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Von Martin Henkel

Kevin Kampl im Exklusiv-Interview "Selbst unter der Dusche habe ich Timo Werner noch reden hören"

Kevin Kampl ist seit drei Jahren Führungsfigur bei RB Leipzig.

Kevin Kampl ist seit drei Jahren Führungsfigur bei RB Leipzig.

19 Pflichtspiele noch. Dann ist Kevin Kampl bei keinem Verein aktiver gewesen, als bei RB Leipzig. Machbar, wo er unlängst seinen Vertrag um zwei Jahre bis 2023 verlängert hat. Mit 29 klingt das nach: letzte Station RB! Und nach Führungsaufgaben innerhalb des Teams, das immer noch das jüngste der Liga ist.

Atlético ist "ein Brocken"

Was aber heißt das, Leader zu sein? Und wie ist die Kabine bei RB überhaupt strukturiert: Wer sitzt neben wem, wer hat die Musik unter Kontrolle, wer redet viel und wer darf auch mal krakeelen? Im Exklusiv-Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung und RBlive gibt Kevin Kampl Einblicke in das Innenleben der RB-Umkleide, verrät was er neulich zu Marcel Sabitzer gesagt hat in Bezug auf Timo Werner - und: Wie man Atlético Madrid in der Champions League schlagen kann. Immerhin kennt man sich...

Kevin Kampl, wie geht es Ihnen nach drei Wochen Urlaub? Viel Zeit war das ja nicht.
Ich bin gut erholt. Leider ist am Tag unseres letzten Spiels in Augsburg mein Onkel gestorben. Danach bin ich mit meiner Mutter nach Slowenien zur Beerdigung geflogen. Anschließend war ich ein paar Tage mit meiner Familie in Mallorca, danach haben wir unser Haus in Solingen genossen, das wir gekauft haben.

Sie haben unlängst Ihren Vertrag um zwei Jahre verlängert. Es gab zudem Gespräche über eine Anschlussanstellung nach der Karriere. Gleichzeitig haben Sie eine enge Verbindung zu Ihrer Heimatstadt. Wie verbinden Sie das miteinander?
Ja, beides stimmt. Meine Frau stammt aus Solingen, ich auch. Wir haben Familie und Freunde dort und fühlen uns sehr wohl. Ich habe aber auch mit RB über Möglichkeiten nach dem Karriereende gesprochen. Aber das sind Themen für morgen. Ich bin ja erst 29 und hab noch ein paar schöne Jahre als Fußballer vor mir.

Das nächste Highlight, das Ihnen in Ihrer Karriere bevorsteht, ist das Champions-League-Viertelfinalspiel gegen Atlético Madrid. Alle im Verein spüren Vorfreude, das ist bekannt. Aber sorgen Sie sich auch?
Wieso sollte ich?

Atlético ist das, was man eine Holzfäller-Mannschaft nennen könnte. Feine Fußballer, ja, aber vor allem auch Spieler, die hinlangen können. Sie und Ihre Kollegen bevorzugen dagegen eine eher friedvollere Herangehensweise an ein Spiel. Können Sie sich auch keilen?
Sie vergessen den spielerischen Ansatz von Atlético. Dieser ist extrem schwer zu bespielen. Ich kenne das Team aus zwei Achtelfinalspielen in der Champions League mit Leverkusen…

… die Bayer im Herbst 2019 in der Summe 2:2 beendete und aufgrund der Auswärtstorregel ausschied…

.. stimmt! Atlético steht sehr tief, sie verteidigen sehr gut, sodass sich kaum eine Lücke auftut und dann kontern sie eiskalt. So haben sie auch Liverpool, immerhin den Titelverteidiger, im Achtelfinale rausgeworfen. Das Team ist zudem sehr erfahren und weiß, wie man Partien auf höchstem Niveau bestreitet. Das ist ein Brocken für uns, aber wir sind nicht chancenlos. In einem Spiel ist mehr drin als in zwei. Wenn wir einen super Tag haben, können wir Atlético schlagen.

Diego Simeone, der Trainer, war als Spieler ein Raubein und ist es als Coach auch. Das hat er auf seine Mannschaft übertragen. Wie müssen Sie dagegenhalten, um das Spiel nicht mental zu verlieren?
Ich finde nicht, dass das Laute immer gut sein muss. Klar, das ist ihre Art und sie machen das seit Jahren. Man bleibt am besten bei sich und dem, was man gut kann. Es ergäbe keinen Sinn, wenn wir jetzt in zwei Wochen versuchen würden, jemand anderes sein zu wollen. Wir haben einen klaren Plan, den werden wir verfolgen. Und dass wir uns gegenseitig pushen, das ist selbstverständlich. Wir werden alle brennen, wenn der Schiri die Partie anpfeift.

Wie ist das geregelt bei Ihnen im Team: Darf jeder jeden angehen, wenn eine Partie mal aus der Kontrolle rutscht, oder nur manche?
Wir haben nicht die großen Lautsprecher auf dem Platz. Aber wir coachen uns und wissen, dass wir da noch eine Schippe drauflegen müssen. Aber wenn Dayot (Upamecano, Anm. Red) mir zuruft „mach nen Schritt nach links!“, dann darf er das, auch wenn er erst 21 ist und ich acht Jahre älter bin. Jeder darf den Mund aufmachen, wenn es darum geht, sich zu helfen.

Ohne Hierarchie geht es nicht

Das heißt, sie sind auch für, sagen wir, Kritik von Dani Olmo empfänglich, der erst ein halbes Jahr im Team ist?
(lacht) Na ja. Ganz ohne Hierarchie kommt auch unsere Kabine nicht aus. Wenn Spieler lange dabei sind, übernehmen die mehr Führung als zum Beispiel ein 18-Jähriger, der gerade neu zu uns kommt. Aber coachen kann bei uns jeder.

Haben Sie einen Mannschaftsrat?
Haben wir, aber das ist keine klassische Institution wie früher, als nur die etwas sagen durften, die im Rat waren. Bei uns kann jeder was sagen, wenn ihm etwas auffällt.

Als sie 2009 in die Profi-Kabine von Bayer aufstiegen, saßen dort drin Spieler wie der finnische Haudegen Sami Hyypiä. Wie war das zu dieser Zeit?
Ich habe mich nicht so getraut, offen zu sein und meinen Fußball reinzubringen. Es bestand immer die Möglichkeit, dass einer laut wurde. Das ist heute anders und hilft jungen Spielern viel schneller, selbstbewusst im Männerbereich aufzutreten.

Wer sitzt in der Umkleide eigentlich neben Ihnen?
Mola Lookman und Dayot.

Die denken, ich habe nicht mehr alle Latten am Zaun"
Kevin Kampl über seine DJ-Kollegen in der RB-Kabine

Lookman ist Brite, Upamecano Franzose, Sie Deutscher: Wie verständigen Sie sich?
Wir versuchen natürlich, so viel wie möglich Deutsch zu reden. Indem du die Sprache jeden Tag sprichst, lernst du sie am schnellsten und besten. Aber wenn die Franzosen einen Witz machen, dann natürlich auf Französisch. Es muss jeder auch er selbst bleiben dürfen.

Gibt es einen Kabinen-DJ?
Nein, jeder legt mal auf. Meistens aber Tyler (Adams, Anm. Red) oder die Franzosen.

Was wird am meisten gehört?
Hip Hop.

Dürfen Sie auch, Sie haben immerhin eine DJ-Ausrüstung in Ihrem Haus in Solingen stehen?
(lacht) Weniger. Ich stehe auf House oder Elektro. Wenn ich den Jungs mit so etwas komme, dann denken die, ich habe nicht mehr alle Latten am Zaun.

Welche Banknachbarn haben sie während der Spiele?
Bis jetzt war das Timo (Werner, Anm. Red).

Best Bank-Buddys: Kevin Kampl (l.) und Timo Werner

Best Bank-Buddys: Kevin Kampl (l.) und Timo Werner

Ein Schweiger?
(lacht). Das Gegenteil. Timo hat sehr viel geredet und war irre witzig. Den habe ich sogar gehört, wenn ich unter der Dusche stand und er noch in der Kabine war.

Wie ist das Leben ohne den besten Stürmer der Vereinsgeschichte, der allein in der letzten Saison 34 Tore geschossen sowie 13 vorbereitet hat?
(lacht) Ruhiger! Neulich bin ich mal zu Sabi gegangen (Marcel Sabitzer, Anm. Red.) und hab‘ zu ihm gesagt: ‚Merkst du, wie still das plötzlich ist‘. Ich sehe Timos Abgang mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits freue ich mich extrem für ihn, dass er einen neuen Weg geht. Andererseits ist es schade, dass er weg ist. Als Mensch - und als Spieler.

Aber es führt kein Weg daran vorbei.
Ja, richtig. Klar, Timo ist Timo! Aber ich bin mir sicher, dass wir auch ohne ihn eine super Saison spielen werden.

Timo Werner hätte für RB das Turnier in Lissabon noch spielen können, letztendlich konnten sich die Vereine aber nicht einigen. Ist sein Wegfall auf die Schnelle kompensierbar?
Mit Yussi (Poulsen, Anm. Red.) und Patrik (Schick, Anm. Red) haben wir ja noch zwei Top-Stürmer im Kader, dazu können vorne auch noch andere spielen. Dieses Jahr in der Champions League ist es nur ein Spiel bis zum Halbfinale und nur eine weitere Partie bis ins Endspiel. Wenn du da alles reinhaust, dann kannst du das schaffen.

(RBlive/hen)