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RB-Capo Sebastian: „Ob wir gewinnen oder verlieren, ist mir wurscht”

Von Ullrich Kroemer
„Ein befreiendes und reinigendes Gefühl”: RB-Vorsänger Sebastian (rechts) in Aktion (Foto: imago).

„Ein befreiendes und reinigendes Gefühl”: RB-Vorsänger Sebastian (rechts) in Aktion (Foto: imago).

Der Capo auf der Theaterbühne: RB Leipzigs Vorsänger Sebastian hat im Theater der Jungen Welt über das Glücksgefühl gesprochen, mit Tausenden anderen im Stadion zu singen. Dabei bezog er auch Stellung zu Diskrimimnierung im Fußball.

Die erstaunten Lacher hatte Sebastian, seit über acht Jahren Capo im Leipziger Fanblock, am Donnerstagabend auf seiner Seite. Zu Beginn seines Auftritts bei „Glückstag”, einer Talk-Reihe im Leipziger Theaters der Jungen Welt (TdJW), überraschte er die Gäste mit seiner ehrlichen Aussage: „Ich mag Fußball grundsätzlich nicht. Ob wir gewinnen oder verlieren, ist mir eigentlich wurscht.”

Auf den ersten Blick eine überraschende Aussage für jemanden, der seit Jahren Wochenende für Wochenende im Block steht und seinen Verein mit Liedern nach vorne peitscht, die im besten Falle das ganze Stadion mitsingt.

Doch der Vorsänger erklärte: „Ich mag mehr das gemeinschaftliche Singen, die Ekstase, die man erleben kann und die Glücksgefühle, die dabei entstehen.” Und Sebastian, der seinen Nachnamen öffentlich nicht nennen will, betonte: „Bei einer Choreo zum Beispiel entstehen sehr große Glücksgefühle.”

Capo Sebastian: „Man kann mal ausrasten, ausflippen, rumschreien”

So ähnlich ist das auch, wenn Sebastian in seine Rolle als Vorsänger eintaucht. „Dann kommt dieser Moment, in dem das Spiel angepfiffen wird”, berichtete er. „Dann kann man alles rauslassen, den Stress auf der Arbeit oder wenn man von der Frau oder Freundin genervt ist. Man kann mal ausrasten, ausflippen, rumschreien – das ist ein befreiendes und reinigendes Gefühl.”

Seine beiden größten Glücksmomente hatte er übrigens beim 3:2-Erfolg im DFB-Pokal gegen Wolfsburg 2011 und beim Siegtor von Torhüter Fabio Coltorti gegen Darmstadt 2015.

Unglücksgefühle im Stadion hingegen hat Sebastian höchstens, wenn Fans mal nicht so mit einstimmen, wie er sich das wünscht. „Man geht doch ins Stadion, um seine Mannschaft zu unterstützen und das lautstark. Man muss die Leute manchmal daran erinnern, warum sie im Stadion sind, man appelliert an das Herz des Fans, sich zusammenzureißen und alles zu geben für die Mannschaft”, so der RB-Fan.

„Wer Menschenwürde nicht anerkennt, den will ich nicht im Stadion haben”

Musikalisch untermalt wurde der Abend von den „Tollkirschen”, Leipzigs erstem schwulem Männerchor, der passend zum Talkgast unter anderem den Theo-Lingen-Klassiker „Der Theodor im Fußballtor” anstimmte.

Auf Homosexualität und Homophobie im Stadion angesprochen, betonte Sebastian stellvertretend für die aktive Fanszene von RB Leipzig: „Wir positionieren uns stark gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie. Wer Menschenwürde nicht anerkennt, den will ich nicht im Stadion haben.” Und: „Sich gegen Diskriminierung einzusetzen, ist keine Politik. Das ist gesunder Menschenverstand.”

Deswegen würde der Rasenballsport-Vorsänger auch „niemals Beleidigendes oder Diskriminierendes anstimmen”. Schmähgesänge wie „BVB-Hurensöhne oder Tod und Hass dem Verein xy” wird bei RB nicht gesungen. „Ironische Schmähgesänge finde ich aber okay”, sagte Sebastian.

Dazu passt, dass er auch sich selbst nicht zu ernst nimmt. Am Schluss des Abends leitete er eine weihnachtliche Elch-Choreo zu „Oh, Tannenbaum” im Publikum an.