Seite neu laden
-

Hasenhüttl-Zukunft: Missstimmung nach dem Schützenfest

Die Fans feierten, die Bosse schwiegen: Nach dem 6:2-Triumph von RB Leipzig zum Saisonabschluss bei Hertha BSC ist Trainer Ralph Hasenhüttl euphorisch von den Anhängern gefeiert worden. Doch die Klubführung mochte sich aktuell nicht äußern. Sportdirektor Ralf Rangnick kündigte für Sonntagnachmittag eine Stellungnahme an.

Der Kontrast hätte kaum größer sein können: Die über 8.000 mitgereisten Leipziger Fans ließen Cheftrainer Ralph Hasenhüttl nach Abpfiff mit „Hasi, Hasi”-Sprechchören und Laola-Wellen hochleben. Eine große Europapokal-Party in der Hauptstadt – und der Coach im Mittelpunkt.

Rangnick und Mintzlaff angestrengt, Hasenhüttl ernst

Doch hinter den Kulissen war die Stimmung eisig. Sportdirektor Ralf Rangnick und Klubboss Oliver Mintzlaff eilten wortlos und mit angestrengten Mienen durch die Mixed Zone. Unüblicherweise mochten beide trotz des versöhnlichen und erfolgreichen Abschlusses kein Saisonfazit ziehen. Rangnick kündigte lediglich für Sonntagabend nach dem Abschiedsspiel von Dominik Kaiser (16 Uhr) eine Stellungnahme an.


Wie RBLive erfuhr, soll der Manager einen wichtigen Termin in den Stadionkatakomben gehabt haben. Im vergangenen Jahr hatten sich Rangnick und Hasenhüttl noch innig vor der Fankurve in Berlin umarmt. In diesem Jahr gab es nur eine kurze Gratulation auf dem Rasen. Passend zur unterkühlten Stimmung: Eine offizielle Feier des Vereins wird es anders als in den Vorjahren nicht geben. Die Mannschaft hat auf Eigeninitiative ein gemeinsames Essen organisiert.

Kurzer Glückwunsch auf dem Platz: Rangnick und Hasenhüttl nach dem 6:2 in Berlin (Foto: imago).

Kurzer Glückwunsch auf dem Platz: Rangnick und Hasenhüttl nach dem 6:2 in Berlin (Foto: imago).

Auch der sonst so emotionale Hasenhüttl wirkte bei der Pressekonferenz trotz des Triumphs in der Hauptstadt ernst. Weil er schon mehr wusste oder ahnte? Seit Wochen ist seine Zukunft bei RB offen. Der 50-Jährige hat noch ein Jahr Vertrag und würde gern länger bleiben. Der Verein lässt sich mit einem klaren Statement allerdings ungewöhnlich viel Zeit.

Zu seiner Zukunft sagte der 50-Jährige: „Ich habe mich mit dem Verein auf die nächste Woche verständigt. Alles weitere ist Stand heute keine Überlegungen wert. Ich möchte mich heute nur über ein tolles Jahr freuen und dafür die Zeit und die Gedanken nutzen.” Ein Aussage, die alle Varianten offen lässt: Vertragsverlängerung oder vorzeitige Entlassung.

Hasenhüttl: Champions League keine Pflicht

Zum wiederholten Male betonte der Österreicher, wie hoch er die Leistung der Mannschaft und seine eigene bewertet, auch im schweren zweiten Bundesliga-Jahr ins internationale Geschäft eingezogen zu sein. „Wir sind sehr froh, dass wir im zweiten Jahr die Euro League erreicht haben. Wir sind nicht so vermessen zu glauben, die Champions League sei Pflicht.” Und weiter: „Die Mannschaft hat für das zweite Jahr Bundesliga und das erste Mal Doppelbelastung sehr viel geleistet, wie ich finde.”

Am Donnerstag hatte sich der Fußballlehrer noch klar zu RB Leipzig und der weiteren Zusammenarbeit mit Rangnick bekannt. Doch nach dem Saisonabschluss blieb der Eindruck haften, als müsse sich Hasenhüttl intern dafür rechtfertigen, „nur” die Europa League erreicht zu haben. Ein seltsam schiefes Bild nach diesem rauschhaften Nachmittag. Im Gegensatz zur Reaktion der Bosse war die Leistung der Mannschaft auf dem Platz ein Plädoyer für den Verbleib des Trainers.