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Rangnick rechtfertigt „skurriles” Euro-League-Aus: „Wir waren nicht dumm”

„Fühlt sich fast schon surreal an”: Ralf Rangnick während des Ausscheidens aus der Europa League (Foto: imago).

„Fühlt sich fast schon surreal an”: Ralf Rangnick während des Ausscheidens aus der Europa League (Foto: imago).

Lange Gesichter bei RB Leipzig: Nach dem blamablen Ausscheiden aus der Europa League reagierten Leipzigs Spieler und Trainer Ralf Rangnick gefrustet. Doch der Coach rechtfertigte sowohl die Leistung der Spieler als auch seine Strategie. Aus dem Stadion berichtet Ullrich Kroemer.

Ralf Rangnick: „Surreal, extrem bitter, enttäuscht, frustriert”

Ralf Rangnick stand die Fassungslosigkeit nach dem Ausscheiden durch Trondheims Gegentreffer zum 1:1 (86.) ins Gesicht geschrieben. „Die Enttäuschung ist riesengroß. Man kann noch gar nicht richtig glauben, dass das Spiel 1:1 ausgegangen ist. Es fühlt sich fast schon surreal an, extrem bitter”, sagte Rangnick. „Ich habe zwar schon einige solcher Spiele erlebt. Aber es fühlt sich auch nach 20 Jahren nicht gut an. Die Jungs sind extrem enttäuscht und frustriert in der Kabine.”

Doch Rangnick mochte seine Spieler nicht kritisieren. „Ich bin nicht bereit, emotionale Aussagen zu tätigen. Wir waren nicht dumm, wir haben es richtig gut gemacht, wir haben das Spiel über weite Strecken dominiert”, argumentierte Rangnick. „Es hätte nur einen einzigen Sieger geben dürfen und das waren wir. Natürlich hätten wir den Sack zumachen müssen. Aber wir wollten weiterkommen, das hat man heute gesehen.”

Zerfahrenes Spiel statt RB-Fußball

Etwa mit Blick auf die Anzahl der Torschüsse (23 zu 7) mit Großchancen etwa durch Yussuf Poulsen (63./79.) ist das bedingt richtig. Doch auf der Anzeigetafel stand nun einmal nach 94 Minuten nur ein 1:1. Und das gegen die international bestenfalls zweitklassigen Norweger, die vor dem Spiel noch keinen einzigen Punkt auf dem Konto hatten.

Vor allem in der ersten Hälfte hatte RB strukturiertes und inspiriertes Spiel vermissen lassen. Der typische RB-Fußball mit aggressiven Balleroberungen, schnellem Umschalten und geradlinigem Kombinationsspiel vors gegnerische Tor war zu selten zu sehen. Stattdessen agierte das Team zerfahren.

Konrad Laimer: „Wer 1:1 gegen Trondheim spielt, hat Weiterkommen nicht verdient”

Mit Blick auf die gesamte Gruppenphase sagte Konrad Laimer selbstkritisch, dass „in manchen Situationen die Kaltschnäuzigkeit” gefehlt habe. Auch die Einstellung kritisierte der Österreicher, „dass wir unbedingt gewinnen wollen, auch die hundertprozentige Bereitschaft, dass wir die Null halten, dass jeder einzelne Spieler um jeden Zentimeter kämpft und für jeden anderen läuft”.

Mit gesenktem Kopf sagte der Mittelfeldspieler: „Wenn man 1:1 gegen Trondheim spielt, hat man es auch nicht verdient weiterzukommen, auch wenn man die klar bessere Mannschaft war.”

Rangnick: Ohne Rotation „vielleicht schon vor diesem Spiel weitergekommen”

Von verfehlter Rotationstaktik wollte Rangnick trotz des Ausscheidens nichts wissen. „Wenn wir in den letzten Wochen und Monaten nicht so rotiert hätten, wären wir vielleicht schon vor diesem Spiel weitergekommen”, räumte der Cheftrainer und Sportdirektor ein. Aber ich bin hundertprozentig sicher, dass wir dann jetzt in der Liga keine 25 Punkte hätten, sondern 15 oder 16. Ob uns damit gedient wäre, weiß ich nicht.”