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Transferbremse? Uefa und Salzburg dementieren geheime Vereinbarung mit RB Leipzig

Von Ullrich Kroemer
Auch im Visier der Leipziger: Xaver Schlager (Foto: imago).

Auch im Visier der Leipziger: Xaver Schlager (Foto: imago).

Als Xaver Schlager am vergangenen Mittwoch aufwachte und auf seinem Smartphone las, dass er sich mit RB Leipzig einig sein soll, traute er seinen Augen nicht. Die Salzburger Nachrichten hatten vermeldet, dass Schlager einen Vertrag in Leipzig unterschrieben haben soll. Er wäre der 19. Spieler, der zum Bruderklub nach Sachsen wechseln würde. Nach Amadou Haidara und Hannes Wolf wäre er der dritte Salzburger Jungstar binnen eines halben Jahres, der innerhalb des Red-Bull-Netzwerks die Filiale wechselt.

Rangnick: „Überzeugt, dass Xaver Schlager international Karriere macht”

Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund hatte das umgehend dementiert. Auch sein Leipziger Kollege Ralf Rangnick stellte nun klar: „Es gibt keine Einigung zwischen uns und Xaver Schlager und seinen Beratern.” Doch Rangnick zeigte sehr wohl Interesse: „Den Jungen kenne ich, seitdem er mit 15 Jahren im Nachwuchs von Salzburg begonnen hat. Ich bin überzeugt davon, dass er international Karriere machen wird.” Für diesen Sommer jedoch gebe es „keine konkreten Überlegungen und auch keine konkreten Gespräche”.

Nur je ein Wechsel pro Transferphase?

Pikant: Das österreichische Boulevardblatt Kronen-Zeitung erklärte die Meldung und die ungewöhnlich schnellen Dementis mit einer angeblichen Vereinbarung, die es zwischen dem europäischen Fußballverband Uefa, RB Leipzig und Red Bull Salzburg geben soll. „Pro Transferphase dürfe demnach nur je ein Kicker vom einen zum anderen Klub gehen”, heißt es in dem Bericht.

Angeblich soll dieses geheime Gentlemen’s Agreement 2017 getroffen worden sein, als die Uefa umfangreiche Entflechtungsmaßnahmen zwischen den Klubs zur Bedingung machte, dass beide international starten dürfen. Eine Transferbremse könnte den Anschein verstärken, dass beide Klubs unabhängig voneinander agieren.

Doch in der Urteilsbegründung steht davon nichts. Denn eine rechtliche Grundlage für eine solche Regelung gibt es nicht. Zum einen ist die Uefa bei Transfers gar nicht zuständig, betont der Sportjurist Johannes Arnhold: „Es gelten bei Transfers die allgemeinen Transferregeln des Weltverbandes Fifa.” Und auch in den Fifa-Statuten existiert keine Regelung, wie viele Spieler maximal von einem Verein zum anderen wechseln dürfen.

Sportrechtler Arnhold: „Uefa würde immens an Glaubwürdigkeit verlieren”

Zum anderen weist Arnhold darauf hin, dass die Uefa-Regelwerke zur Klublizenzierung für eine solche geheime Vereinbarung keinen Raum ließen. Vielmehr würde das „eine Sonderbehandlung” der Klubs bedeuten. „Die Uefa würde bei Bekanntwerden immens an Glaubwürdigkeit verlieren und sich überdies wohl auch rechtlich gegenüber anderen Wettbewerbsteilnehmern wegen möglicher Ungleichbehandlung verantworten müssen”, sagt Arnhold. Sein Düsseldorfer Kollege Paul Lambertz hingegen betont: „Die Uefa als Herrin des Wettbewerbs ist durchaus frei darin, solche individuellen Vereinbarungen zu treffen.”

 

Uefa und Salzburg teilen mit: „Keine Vereinbarung”

Auf Anfrage der Mitteldeutschen Zeitung/RBlive erklärte der europäische Verband unmissverständlich: „Eine solche Vereinbarung gibt es nicht.” Und auch Red Bull Salzburg teilte mit: „Über die Entscheidung (der Uefa, Anm.d.Red.) hinaus gibt es keinerlei Vereinbarungen.” RB Leipzig verwies ebenfalls auf die Urteilsbegründung der Uefa, mochte sich aber nicht zitabel äußern.

Rangnick wies jedoch darauf hin, dass sich die „Zahl der Wechsel von Salzburg zu uns alleine schon dadurch reglement … oder reduzieren wird”, weil Leipzig ein immer höheres Niveau habe und so weniger Salzburger infrage kommen. Klingt wenn überhaupt eher nach einer internen Regelung als nach einer Geheim-Vereinbarung mit der Uefa.