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Klasse besiegt den Debütanten: RB unterliegt dem FC Bayern im Pokalfinale 0:3

Aus dem Stadion berichten Martin Henkel und Ullrich Kroemer
Überrannt: Robert Lewandowski gegen Ibrahima Konaté (Foto: imago/Moritz Müller).

Überrannt: Robert Lewandowski gegen Ibrahima Konaté (Foto: imago/Moritz Müller).

Wie schon 18 Mal – so auch zum 19.: Der FC Bayern ist Pokalsieger. Der Double-Meister besiegte am Samstagabend im Endspiel um die deutsche Vereinstrophäe seinen Gegner RB Leipzig mit 3:0 (1:0). Robert Lewandowski (29., 86.) und Kingsley Coman (79.) trafen für den Branchenkrösus.

Kontrolle in der Rasenmitte

Machtverhältnisse geklärt! Das war ja eine der Fragen in diesem Spiel gewesen: Ob der Emporkömmling aus Sachsen, Dritter der vergangenen Meisterschaft, den Rekordchampion würde herausfordern können. Es gelang streckenweise – letztendlich aber entschied die Partie Abgeklärtheit im Umgang mit solchen Spielen. Und die größere individuelle Klasse.

Dabei war Leipzig gut im Spiel gewesen. RB-Coach Ralf Rangnick hatte seine Edelelf auf nur einer Position verändert, Tyler Adams ersetzte im zentralen Mittelfeld Konrad Laimer, um den Ball bei Umschaltsituationen besser kontrollieren zu können. Ansonsten spielte das Startelfpersonal der vergangenen Wochen in einem 4-2-2-2, mit dem RB zu Beginn die Kontrolle über die Rasenmitte bekam.

Die Sachsen pressten gegen die Bayern mit viel Athletik – und kamen so zu ein paar Kontersituationen, von denen eine in der 11. Minute zur zweiten RB-Ecke führte. Marcel Halstenberg trat sie auf die Stirn von Yussuf Poulsen, im Rücklaufen lenkte Bayerns Keeper Manuel Neuer den Ball an die Unterkante des Querbalkens.

Perplexe Sachsen

Der Deutsche Meister wirkte zu diesem Zeitpunkt konsterniert und ratlos. Bis auf einen Schuss von Serge Gnabry in der 3. Minute war da nichts, was RB-Torhüter Peter Gulacsi in Bedrängnis brachte. Aber die Bayern sind die Bayern, eine tautologische Konstante, siebenfacher Serienmeister der letzten Jahre und 18-facher Pokalsieger. In der 29. Minute brachen sie das erste Mal durch das Leipziger Fangnetz. David Alaba hinterlief Kingsley Coman und bekam vom Franzosen den Ball vor die Grundlinie gespielt. Von dort flankte der Österreicher auf Robert Lewandowski, der den Ball gegen Gulacsis Laufrichtung ins Netz köpfte.

Jetzt waren die Sachsen perplex. Der Treffer des Polens machte das gute Gefühl der ersten halben Stunde mit einem Schlag zunichte. Bis zur Pause wankte der Tabellendritte der vergangenen Saison beachtlich – und hatte Glück, dass es beim 0:1 blieb. In der 42. Minute rettete Konaté auf der Linie gegen den durchgebrochenen Coman, der allerdings im Abseits gestanden hätte. Zwei Minuten später hatte Klostermann seinen Fuß zwischen einem Schuss von Thomas Müller und dem zweiten Gegentreffer. In der 45. Minute verhinderten Gulacsis Innenschenkel einen höheren Rückstand.

Zerissener Matchplan

Der Pausenpfiff schien eine Erlösung. Mit einem Mal wirkte das Finale eine Nummer zu groß für den Endspiel-Debütanten und die Kulisse wie eine Drohgebärde. Hinter dem eigenen Tor standen Fans aus der Messestadt, die durch das Marathontor aber keine so geschlossene Stimmungswand hinbekamen wie die Bayern auf der Kurve gegenüber.

Genauso zerissen hatten die Pressinglinie zum Ende der ersten Hälfte ausgesehen. Rangnick musste deshalb in der Kabine den Matchplan wieder zusammenflicken. Mit gutem Händchen, wie es schien, als in der 48. Minute Konate mit einem Schnittstellenpass Emil Forsberg auf die Reise schickte. Der Schwede rannte allein auf Neuer zu – scheiterte aber an dessen linker Hand. Im Anschluss hatte Werner die nächste Gelegenheit, seinen Schuss nach einer Flanke von Halstenberg begrub der Nationaltorhüter aber unter seinem Körper (49.).

RB war jetzt wieder drin in der Partie, wie zu Beginn. Das Pressing funktionierte, das Offensivspiel schnurrte, der Spirit war wieder intakt. Dass die Bayern nicht mehr zu Chancen kamen, bedeutet das aber nicht. Lewadowski bekam in der 56. Minute die nächste Gelegenheit auf den Schuh, er schoss aus zehn Meter Gulacsi aber in die Arme.

Lewandowski eiskalt

Die Partie war jetzt ein Weizenfeld im Frühlingswind. Sie wogte hin und her. Werner hätte eine Minute später ausgleichen können, seinen Schuss blockte Hummels vor der Linie. Fünf weitere Minuten darauf dribbelte der Bayern-Verteidiger übers halbe Feld, Gulacsi entschärfte seinen Schuss. Wenige Sekunden später köpfte Thiago knapp neben das Tor, im Gegenzug scheiterte Marcel Sabitzer mit seinem Schuss an einem Bayern-Bein, bei der nächsten Gelegenheit schoss er von der Strafraumgrenze übers Tor.

Atemlos ging das so weiter. 68. Minute: Lewandowski köpfte eine Gnabry-Flanke knapp neben das Tor. 76. Minute: Schuss von Werner, Neuer riss im rechten Moment die Arme hoch. 78. Minute: Coman bekam den Ball Nähe der Strafraumgrenze, drehte sich im Klostermann und drosch den Ball ins rechte obere Toreck. Die Entscheidung!

Leipzig prostierte trotzdem heftig, Lewandowsi soll zuvor den eingewechselten Dayot Upamecano umgerissen haben. Schiedsrichter Tobias Stieler ließ das prüfen – und entschied: Es war genau anders herum. Damit war der 76. Pokalsieger ermittelt. Die Bayern legten durch Lewandowski sechs Minuten nochmal nach, die restlichen Minuten spielten sie souverän herunter.