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Rangnick kritisiert EL-Prämien: „Erst ab dem Halbfinale Geld verdienen”

Ralf Rangnick (Foto: imago).

„Spielen nicht in erster Linie Fußball, um die finanzielle Situation zu verbessern”: Ralf Rangnick (Foto: imago).

Rein finanziell betrachtet, ist die Europa League ein Zusatzgeschäft. Das betonte Ralf Rangnick vor dem Rückspiel von RB Leipzig um den Einzug in die Gruppenphase gegen Sorja Luhansk nochmals. Doch der Trainer beschrieb auch, aus welcher Motivation heraus sein Team Erfolg im Europapokal anstrebt. Von Ullrich Kroemer.

Ralf Rangnick schaute Borussia Dortmunds Präsidenten Reinhard Rauball am Sonntagabend nach dem 1:4 von RB Leipzig beim BVB fragend an. Das Dortmunder Vereinsoberhaupt klopfte Rangnick freundschaftlich auf die Schultern, versicherte den Leipzigern, gut gespielt zu haben und tröstete mit den Worten: „Das wichtigere Spiel für euch ist ja ohnehin Donnerstag – schon finanziell.” So berichtete es Rangnick bei der Pressekonferenz vor dem entscheidenden Euro-League-Play-off-Spiel gegen Sorja Luhansk an diesem Donnerstag (18.30 Uhr).

Rangnick konnte sich darauf nur folgenden Reim machen: „Wahrscheinlich hat Borussia Dortmund schon zu lange nicht mehr Euro League gespielt, um einschätzen zu können, wie es dort wirklich um die Finanzen steht.” Denn während allein in der Champions-League-Gruppenphase etwa 40 Millionen Euro zu verdienen sind, müssen die Klubs eine europäische Etage tiefer mit einem Bruchteil klarkommen. „Finanziell wird die Europa League gern geschönt dargestellt”, so Rangnick. „Reichtümer sind in dem Wettbewerb nicht zu verdienen.”

Reisekosten und Prämien fressen Uefa-Ausschüttungen auf

RB Leipzigs Sportdirektor und Trainer betonte: „Wirklich Geld verdienen kannst du erst ab dem Viertel-, in Wahrheit eigentlich erst ab dem Halbfinale. Und der Weg dahin ist weit.” Wie Rangnick vorrechnete verschlüngen Reisekosten sowie Erfolgs-Prämien der Spieler die vergleichsweise spärlichen Einnahmen.

Für die Teilnahme an der EL-Gruppenphase erhält in dieser Saison jeder der 48 Klubs 2,92 Millionen Euro. Jeder Sieg wird mit 570.000 Euro belohnt, für jedes Remis gibt es 190.000. An den Gruppensieger und an den zweiten werden eine beziehungsweise eine halbe Million ausgeschüttet. Dazu kommen die Prämien in der K.o.-Runde sowie Zahlungen aus dem Marktpool gemäß des Wertes des jeweiligen TV-Marktes sowie nach der Platzierung in der Uefa-Rangliste ausgezahlt (je nach Platzierung 71.430 bis 3,42 Millionen Euro).

Das ausführliche Prämien-Reglement der Uefa lesen Sie hier.

Ralf Rangnick über die Europa-League: „Es geht um sportliche Ambitionen”

Doch Rangnick betonte, dass er und sein Team den Europapokal dennoch schätzen in dieser Spielzeit – aus sportlichen Gründen. „Wir spielen nicht in erster Linie Fußball, um die finanzielle Situation zu verbessern. Es ist unser sportlicher Ehrgeiz, dabei zu sein, Spieler besser zu machen und europäische Erfahrungen mitzunehmen und zusätzliches Selbstvertrauen zu sammeln für die Spiele danach”, sagte Rangnick und betonte: „Es geht um sportliche Ambitionen. Wir würden gern wieder europäisch spielen und haben den Kader auch auf drei Wettbewerbe ausgerichtet.”

Zudem ist den Verantwortlichen bei RB Leipzig bewusst, dass gerade die Euro-League-Klubs auch wichtige Punkte für die Fünf-Jahres-Wertung der Uefa sammeln. „Nicht nur die Boulevardmedien erwarten ja auch, dass wir die deutschen Fahnen hochhalten und Punkte sammeln für den Uefa-Koeffizienten”, sagte Rangnick. „Wir strengen uns an und wollen all diese Erwartungen erfüllen. Deswegen werden wir auch das Spiel gegen Luhansk sehr ernst nehmen.”