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RB-eSportler Gaucho Exklusiv„Für mich ist das aktuelle FIFA 22 der bisher schlimmste Titel”

Von Kilian Thomas, Tim Schölzel, Julian Pink, Lucas Drexler, Jonas Böhnstedt und Paul Hein Aktualisiert: 31.05.2022, 13:02
„Ich fand RB Leipzig vorher schon cool, bin aber mittlerweile Fan geworden”: Richard „Gaucho” Hormes auf den Stufen in Sektor B.
„Ich fand RB Leipzig vorher schon cool, bin aber mittlerweile Fan geworden”: Richard „Gaucho” Hormes auf den Stufen in Sektor B. (RB Leipzig/Carsten Beier)

Der Teamkapitän von RBLZ Gaming, Richard „Gaucho” Hormes ist zwar noch kein alter Hase der eSports-Szene, ist aber mitterweile seit 2019 dabei, Teamkapitän bei RB Leipzig und Mitglied im Player Council der virtuellen Bundesliga (VBL). Was es bedeutet, Spielführer der Leipziger eSportler zu sein, wie groß der Druck für ihn und junge Kollegen wie Anders Vejrgang ist und was die „Unternehmenskultur” bei RB Leipzig interessant macht, erzählt der 28-Jährige vor dem Start der Deutschen Einzelmeisterschaft an diesem Pfingstwochenende im Interview bei RBlive.

Gaucho über eSports bei RB Leipzig: „Gerade für Anders Vejrgang ist der Druck bei Offline-Events enorm”

Gaucho, Sie sind Kapitän der eSportler von RB Leipzig. Was macht man eigentlich als Spielführer eines Fifa-Teams?
Richard Hormes: Durch die Altersstruktur im Team, weil ich etwas älter bin als meine Mannschaftskollegen, ist das eine ganz natürliche Rolle für mich. Vor allem bei den Offline-Events bin ich für sie da. Gerade für Anders (Vejrgang, 16-jähriger Teamkollege, Anm.d.Red.) ist der Druck bei diesen Wettbewerben enorm, da versuche ich durch meine Erfahrung, auf ihn einzuwirken. Aber aufgrund des großen Vertrauens untereinander, das sich in den nun zwei Jahren, die wir zusammen in dieser Konstellation spielen, entwickelt hat, muss ich mein Kapitänsamt gar nicht überbetonen.

Sie sprechen die mentale Belastung an: Wie hoch ist der Leistungsdruck für Sie persönlich, gerade mit Stars der Szene wie Anders Vejrgang oder Umut Gültekin im eigenen Team?
Der Druck ist immer hoch, weil ich immer performen und bestmöglich abschneiden will, unabhängig von Umut und Anders. Aber natürlich: Zum einen haben die beiden eine enorme mediale Präsenz, zum anderen sind sie sportlich top, top, top. Das legt die Messlatte auch für mich sehr weit nach oben und ist gleichermaßen ein guter Anreiz.

Was macht Anders Vejrgang so besonders? Und wie lange ist ein solches Wunderkind überhaupt noch in Leipzig?
Ich glaube, dass Leipzig ein unfassbar interessanter Arbeitgeber ist, deswegen kann ich mir vorstellen, dass er noch lange hier ist. Und zu seinen Fähigkeiten: Wenn man gegen ihn spielt, merkt man: Er ist offensiv brutal. Er spielt sehr, sehr schnell nach vorn, ist unheimlich handlungsschnell, auch defensiv, was das Anwählen der Spieler angeht. Und er spielt sehr mutig, da sieht man das Unbekümmerte. Er verteidigt ein bisschen aggressiver, als andere das machen, und ist einfach auch nach vorn geradliniger.

Wie hoch sind Ihre Trainingsumfänge eigentlich? Wie viel müssen Sie physisch und mental trainieren?
Ich trainiere physisch sehr viel. Das ist aber unterschiedlich, da bekommt man nichts fest vorgegeben. Wir bekommen Empfehlungen, was man machen sollte, aber gerade durch das viele Sitzen ist das schon gut, wenn man was für den körperlichen Ausgleich macht. Ich mache das sehr regelmäßig. Und was das Kognitive angeht, waren wir vor anderthalb Jahren im Headquarter bei Red Bull. In Thalgau gibt es ein Athlete-Performance-Center, wo wir zur Reaktions- und Handlungsschnelligkeit, zum peripheren Sehen und so weiter Tests absolviert haben. Da hat man natürlich auch ein, zwei Übungen an die Hand bekommen, die man dann regelmäßig macht.

In Thalgau halten sich auch die Fussballprofis auf, wenn sie verletzt sind.
Als wir das letzte Mal da waren, war auch Konrad Laimer zeitgleich vor Ort. Da sind eigentlich alle Red-Bull-Athleten, wenn sie verletzt sind oder Tests machen. Dieses Trainingszentrum ist sehr beeindruckend, muss man sagen.

Sie haben auf Ihrem Instagram-Account geschrieben, dass diese Saison „rasiert“ wird. Wie gut hat das bisher geklappt?
Bisher bin ich zufrieden. Ein richtiges Fazit kann man aber erst ziehen, wenn die Saison vorbei ist. Die komplett heiße Phase ist dann im Juli, August. Allerdings haben wir die VBL (virtuelle Bundesliga, Anm. d. Red.) schon gewonnen und der DFB-ePokal ist auch schon vorbei. Nach diesen Wettbewerben bereits mit einem Titel dazustehen, fühlt sich gut an. Aber es folgen auch noch wichtige Turniere, beispielsweise internationale Wettbewerbe, aber auch die deutsche Einzelmeisterschaft an diesem Wochenende.

Dieses Jahr muss ich viel Aufwand betreiben, weil es nicht ganz meinem Spielstil entgegenkommt.

Richard „Gaucho” Hormes

Wie gefällt Ihnen eigentlich FIFA 22?
Ich bin beruflich seit 2019 in der Szene. Für mich ist der aktuelle Titel bisher der schlimmste. Das würde ich vor allem auf den Umstieg zur aktuellen Konsolen-Generation zurückführen. Es gibt einige unausgereifte Dinge, zum Beispiel die „HyperMotion“-Technologie, die für reichlich unvorhersehbare Animationen im Spiel sorgt. Aber die Pille muss man dann schlucken und sich reinfuchsen.

Wie groß ist eigentlich jedes Jahr die Umstellung, das Spiel quasi neu zu erlernen?
Die Spieler, die jedes Jahr performen, können sich super anpassen. Jedes FIFA ist unterschiedlich und das muss man können. Mal ist es mehr auf einen zugeschnitten und man muss weniger Aufwand betreiben. Aber dieses Jahr muss man aus meiner Sicht ziemlich viel Aufwand betreiben, zumindest ich, weil es nicht ganz meinem Spielstil entgegenkommt.

Können Sie als Profi Wünsche und Feedback beim Hersteller hinterlegen?
Wir können schon unser Feedback geben. Wir haben einen Discord-Kanal, wo wir mit den EA-Verantwortlichen gemeinsam kommunizieren. Die sind auch sehr bemüht, aber in der Umsetzung ist es meistens schwierig. Ich selbst merke nicht, dass Sachen so oft umgesetzt werden. Das würde man sich auf jeden Fall wünschen. Ich glaube, dass man es aus Spielersicht besser beurteilen kann, was wirklich Sinn ergibt und was nicht. Natürlich kommen dann aber auch wirtschaftliche Dinge hinzu, die wir nicht beurteilen können, trotzdem wäre es eine gute Sache, wenn man sich mehr unterstützen würde.

In der VBL haben Sie die Rolle als Player Council übernommen, was genau sind dort Ihre Aufgaben?
Das ist von der DFL ins Leben gerufen worden und ist eine Art Spielerrat, ähnlich wie bei den Fußballprofis. Das zeigt, dass die Sache seitens der DFL immer professioneller wird, weil sie sich zu vielen Themen die Meinung der Profis holen möchten. Wir in diesem Player Council versuchen dann die Meinung aller Profis zu repräsentieren. Es gibt dann regelmäßig Meetings mit den Verantwortlichen der DFL, in denen wir besprechen, was hätte besser laufen können und was zukünftig ansteht. Beispielsweise wurde bei den Playoffs der VBL überlegt, ob es einen 90er Modus in FUT geben soll, ob wir auf der PS4 oder PS5 spielen, solche Themen halt.

Hormes über die Arbeit bei RB Leipzig: „Es löst eine Menge Begeisterung aus, wenn man in dieser Unternehmenskultur arbeitet”

Sie kommen aus der Nähe von Mönchengladbach und sind auch langjähriger Dauerkarteninhaber gewesen. Wie stehen Sie mittlerweile zum Verein RB Leipzig?
Ich fand RB Leipzig vorher schon cool, bin aber mittlerweile Fan geworden. Es löst eine Menge Begeisterung aus, wenn man in dieser Unternehmenskultur arbeitet. Der Verein ist sehr jung und offen, das ist eine ganz spezielle Art. Ich schaue vielen Spielern unfassbar gern zu, ob es jetzt Christopher Nkunku ist oder auch Dani Olmo, von dem ich großer Fan bin.

Wenn im Pokalfinale Gladbach gegen Leipzig gespielt hätte, zu wem hätten Sie gehalten?
Ich wäre natürlich für meinen Arbeitgeber. (lacht)

Wie oft sind Sie eigentlich in Leipzig?
Von November bis Anfang März bin ich durch die VBL-Spieltage wöchentlich in Leipzig. Die finden immer mittwochs statt, da fahren Umut und ich dann dienstags nach Leipzig und donnerstags wieder zurück. Die restliche Zeit bin ich nur vereinzelt vor Ort, alle fünf oder sechs Wochen in etwa.

Kommt da richtiges Teamfeeling auf, wenn das Team nur eher selten zusammen ist?
Doch! Also die Zeit ist dann tatsächlich so intensiv, so selten ist das gar nicht. Wenn man über vier, fünf Monate pro Woche immer drei volle Tage zusammen ist, dann entsteht da schon ein richtiges Teamfeeling. Es gibt auch Phasen, da sind wir dann eineinhalb Wochen am Stück da, weil am Wochenende noch ein Turnier ist. Wir haben erst letztens im Team darüber geredet: Mittlerweile haben wir so viel Zeit in der E-Sports-Location im Stadion verbracht, das ist unglaublich.

Der frühere Leipziger Cihan Yasarlar hat bei seinem Abgang fehlende Unterstützung im Team bemängelt. Wie werden Sie heute unterstützt, gibt es beispielsweise einen Coach?
Zu den Zuständen vor meiner Zeit bei RB kann ich natürlich nichts sagen, weil ich darüber schlichtweg nichts mitbekommen habe. Ich kann mich nur zur aktuellen Situation äußern, und die ist wahnsinnig professionell. Wir werden unglaublich unterstützt, haben ein großes Team um das Team: Es gibt ein Social-Media Team, wir erhalten Unterstützung bei administrativen Aufgaben. Wir haben einen festen Trainer und bekommen regelmäßig Mental-Coachings mit Sportpsychologen.

Vertragsverlängerung bei RB noch offen

Dann werden Sie auch über den Sommer hinaus noch für RB Leipzig spielen?
Da kann ich jetzt noch nicht ins Detail gehen. Das ist definitiv eine Möglichkeit, wir werden jetzt Gespräche führen. Stand jetzt läuft mein Vertrag im Sommer aus, was aber daran liegt, dass ich in meiner Karriere bislang immer nur Ein-Jahres-Verträge abgeschlossen habe. Wir sind da in ganz offenen Gesprächen. Ich bin sehr begeistert vom Verein und arbeite da wirklich gerne. Auf der anderen Seite ist es aber auch logistisch ein riesiger Aufwand für mich, das muss man schon sagen bei der Pendelei. Aber noch ist das super offen.

Warum werden so kurzfristige Verträge im eSports abgeschlossen? Das ist nicht unbedingt vorteilhaft, wenn man eher langfristig denkt, oder?
Ja klar, langfristig ist das natürlich schwierig. Ich glaube aber, dass sich das wandeln wird und vor allem jüngere Spielern längere Verträge bekommen werden. Einfach auch aus dem Grund, weil es natürlich Mist ist, wenn du einen Spieler verpflichtest, der komplett durch die Decke geht und du ihn dann nicht verlängern kannst. Dementsprechend wird da auch das Interesse der Vereine größer werden, die Verträge länger zu gestalten. Bei mir war das eine persönliche Präferenz, dass ich das immer nur für ein Jahr haben möchte, einfach wegen der Entfernung. So kann ich schauen, wie ich mit diesem Aufwand klarkomme. Aber in Zukunft glaube ich schon, dass es in Richtung längerfristige Verträge gehen wird.

Viele eSportler versuchen, sich ein zweites Standbein als Influencer aufzubauen. Arbeiten auch Sie daran oder möchten Sie erstmal als eSportler überzeugen?
Mein voller Fokus liegt auf dem sportlichen Erfolg und dem eSportler-Dasein. Aber das andere gehört eben auch dazu, weil das auch bei Vertragsverhandlungen für die Vereine interessant ist. Ich habe eine relativ hohe TikTok-Reichweite, da habe ich ungefähr 87.000 Follower und relativ gute Klickzahlen. Darauf liegt mein Fokus. Dann mache ich nebenbei noch Twitch. Das aber eher, weil ich mir da eine ganz coole Community aufgebaut habe und Spaß daran habe.

Das Gespräch entstand im Rahmen eines Seminars zum Thema Formate in den Sportmedien an der Macromedia Hochschule Leipzig, das in diesem Semester von MZ-/RBlive-Autor Ullrich Kroemer geleitet wird. Das Interview wurde von Studenten des viertens Semesters geführt.

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