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Jesse Marsch: „In Deutschland beschäftigt man sich viel mit der Vergangenheit.“

Trainer Ralf Rangnick (re.) und Co-Trainer Jesse Marsch.

Trainer Ralf Rangnick (re.) und Co-Trainer Jesse Marsch.

Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht Jesse Marsch über seine familiären Wurzeln, seinen Weg nach Europa und die Zusammenarbeit mit Ralf Rangnick. Dabei erklärt er auch, was er als Amerikaner anders macht.

Jesse Marsch hat deutsch-polnischen Wurzeln

Der Nachname des neuen Co-Trainers an Ralf Rangnicks Seite verrät: Jesse Marsch hat Wurzeln in Europa. Seine Großväter stammen aus Deutschland, die Großmütter aus Polen. Sprachlich hatte er davon wenig, vor seinem Antritt bei RB Leipzig hatte er bereits einige Deutschstunden genommen und tut es weiterhin und gerne. „Ich freue mich riesig, nun eine neue Sprache und Kultur kennenzulernen.“

„Lass es uns besser machen“

Den größten Unterschied sieht er dabei im Umgang mit der eigenen Leistung. In Deutschland werde viel mehr analysiert, mehr zurückgeschaut. „Ich bin da mehr nach vorn gerichtet. Nach dem Motto: Das war nicht gut, lass es uns besser machen.“ Ganz amerikanisch eben.

Arbeitsbiene Marsch war „sofort vom Fußball gepackt“

In den Staaten ist Fußball hinter Football, Basketball und Baseball nur Sportart Nummer vier. In der Familie lagen ebenfalls keine fußballerischen Wurzeln, aber weil seine Freunde spielten, durfte er mit fünf Jahren ebenfalls zum Kicken gehen. „Es hat mich sofort gepackt“, so Marsch. Mitgegeben hat seine Familie ihm aber die Mentalität, die ihn nun auszeichnet. „Ich stamme aus einer klassischen Arbeiterfamilie, die sich alles erarbeitet hat.“ So habe er es als Wasserträger im Mittelfeld bis in die Nationalelf geschafft.

Wechsel zu RB Leipzig als roter Faden

Bis in die Achtziger gab es in Amerika für Marsch kaum Möglichkeiten, Fußball zu sehen. Das ist heute zwar anders, dennoch war Europa immer sein Ziel, das er nun mit seinem Wechsel von den New York Red Bulls zu RB Leipzig erreicht hat. „Für mich ist der Gang die Weiterführung eines roten Fadens in meinem Leben. Niemand in meiner Heimat ist ans College in Princeton gegangen, aber ich habe es getan und mich durchgekämpft.“ Eine Macher-Mentalität, die der von Ralf Rangnick sehr ähnlich ist.

„Wer nicht bereit ist, zu lernen, ist kein guter Lehrer.“

Ob das die Zusammenarbeit bei zwei Detailversessenen auch mal schwierig macht? „Ich kenne ihn schon lange, die Chemie zwischen uns stimmt“, so Marsch. Und verweist auf eine Eigenschaft, die bei RB ständig propagiert wird: „Trainer sind Lehrer. Und wer nicht bereit ist, selbst zu lernen, ist kein guter Lehrer.“ Außerdem arbeitet er auch daran, besser zu werden im Abschalten. „Bei meiner ersten Trainerstation gelang mir das gar nicht. Aber das war nicht fair gegenüber meiner Frau und meinen Kindern“, so Marsch.

Nagelsmann ist noch weit weg

In der Vorbereitung ist Abschalten naturgemäß schwierig, gerade befindet sich die Mannschaft im Trainingslager und ist voll konzentriert auf den Saisonstart. Möglichst lange will RB wieder auf drei Hochzeiten tanzen. „Was danach kommt, ist noch sehr weit weg“, schließt Marsch im Hinblick auf die kommende Spielzeit mit einem neuem Trainer Julian Nagelsmann.