RB Leipzig

"Wollen alles dafür geben, oben mitzuspielen": RB Leipzigs Trainerin Katja Greulich über Saisonstart und Anja Mittags endgültiges Karriereende

Von Thomas Fritz 15.08.2021, 07:30
Katja Greulich hat mit den RB-Frauen Großes vor.
Katja Greulich hat mit den RB-Frauen Großes vor. IMAGO/Dünhölter SportPresseFoto, Grafik RBlive/Moritz Schefers

Für Katja Greulich (36) und ihre Elf beginnt mit dem Duell beim VfL Wolfsburg II am Sonntag (14 Uhr) die zweite Zweitliga-Saison der Vereinsgeschichte. Der Vorjahres-Dritte der Nordstaffel gilt als einer der Favoriten für den Bundesliga-Aufstieg. Die frühere Fußball-Spielerin, die u.a. für den 1. FC Lok aktiv war, spricht im Interview mit RBlive/Mitteldeutsche Zeitung über die Leipziger Ambitionen im wieder eingleisigen Unterhaus, eine klitschnasse Kanu-Tour im Trainingslager, die Comeback-Chancen ihrer Co-Trainerin Anja Mittag und warum es für sie kein Problem ist, ihre Kickerinnen als "Mannschaft" zu bezeichnen.

Vor dem Saisonstart standen die Wochen der Schinderei auf dem Programm. Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit in der Vorbereitung?
Es war eine sehr intensive und abwechslungsreiche Vorbereitung. Aufgrund der sieben Neuzugänge haben wir auch ein paar andere Schwerpunkte legen müssen, um das Teamgefüge zusammen zu bringen. Ich erinnere mich da eine Kanufahrt im Trainingslager, bei der das Trainerkanu komischerweise ins Wasser gefallen ist (lacht).

Weil Ihre Schützlinge die Nase voll hatten vom harten Training?
Ich will da niemandem die Schuld in die Schuhe schieben (lacht). Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß zusammen.

Was waren die Schwerpunkte der Vorbereitung?
Ich fange immer mit dem Spiel gegen den Ball an. Das hat ein bisschen gebraucht, weil ich da viel am Detail arbeite. Dann haben wir verschiedene Grundordnungen trainiert – mit Vierer- oder Fünferkette, mit zwei oder drei Angreiferinnen. Variabel zu sein, darauf lege ich großen Wert. Ein großer Schwerpunkt waren Standardsituationen, um auch da eine Waffe für uns zu finden, sowie das Umschaltspiel. In der letzten Woche haben wir uns intensiv auf das Spiel mit Ball im letzten Drittel konzentriert.

Greulich: RB Leipzig muss individuelle Fehler in der Abwehr abstellen

Wie wichtig war die Verteidigungsarbeit, eine der Schwachstellen in der letzten Saison?
Hätten wir mehr Tore geschossen, wäre das vielleicht nicht so eine Schwäche von uns gewesen. Natürlich ist das auch weiterhin ein großer Schwerpunkt. Viele Gegentore fielen durch individuelle Fehler. Daran werden wir weiter arbeiten und die gilt es abzustellen.

Helfen dürfte, dass das Team in Jahr zwei in Liga zwei über mehr Qualität verfügt. Alle sieben Neuzugänge kommen aus der ersten Liga.
Das stimmt. Aber wir sind immer noch eine sehr junge Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 20,5. Wenn man schon so jung ist, benötigt man auch diese Erstligaerfahrung, um die Reife auf den Platz zu bringen. Das bringen alle Sieben mit. Aktuell sieht das alles sehr gut aus. Die haben Bock Fußball zu spielen und Lust zu gewinnen.

Wird es weitere Zugänge geben?
Mit Barbara Brecht, die sich einen Meniskusriss zugezogen hat und Gianna Rackow, bei der das Kreuzbrand durch war, haben sich leider zwei Offensiv-Neuzugänge schwer verletzt. Vorne werden wir nochmal nachlegen.

Greulich schließt Comeback von Co-Trainerin Anja Mittag aus

Mit Co-Trainerin Anja Mittag, die wieder aus dem Ruhestand aushilft?
Nein. Die lässt die Schuhe mal schön am Nagel (lacht). Angeboten hat sie sich natürlich, aber das reicht dann auch von der Kondition her langsam nicht mehr. Ich denke, sie ist besser aufgehoben als Co-Trainerin und kann uns so noch mehr helfen. Außerdem haben wir genügend andere Spielerinnen, die genug Entwicklungspotenzial haben.

Ist die Kapitänsfrage geklärt?
Ja. Wir haben zwei gleichberechtigte Kapitäninnen mit Johanna Kaiser und Carina Schlüter. Ganz bewusst auch zwei, weil in so einer jungen Mannschaft Verantwortung und Führungspositionen auf mehrere Schultern verteilt werden sollten.

Austausch mit Männer-Coach Jesse Marsch ist geplant

Sie orientieren die Spielweise Ihrer Elf mit attraktivem und temporeichem Fußball sowie schnellem Umschaltspiel an der Taktik der Bundesliga-Männer von RB Leipzig. Gab es diesbezüglich schon einen Ideen-Austausch mit Jesse Marsch?
Ich werde mich mit ihm noch austauschen und bin gespannt, was Jesse im Detail neues reinbringt. Der Kontakt mit den Männer-Trainern, auch mit Julian (Nagelsmann – d. Red.), war immer sehr gut.

Sonntag startet die Zweitliga-Saison beim VfL Wolfsburg II. Was erwartet Sie für ein Gegner?
Sie haben viele Abgänge zu beklagen und einen sehr jungen Kader. Wir wollen die Erstligaerfahrung unserer Spielerinnen auf den Platz bringen und mit drei Punkten einen guten Auftakt hinlegen.

Meppen, Duisburg und Gütersloh als größte Konkurrenten

Wer sind die größten Konkurrenten in der wieder eingleisigen Liga?
Meppen als Absteiger wird dazugehören. Bei Mitabsteiger Duisburg bin ich mir noch nicht so sicher, was ihre Ziele betrifft, aber sie werden oben dabei sein. Und Gütersloh, wenn sie ihr Aufstiegsrecht dieses Jahr wahrnehmen wollen.

Wo wird sich RB einreihen?
Wir wollen alles dafür geben, oben mitzuspielen. Wenn alles gut läuft, nehmen wir den Aufstieg natürlich gerne mit. Aber in dieser stark besetzten Liga wird das nicht sehr einfach. Wir werden keinen Freifahrtschein bekommen, sondern müssen jedes Spiel hochkonzentriert angehen. Da muss sehr viel Gutes zusammenkommen, vor allem müssen wir in dieser langen Saison gesund bleiben.

Kann die kommenden Spielzeit ein Erfolg sein, wenn es mit dem Aufstieg nicht klappt, aber das Team spielerisch Fortschritte macht?
Ja, natürlich. Wir haben eine extrem junge Mannschaft, die ganz viel Potenzial hat und die gilt es nach der Saison zusammenzuhalten. Talente zu fördern und weiterzuentwickeln ist natürlich auch eines unserer großen Ziele.

Mir ist aufgefallen, dass sie oft von ihrer „Mannschaft“ sprechen. Stört sich in Zeiten, wo das Thema geschlechtergerechte Sprache wichtiger wird, daran nicht manche Spielerin?
Da ist jedenfalls noch niemand zu mir gekommen und ich habe bislang auch nicht das Gefühl, dass sich jemand unwohl fühlt. Ich spreche zum Beispiel auch weiter von Manndeckung und nicht von Fraudeckung. Mich stört eher der Begriff „Frauen-Fußball“. Warum kann man nicht einfach Fußball sagen? Der Unterschied sollte nicht so betont werden.