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Von Ben Binkle

Milot Rashica und RB Leipzig „Rakete” wartet auf den nächsten Schub

RB-Transferziel Milot Rashica: Die "Rakete" auf dem Weg zum Werder-Training.

RB-Transferziel Milot Rashica: Die "Rakete" auf dem Weg zum Werder-Training.

Milot Rashica gilt bei RB Leipzig als vielleicht heißester Kandidat auf die Nachfolge von Timo Werner im Sturm. Aber passt der Bremer überhaupt ins Konzept – und ist gut genug, um das Erbe des deutschen Nationalstürmers anzutreten? 

Wer im Jahr 2020 Spiele von Werder Bremen gesehen hat, der kam nicht so schnell auf die Idee, dass auf dem Rasen ein Profi kickt, der für bis 35 Millionen Euro Ablöse zu einem Champions-League-Klub wechseln könnte. Das gilt auch für Rashica. Der Kosovare sammelte zehn seiner zwölf Bundesliga-Scorerpunkte bis zum 15. Spieltag.

Und doch wird dieser Blick auf die Statistiken dem Spieler nicht gerecht – immerhin ist Rashica mit seinem Wert an 40 Prozent aller Werder-Tore direkt beteiligt. Seit der Stürmer vor zweieinhalb Jahren nach Bremen kam, gibt es kaum Zweifel an seinem herausragenden Talent. Ein solches ist er inzwischen mit fast 24 Jahren nicht mehr, dafür aber ein in vielen Bereichen überdurchschnittlicher Bundesliga-Spieler mit Steigerungspotential.

Milot Rashica und Timo Werner: Ähnlich, aber nicht identisch

Für seine jüngste Form-Flaute bei Werder gibt es gute Erklärungen: Er spielt unter Trainer Florian Kohfeldt nicht mehr vorne drin, sondern wird tief in der eigenen Hälfte ins Aufbauspiel eingebunden. Wer oft weit weg vom Tor ist, trifft auch weniger.

Ohnehin ist Bremens Offensive (30 Tore in 30 Partien) nicht das optimale Umfeld für Torjäger. Eine unüberprüfbare, aber durchaus charmante These: Hätten Timo Werner und Milot Rashica im Januar die Klubs getauscht, stünde Werner jetzt nicht vor einem Rekord-Transfer zu Chelsea und Rashica hätte weit mehr als nur zwölf direkte Torbeteiligungen.

Im Vergleich: Die Saison-Heatmaps von Rashica und Werner.

Im Vergleich: Die Saison-Heatmaps von Rashica und Werner.

Vom Spielertyp sind sich Rashica und Werner ähnlich, aber keineswegs identisch. Ein Blick auf die Saison-Heatmaps bei Sofascore zeit: Rashica meidet den gegnerischen Strafraum deutlich mehr als Werner, sucht Abschlüsse eher von außerhalb und hat einen deutlich eingeschränkteren Aktionsradius auf dem Rasen. Das ist auch taktisch begründet, aber eben nicht nur.

Milot Rashica: Mit rechts von links nach innen ziehen

Als Rashica (ausgesprochen übrigens „Raschitza“) Ende Januar 2018 für die für Werder Bremen beachtliche Ablösesumme von sieben Millionen Euro von Vitesse Arnheim in die Bundesliga kam, war er ein klassischer Flügelstürmer, der für Flankenläufe mit viel Tempo stand. Weil es diese Position in Bremen nicht gibt, wurde er umgeschult.

Und „Rakete“, wie er bei Werder gerufen wird, zeigte sich als guter Schüler. Seinen Marktwert katapultiert er in 18 Monaten von fünf auf zwischenzeitlich 35 Millionen Euro nach oben. Inzwischen ist er im (linken) Halbraum zu Hause, von wo aus er als hängende Spitze im Zweier-Sturm mit seinem starken rechten Fußball nach innen Richtung Tor zieht.

Mit seiner Dynamik und seinem extrem hohen Tempo kann er hervorragend umschalten. Dazu ist er sehr robust und verfügt über eine harten Schuss. Sein wohl klassischster Move bei Werder: Er wird nach Ballgewinn mit dem Rücken zum gegnerischen Tor flach angespielt und dreht sich schon bei der Annahme mit Tempo um den Gegenspieler herum. Dieser kann Rashica oft nicht stoppen, weil der Kosovare stabil bleibt oder schon einige Meter Vorsprung hat.

Milot Rashica: Kreativspieler mit Disziplin und ohne Allüren

Trotz seiner immensen Schnelligkeit ist Rashica in Bremen kein zweiter Ailton, der an der Abseitslinie auf lange Bälle lauert. Auch das hat vorrangig taktische Gründe: Zum einen spielt er selten in vorderster Linie, zum anderen fehlt es dem Werder-Spiel generell an Tiefe. Als Konterstürmer bei eigener Führung könnte Rashica aber genau in dieser Rolle eine echte Waffe sein – denn kaum ein Innenverteidiger kann auf den ersten Metern mit Rashicas Dynamik mithalten.

Viele weitere typische und taktische Details, Stärken und Schwächen zu Rashica gibt es in dieser guten und ausführlichen Analyse vom Mai 2019, die aber noch immer aktuell ist.

Als Typ war Rashica in seinen Bremer Jahren eher pflegeleicht. Er fiel nie durch Eskapaden auf, meckerte nicht, als er nur von der Bank kam, verhielt sich weitgehend professionell und ist auch auf seinen Social-Media-Accounts sehr moderat unterwegs. Zudem war der Stürmer selten verletzt: Bis zu seinen aktuellen Sprunggelenksproblemen verpasste er gerade einmal sechs Partien in zweieinhalb Jahren wegen kleinerer Blessuren.

Weitere Pluspunkte von Rashica sind seine für einen Kreativspieler erstaunlich hohe Disziplin und Sachlichkeit: Obwohl er technisch stark ist, setzt er Dribblings vorrangig als konkrete Problemlösung und nur selten zum Selbstzweck ein. Übersteiger an der Außenlinie, Beinschüsse im Mittelfeld oder riskante Hackentricks in der eigenen Hälfte sind die absolute Ausnahme.

Milot Rashica und RB Leipzig: Das könnte passen!

Allerdings gibt es auch Dinge, die RB eben nicht bekommt, wenn sie Rashica holen. Zum Beispiel einen Führungs- oder klassischen Unterschiedsspieler. „Wir haben keinen Spieler im Kader, der einfach mal den Ball nimmt und ein Tor schießt“, analysierte Trainer Kohfeldt treffend über seine Mannschaft. Er meinte damit auch Rashica.

Im Vorjahr war bei Werder in dieser Hinsicht auf Schlüsselspieler Max Kruse Verlass: Je mehr Druck, desto besser spielte Kruse auf und riss sein Team mit. Diese Rolle konnte der nicht minder talentierte Rashica in Bremen nie einnehmen. Er ist eher ein sehr guter Mitspieler als ein klassischer Anführer. Damit passt er aber eigentlich gut rein ins fußballerisch hochwertige Kollektiv von RB.

Keine Frage: Die Fußstapfen, die Timo Werner in Leipzig hinterlässt, sind groß, auf Anhieb wohl auch zu groß für Milot Rashica. Aber es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie Rashica mit Nebenleuten wie Christopher Nkunku oder Patrik Schick aufblüht – Partner solcher Qualität fehlen ihm in Bremen sichtlich.

Das Gesamtpaket bei Milot Rashica, der kürzlich erstmals Vater wurde, ist für RB allemal höchst interessant. Der Klub will bekanntlich Spieler entwickeln – und da bekommt Trainer Julian Nagelsmann einen optimalen Kandidaten unter seine Fittiche. Preislich würde Leipzig bei einer Ablöse von 20 bis 25 Millionen kein allzu großes Risiko eingehen, für 15 Millionen im Abstiegsfall wäre Rashica sogar ein Schnäppchen. Dass der Spieler sich offenbar schon klar zu RB bekannt hat, verwundert nicht: Die Rakete ist bereit für den nächsten Schub. (RBlive)

Zahlen und Infos zu Milot Rashica

  • Geboren am 28. Juni 1996 in Vushtrri (Kosovo)
  • 69 Spiele in Bundesliga und DFB-Pokal, 26 Tore, 12 Vorlagen, 5 Gelbe Karten, kein Platzverweis
  • 25 Länderspiele für den Kosovo (4 Tore)
  • Bei Werder eingesetzt als hängende Spitze, Mittelstürmer und im offensiven Mittelfeld
  • Acht Tore in der laufenden Saison mit dem starken rechten Fuß, zwei mit links, kein Kopfballtor