Rolando (116.) machte für die Franzosen alles klar. Der starke Haidara, der angeblich auch bei RB Leipzig Interesse geweckt hat, sah spät in der Partie noch die Gelb-Rote Karte (119.).

Marseille verwaltete anfangs den 2:0-Vorsprung aus dem Hinspiel und tat in Salzburg nicht mehr als nötig. Der Leipzig-Bezwinger vertraute diesmal auf seine Kompaktheit. Diese bröckelte nach dem Wechsel gewaltig. Haidaras sehenswerter Solo-Treffer und ein Eigentor ließen die Salzburger hoffen, in der Verlängerung hatten beide Teams ihre Chancen auf das Weiterkommen.  Nach einer falschen Eckball-Entscheidung sorgte Rolando für die Entscheidung.

Fans von Red Bull Salzburg thematisieren Ausbildungsrolle ihres Vereins

Im Rückspiel des Halbfinals der Europa League sorgten nicht nur die Spieler vom FC Salzburg, der in Europa nicht FC Red Bull Salzburg heißen darf, für Aufsehen, sondern auch die Fans des Vereins. Vor dem Fanblock hatte man ein riesiges „Wir sind nur ein Ausbildungsverein!?“-Banner aufgespannt.

Damit spielte man auf ironische Art und Weise auf die Rolle des FC Salzburg an. Schon 2010 hatte Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz eine neue Strategie in Salzburg ausgegeben: „In fünf bis sieben Jahren wollen wir mit dem stärksten Team, mit Leipzig, in der Deutschen Bundesliga und in Österreich mit einem quasi U-21 Team mit einem möglichst hohen Anteil an Spielern aus unseren Akademien spielen.“

Kritik am Verhältnis von Salzburg zu Leipzig ist nicht neu

Seitdem gilt Salzburg als Ausbildungsverein für RB Leipzig. Der damalige Trainer Oscar Garcia zeigte sich vor knapp zwei Jahren deutlich unzufrieden mit der Rolle seiner Salzburger. Es sei „nicht einfach damit umzugehen“, dass sein Klub nur eine „Ausbildungsmannschaft“ von RB Leipzig sei. Damals hatte sich die Empörung an einem kurzfristigen Wechsel von Bernardo entzündet. Nachdem der Wechsel schon offiziell gemacht wurde, erklärte Ralf Rangnick, dass man die Ablöse noch verhandeln müsse. Ein unübliches Vorgehen, das die besonderen Beziehungen zwischen Salzburg und Leipzig zeigte.

Prominentester Kritiker der Verflechtungen zwischen Salzburg und Leipzig war zuletzt Martin Hinteregger. „Es hätte nie so weit kommen dürfen, dass die Leipziger einfach das nehmen können, was sie brauchen“, erklärte der damals nach Augsburg gewechselte Innenverteidiger im September 2016. Ralf Rangnick lasse nach seiner Aufbauarbeit in Salzburg durch das Verpflichten Salzburger Spieler „alles wieder den Bach runtergehen“.

Aktuell neun Ex-Salzburger bei RB Leipzig unter Vertrag

Derzeit stehen neun Spieler im Kader von RB Leipzig, die eine Salzburger Vergangenheit haben. In den letzten drei Transferperioden wechselten mit Konrad Laimer und Dayot Upamecano allerdings nur noch zwei Spieler direkt von Salzburg nach Leipzig. Dazu kommt noch Kevin Kampl, der im letzten Sommer aber von Bayer Leverkusen losgeeist wurde, nachdem er bis Januar 2015 in Salzburg gespielt wurde.

Trotz der Rolle als Ausbildungsverein und einer untergeordneten Priorität in den Plänen von Red Bull spielte der FC Salzburg eine überragende Europa-League-Saison. Während der große Bruder RB Leipzig im Viertelfinale mit einem Gesamtergebnis von 3:5 an Marseille scheiterte, hatte Salzburg den Einzug in das Finale gegen Marseille auf dem Fuß.

Wenn der Ausbildungsverein den Zielverein überholt

Das wird an der Rolle als Ausbildungsverein, der Spieler über den FC Liefering entwickelt, nichts ändern. Schon jetzt gibt es wieder einige Talente, die in die Fußstapfen der aktuellen Salzburg-Talente treten können. Aufgrund der Erfolge in Europa werden sicherlich im Sommer einige Spieler Salzburg und die österreichische Liga verlassen und in eine Topliga wechseln.

Für die Fans des FC Salzburg kein Grund, die Situation und Red Bull und RB Leipzig nicht ein wenig auf die Schippe zu nehmen. Denn während der deutsche Bundesligist für den Geldgeber nun der wichtigste Verein ist, fährt der unwichtigere Verein, der ’nur‘ ein Ausbildungsverein sein sollte, trotz sinkenden Budgets die europäischen Früchte ein.