Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.

Konrad Laimer im Interview: „Giftiges” Wiedersehen mit Freunden

Ciao, bye, bye: Konrad Laimer vor seinem Abschied in Salzburg

Ciao, bye, bye: Konrad Laimer vor seinem Abschied in Salzburg

Zehn Jahre kickte Konrad Laimer für Red Bull Salzburg, an diesem Donnerstag trifft er erstmals in einem Pflichtspiel auf seinen Ex-Verein. Im Interview mit Mitteldeutscher Zeitung/RBlive spricht Konrad Laimer über das Duell gegen seinen Heimatklub, seinen Wechsel vor einem Jahr, die Rechtsverteidiger-Position und seine Ambitionen. Interview: Ullrich Kroemer.

Konrad Laimer, wie emotional ist es für Sie, mit RB Leipzig gegen Ihren Heimatklub Salzburg anzutreten?
Konrad Laimer: Gegen den Ex-Klub ist es für einen persönlich immer brisant. Das werden zwei hochintensive und interessante Spiele. Ich war zehn Jahre bei dem Verein, kenne noch viele Gesichter, habe auch noch Freunde da. Gegen dieses Team will ich natürlich gewinnen!

Mit Salzburgs Rechtsverteidiger Stefan Lainer sind Sie eng befreundet.
Mit ihm war ich im Sommer gemeinsam im Urlaub. Wir hatten nach der Auslosung kurzen Kontakt und freuen uns auf das erste Spiel gegeneinander. Und auch mit ein paar anderen Spielern stehe ich noch in Kontakt. Mit Xaver Schlager etwa habe ich seit der U13 gemeinsam gespielt. Das Wiedersehen wird sicher auch nett werden, aber auf dem Platz werden wir uns nichts schenken. Wenn angepfiffen wird, ruht die Freundschaft mal kurz. Auf dem Platz gibt es keine Freunde.

Konrad Laimer: „Es wird ein giftiges Fußballspiel”

Wie giftig werden diese Spiele?
Beide Teams spielen Pressing-Fußball, und wenn zwei Pressingteams aufeinander treffen, wird es einfach ein giftiges Fußballspiel, mit vielen Zweikämpfen und sehr hohem Laufpensum beider Mannschaften. Ich freu mich drauf und bin gespannt, weil beide Teams attraktiven Fußball spielen, bei dem es schnell nach vorn geht.

Geht es in diesem Spiel mehr als um nur drei Punkte, nämlich um die Vorherrschaft im Red-Bull-Fußballreich?
Letztlich geht es um drei Punkte, wir wollen in der Euro League die nächste Runde erreichen. Um viel mehr geht es für mich nicht. Mehr hinein zu interpretieren, ist einzig Sache der Medien, nicht unsere. Wir bereiten uns auf einen richtig guten Gegner vor, der im vergangenen Jahr im Semifinale dieses Wettbewerbs stand.


„Unter Oscar Garcia anderen Fußball gespielt”

Wie hat sich Salzburg unter Trainer Marco Rose taktisch entwickelt?
Als ich noch bei Salzburg war, haben wir unter Oscar Garcia einen etwas anderen Fußball gespielt. Wir haben nicht so früh attackiert wie es Salzburg jetzt macht, haben mit etwas mehr Ballbesitz gespielt.

Klingt nach einer ähnlichen spielerischen Entwicklung wie in Leipzig?
Wir wollen einfach zielstrebiger nach vorn spielen. Wenn wir den Ball haben, fordern wir ihn in die Tiefe.

Leipzig und Salzburg spielen sozusagen gegen das eigenes Spiegelbild. Ist es ein Vorteil, wenn man das System des Gegners und die Gegenspieler so gut kennt?
Wenn wir gegen Dortmund spielen, kenne ich die Spieler und deren voraussichtliche Matchpläne durch die intensive Videovorbereitung und die Erfahrungen aus den bisherigen Spielen auch gut. Es ist für mich eher irrelevant, ob ich schon mit einem Gegenspieler zusammengespielt habe.

Sie haben mit zehn Jahren bei Red Bull Salzburg begonnen. Wie war das damals, wenn man sich als junger Spieler für den erst zwei Jahre zuvor von Red Bull übernommenen Klub entschieden hat?
Ich war ein kleines Kind, habe für meinen Dorfverein USC Abersee gespielt. Als es in Salzburg einen Talentetag im Stadion gab, bin ich mit Freunden nach Salzburg gefahren. Da haben wir ein paar Übungen gemacht und einfach Fußball gespielt. Danach riefen die Salzburger bei meinem Vater an und sagten, dass sie mich gern im Verein hätten.

Und?
Dann habe ich noch ein halbes Jahr bei meinem Dorfverein gespielt, wo mein Vater Trainer war, und mich dann entschieden nach Salzburg zu gehen. Weil mein Papa in Salzburg gearbeitet hat, bin ich immer früh mit ihm 50 Kilometer nach Salzburg gefahren und dort auch zur Schule gegangen. Dass es den Verein in dieser Form erst zwei Jahre gibt, daran habe ich nicht gedacht. Es war für mich cool, dass ich dort mitspielen durfte.

Konrad Laimer: „Ein Red-Bull-Gen gibt es nicht”

Gibt es sowas wie ein Red-Bull-Gen?
Nein. Ein bestimmtes Red-Bull-Gen, was einem von Beginn an eingeflößt wurde, gibt es nicht. Ich hatte viele Trainer und Sportdirektoren und habe von vielen Seiten vieles gelernt.

Wie hat es Sie in der Jugend beeinflusst, mit dem Red-Bull-Logo auf dem Trikot immer unter besonderer Beachtung, teils auch Ablehnung, zu spielen?
Wenn man zum Auswärtsspiel fährt, sind die Fans nicht für dich. Das ist normal. Vielleicht war es zu Beginn in Salzburg noch ein wenig mehr, aber davon habe ich konkret nichts mitbekommen. Ich habe mich bei Salzburg immer wohlgefühlt.

Wie haben Sie es wahrgenommen, als Jahr für Jahr die besten Salzburger nach Leipzig wechselten? Ihr früherer Teamkollege Martin Hinteregger sagte 2016, dass Leipzig Salzburg „systematisch” kaputtmache.
Das ist immer die Entscheidung jedes einzelnen Spielers, wie er seine Karriere plant. Ich kann nicht sauer darüber sein, wenn ein Kollege den nächsten Schritt macht. Wenn es für ihn gut ist, wünsche ich ihm viel Glück.

Konrad Laimer zu seinem Wechsel nach Leipzig: „War frei in meiner Entscheidung”

Sie sind bislang der letzte von 17 Spielern, die den Weg von Salzburg nach Leipzig einschlugen. Waren Sie beim Transfer vor einem Jahr frei in Ihrer Entscheidung oder war der Schritt nach Leipzig vorgegeben?
Ich war frei in meiner Entscheidung. Ich hatte eine Ausstiegsklausel im Vertrag, hatte noch andere Angebote und konnte frei wählen, welcher Schritt für mich der richtige ist. Für mich war es der nach Leipzig, und dafür habe ich mich entschieden.

Sie sind als zentraler Mittelfeldspieler gekommen, aber aktuell als Rechtsverteidiger eingeplant. Identifizieren Sie sich voll mit der neuen Rolle oder schielen Sie auf die Sechser-Position?
Ich bin noch jung, für mich ist es einfach wichtig, dass ich Einsätze bekomme. Ich habe zwar bisher immer im Mittelfeld gespielt, habe aber auch als Rechtsverteidiger in der neuen Rolle gute Spiele gemacht. Ich kann auf beiden Positionen Qualitäten von mir einbringen.


Rechtsverteidiger Laimer: „Fühle mich wohl auf der Position”

Sie sind kein gelernter Rechtsverteidiger, woran müssen Sie noch feilen?
Es ist für mich von Spiel zu Spiel leichter geworden auf der Position. Man lernt taktische Abläufe, die sich immer wiederholen. Zum Beispiel wo genau man stehen und wie weit man einrücken muss, wann man auch mal nach vorn geht und wann man besser hinten bleibt. Das kommt mit der Zeit. Mittlerweile fühle ich mich wohl auf der Position, ich weiß wie man sie spielt und kann sie spielen. Es ist als Fußballer eh von Vorteil, wenn man mehrere Positionen spielen kann.

Sind Sie unter Ralf Rangnick noch offensiver gefordert?
Wir Außenverteidiger haben auch in der vergangenen Saison schon offensiv gespielt, wenn es die Situation hergab. Dann hast du den Raum und kannst über die Flügel gefährlich werden, vor allem wenn ein Gegner tief steht. So war es auch in den ersten Spielen dieser Saison, dass wir oft nach vorn gegangen sind.

Gibt es angesichts der Personalnot auf der Sechser-Position Signale von Ralf Rangnick, Sie wieder vermehrt im Mittelfeld einzusetzen?
Wenn mal Spieler angeschlagen sind oder eine Pause brauchen, kann es gut sein, dass ich im Mittelfeld spiele. In Luhansk und gegen Hannover habe ich auch im Mittelfeld gespielt. Aber voraussichtlich werde ich mehr über Rechts kommen.

Hat Ralf Rangnick schon durchblicken lassen, ob Sie und die weiteren fünf Ex-Salzburger gegen den früheren Klub auflaufen dürfen?
Noch nicht. Aber gegen einen Ex-Klub ist man vielleicht noch einen Tick heißer als ohnehin schon.