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Hoeneß macht den Rangnick: Videobeweis zum Lewandowski-Abseits mit dem Handy

Aus dem Stadion berichtet Martin Henkel

Nicht zufrieden mit Köln: Bayern-Präsident Uli Hoeneß (re.). Foto: Imago/Matthias Koch

Was Ralf Rangnick kann, das muss auch Uli Hoeneß können: und zwar den Videobeweis per Handy. Das 0:0 zwischen den Bayern und RB Leipzig war bereits eine Stunde vorüber, da stieg der Präsident des Rekordmeisters nochmal aus dem Teambus, um auf seinem mobilen Endgerät DIE Szene der Partie abzuspielen: Robert Lewandowskis Abseitsstellung vor dem Treffer der Bayern in der 50. Minute durch Leon Goretzka.

Hoeneß fehlt die Unterstützung

Das Tor nahm Schiedsrichter Manuel Gräfe nach Rücksprache mit dem Videoschiedsrichter in Köln zurück, nachdem die Bilder einen Fußspitzenregelverstoß des Bayern-Stürmers ergeben hatten. Die Entscheidung war vertretbar. Was Hoeneß aber erzürnte, war, dass Köln eingeriffen hatte. Das ist per Regel nur angeraten, wenn der Unparteiische vor Ort klar etwas falsch entschieden hat. Das aber, so Hoeneß, sei nicht der Fall gewesen. „Das ist der Witz des Jahres!“

Im Pokalfight vor zwei Jahren war Rangnick mit dem Handy gar auf den Platz geprescht, um ein Foul von Franck Ribery an Emil Forsberg dem damaligen Schiedsrichter Felix Zwayer nochmal vorzuspielen. Das Foul sei rotwürdig gewesen, hatte Rangnick später erklärt. Hoeneß beließ es bei seiner Vorführung im Stadion-Innenraum, denn es fehlte ihm an Unterstützung.

Niko Kovac: „Abseits unstrittig”

Niemand sonst echauffierte sich über die Entscheidung. Bayerns Coach Niko Kovac stellte zwar infrage, wann man denn die Szene am TV stoppe, um die Abseitsstellung zu bewerten. Eine Zehntelsekunde später den Film angehalten, und schon ist Lewandowski nicht mehr im Abseits. Letztendlich aber, so der Kroate, sei das Abseits unstrittig „so wie es sich darstellt. Darüber will ich gar nicht diskutieren.“

Auch für die Bayern-Spieler war die Rücknahme eher bedauerlich als falsch. Niklas Süle meinte, es sei schade für „Gore“ Leon Goretzka, dass der umsonst gejubelt habe. Und auch Torhüter Sven Ulreich meinte, es sei schade, dass der Treffer nicht gezählt habe. Beide aber gaben zu, die Situation nicht gesehen zu haben, dafür standen sie zu weit weg.

Pech gehabt eben beziehungsweise zum Glück für RB Leipzig. Trainer Ralf Rangnick glaubte nach Abpfiff nicht, dass sein Team nach einem 0:1 nochmal zurückgekommen wäre. Nicht an einem Nachmittag, an dem in der Abwehr vieles gut funktioniert, „wir nach vorn aber zu viele falsche Entscheidung getroffen haben. Da hatten wir in der Szene mit dem nicht gegegeben Tor Glück.“