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Von Ullrich Kroemer

„Das darf nie wieder passieren” Marsch rätselt über Arbeitsverweigerung im Kraichgau

Negativ-rekordverdächtige Werte: RB Leipzig blamiert sich bei Hoffenheim.

Negativ-rekordverdächtige Werte: RB Leipzig blamiert sich bei Hoffenheim.

Jesse Marsch redete nach der 0:2 (0:1)-Niederlage von RB Leipzig in Hoffenheim noch auf dem Rasen eindringlich auf seine Spieler ein. „Ich habe mit der Gruppe gesprochen, dass das nie wieder passieren darf. Wille ist das Wichtigste im Fußball, den hatten wir heute nicht”, ärgerte sich der Trainer. Kein einziger Schuss, der das Tor traf, keine einzige gute Gelegenheit und eine Zweikampfquote von 41 Prozent sind negativ-rekordverdächtige Werte. Rasenballsport bot im Kraichgau eine Leistung, die an Arbeitsverweigerung grenzt. So zahn-, saft- und kraftlos agierte selten eine Leipziger Mannschaft in den vergangenen fünfeinhalb Jahren in der Bundesliga. 

„Wir haben eine junge Mannschaft, aber wir müssen verstehen, dass jedes Spiel in der Bundesliga ein Kampf ist. Wir waren nicht bereit, und ich bin nicht sicher, warum”, rätselte Marsch. Auch Routinier Willi Orban forschte nach Ursachen: „Vielleicht fehlt uns die emotionale Reife in der jungen Mannschaft. Auch körperlich waren wir irgendwie nicht auf der Höhe. Das ist gerade sehr bitter für uns.”

Jesse Marsch: „Totale Enttäuschung”

Für den Coach, der die Mentalität einer Mannschaft über alles stellt, war dieser blamable Auftritt eine „totale Enttäuschung”, den er auch als Affront betrachten muss, denn die Mannschaft ließ alles vermissen, wofür Marsch steht. RB agierte wie blockiert, hatte wieder Probleme, sich aus dem Hoffenheimer Pressing zu befreien und mit Struktur und Druck nach vorn zu spielen. Das 2:0 durch Munas Dabbur war symptomatisch, als sich Tyler Adams den Ball im eigenen Spielaufbau in der eigenen Hälfte abnehmen ließ wie ein Schuljunge. Dazu zeigte sich die Verunsicherung auch wieder bei gegnerischen Standards. Nicht nur bei Peter Gulacsis Patzer beim 1:0, sondern auch bei drei, vier weiteren Ecken und Freistößen, bei denen jedes Mal lichterloh brannte im RB-Strafraum.

„Ich kann Niederlagen akzeptieren, aber nicht mit weniger Wille als der Gegner. Das ist inakzeptabel. Wir waren flach, weich, nicht gut und intensiv genug, hatten keine richtige Laufleistung, keine Duelle, keine Eins-gegen-Eins-Situationen mit Überzeugung”, kritisierte Marsch. Das hatte eine neue Qualität des Tadels, weil Marsch seinem Team bisher immer Einsatzbereitschaft bescheinigt hatte. Diesmal fehlte auch das.

Marsch zur spielerischen Findungsphase: „Sind ein bisschen unterwegs”

Nach den drei guten Auftritten zuletzt in Frankfurt, gegen Paris und Borussia Dortmund machte RB in diesem Spiel gleich zwei Schritte zurück. Die Partie offenbarte, dass der Prozess innerhalb des Teams, eine neue spielerische Identität zu kreieren, noch längst nicht so weit fortgeschritten ist, wie man dachte – vor allem auswärts. „Bei der Mischung zwischen dem, was die Spieler in den vergangenen zwei Jahren gemacht haben, und meinen Zielen, wie wir spielen sollten, sind wir ein bisschen unterwegs”, sagte Marsch. Gegen Hoffenheim war weder die feine Nagelsmann-Klinge, noch der wilde Marsch-Fußball zu erkennen. 

„Wir müssen nicht zurück ans Reißbrett”, sagte Marsch, „aber wir brauchen einen starke Erinnerung, was wichtig für uns ist: im Spiel zu sein, egal ob in der Champions League oder Bundesliga. Wichtig ist das Verständnis jedes Spielers, was seine taktische Rolle ist, was die Strategie eines Spiels ist und wie er den Matchplan einhält, wie er im Spiel Disziplin und Konzentration hochhält, aber auch Selbstvertrauen und Freude zeigt.” Von alledem war gegen sehr scharfe und gut eingestellte Hoffenheimer nichts zu sehen. (RBlive/ukr)