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Timo Werner im Jahr 2019 weiter torlos – Ralf Rangnick vermisst Durchschlagskraft

Von Matthias Kießling
Timo Werner hat gerade wenig Grund für überschwängliche Freude. (Foto: Imago)

Timo Werner hat gerade wenig Grund für überschwängliche Freude. (Foto: Imago)

Das Jahr 2019 läuft für Timo Werner bisher durchwachsen. Von neun Pflichtspielen konnte er aufgrund von Erkrankungen nur fünf bestreiten. In keinem der fünf Bundesligaspiele traf er.

Fünf Spiele ohne Tor sind für Timo Werner ungewöhnlich

Fünf Pflichtspiele am Stück ohne eigenen Treffer gab es in dieser Saison zuvor für Timo Werner noch nie. So lange blieb er für RB Leipzig letztmals im Herbst 2017 ohne eigenen Treffer. Damals verpasste er in den Spielen bei Besiktas (CL), gegen Porto (CL), gegen Stuttgart, gegen München (Pokal) und in München einen Treffer, stand allerdings auch nur in zwei Spielen in der Startformation und spielte in nur einem Spiel länger als eine halbe Stunde.

Die letzte richtige Durststrecke mit fünf Spielen ohne eigenen Treffer resultiert bei Timo Werner aus dem Herbst 2016, seiner Anfangszeit bei RB Leipzig, als er in der Bundesliga fünfmal am Stück nicht traf und in vier der fünf Spiele in der Startformation stand. Sechs Spiele hintereinander ohne Werner-Tor gab es noch nie in seiner Zeit bei RB.

Offene Vertragsfrage ohne Einfluss auf Timo Werner?

Es ist für alle Beteiligten also eine eher ungewöhnliche Situation, dass Timo Werner das Tor nicht trifft. Den Eindruck, dass das mit den öffentlichen Debatten um Werners Vertragsverlängerung zusammenhängt, versuchte Ralf Rangnick direkt nach dem Spiel gegen Augsburg zu zerstreuen. „Ich glaube nicht, dass das mit seiner Vertragssituation zu tun hat. Das hat damit zu tun, dass er in den letzten drei Monaten nicht einmal zwei, drei Wochen am Stück gesund und fit mittrainieren konnte“, verweist Rangnick auf physische und nicht auf mentale Probleme.

Oliver Mintzlaff erklärte das Werner-Vertragsthema in der Halbzeitpause des Spiels gegen Augsburg bei Sky mal eben zu einem reinen Medienthema. Man führe im Hintergrund die Gespräche ganz normal, erklärte der Geschäftsführer von RB Leipzig. Und das nur ein paar Tage nachdem noch die Drohung eines Tribünenplatzes für den Fall im Raum stand, dass Werner seinen Vertrag nicht über 2020 hinaus verlängern, den Klub aber auch nicht verlassen will.

Timo Werner steckt bei RB Leipzig in der Rückrunde im Leistungsloch

Einig waren sich die Beobachter weitgehend, dass die Leistung von Timo Werner gegen den FC Augsburg nicht sonderlich gut war. „Wenn ich sagen würde, er hat mir gefallen, würden sie meine Einschätzung in Frage stellen“, fand Trainer Ralf Rangnick vor Journalisten recht deutliche Worte. „Das in den siebten Gang schalten, das Durchsetzen in Zweikämpfen hat noch gefehlt.“

Zu Beginn der Saison hatte Timo Werner schon eine Phase mit wenig Durchschlagskraft und wenig Effizienz vor dem Tor. Im Anschluss fing er sich und wurde mit 13 Toren ein wichtiger Baustein für den RB-Erfolg. Seit Beginn der Rückrunde steckt Timo Werner nun aber wieder in einem Loch. Statt 34% aller Dribblings gewinnt er nun nur noch 13%. Gegen den FC Augsburg konnte er kein einziges seiner vier Eins-gegen-Eins-Duelle gewinnen. Die Zahl der Ballverluste hat sich entsprechend auch leicht von fünf pro 90 Minuten auf sechs erhöht.

Werner schießt seltener auf das Tor und trifft nicht mehr

Nur noch 2,55 Schüsse gibt Timo Werner in der Rückrunde pro 90 Minuten ab. In der Hinrunde war es noch ein Schuss pro 90 Minuten mehr gewesen. Trotzdem der Stürmer immer von innerhalb des Strafraums abzog, resultierte aus den zwölf Torschüssen im Jahr 2019 kein Treffer (null Tore aus drei Schüssen gegen Augsburg). In der Hinrunde hatte Werner nur 5,7 Schüsse pro Tor gebraucht. Letzte Saison waren es 7,38 Schüsse pro Tor gewesen. In seiner ersten Saison lag der Wert noch bei phänomenalen 3,5 Schüssen pro Tor.

2016/2017 hatte Timo Werner noch fast sieben Tore mehr erzielt als es aufgrund seiner Chancen wahrscheinlich gewesen wäre. Das spricht für eine sehr gute Torabschlussqualität in der Saison und auch für Glück. In der vergangenen Saison erzielte Werner ungefähr so viele Tore wie es der Qualität der Chancen entsprach. In der aktuellen Spielzeit liegt Werner in der Qualität seiner Chancenverwertung ungefähr auf dem Niveau der Vorsaison und hat ein Tor weniger erzielt, als erwartbar gewesen wäre.

Werners Laufaufwand bleibt tadellos

Am Einsatz von Timo Werner liegt es dabei nicht, dass die Rückrunde der aktuellen Saison bisher schlechter verläuft als die Hinrunde. Denn im Schnitt läuft Werner pro 90 Minuten nun 150 Meter mehr und zieht vier Sprints mehr an. Das wäre untypisch für einen Spieler, der mit seinem Kopf nicht mehr bei der Sache ist.

Fakt ist, dass Timo Werner in dieser Spielzeit im Vergleich zur Vorsaison ähnlich dasteht und teilweise sogar die leicht besseren Daten aufweist (Dribbling, Torschussvorbereitung, Anzahl der Torschüsse pro Tor). Im Vergleich zur Hinrunde ist beim 23-Jährigen in der Rückrunde aktuell allerdings noch deutlich Luft nach oben. Ein Pflichtspiel-Tor würde zumindest verhindern, dass das Gerede um Werner und den schlechten Einfluss des offenen Vertragsthemas lauter wird. Abgesehen davon wäre ein Werner-Tor auch einfach mal wieder dran.