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Leipzigs 3:2 gegen den BVB – Meisterstück im Coachen

Herzhaft: Kampl und Hasenhüttl in inniger Umarmung, Assitent Löw kommt dazu.

Herzhaft: Kampl und Hasenhüttl in inniger Umarmung, Assitent Löw kommt dazu.

Dortmund – Dass Kevin Kampl im Weg stand – Zufall. Oder? Soeben hatte Deniz Aytekin das 3:2 (2:1) von RB Leipzig bei Tabellenführer Borussia Dortmund abgepfiffen, da ballte RB-Coch Ralph Hasenhüttl die Fäuste, rannte aufs Spielfeld – und sprang Kevin Kampl in die Seite.

Es gibt Schöneres, als von einem 1.85 großen Österreicher angesprungen zu werden. Aber was sollte Kampl machen. Das Schicksal hatte den Augenblick offenkundig arrangiert. Ausgerechnet der blondierte Slowene stand als erster RB-Spieler in Hasenhüttls Jubelweg.

Meisterstück im Coachen

Zweieinhalb Jahre ist es her, dass der BVB im eigenen Stadion ein Ligapspiel verloren hat. Das war am 4. April 2015, der Gegner hieß FC Bayern München, der BVB-Trainer Jürgen Klopp, Kampl spielte im linken Dortmunder Mittelfeld. Er war damals noch Profi des BVB.

Ist lange her, die Bayern gewannen 1:0, Kampl zog weiter zu Bayer Leverkusen, seit Sommer ist er Wahlsachse und war in Dortmund eine der Spielfiguren, mit denen RB-Coach Hasenhüttl ein Meisterstück im Coachen abgeliefert hat. Kampl spielte neben Naby Keita auf der zentralen Position vor der Viererkette. Allein das zu entscheiden, ist wagemutig vom 50 Jahre alte Österreicher gewesen. Normalerweise grätscht Diego Demme weg, was Keita übriglässt. Jetzt standen da um 18.30 Uhr zwei feinfüßige Spielmacher auf der „Sechs“, abgeschirmt von Stefan Ilsanker in der Innenverteidigung.

Den anstelle von Willi Orban in die Innenverteidigung zu stellen, war Hasenhüttl zweiter Coup. Und er setzte den Vorsaisonpasskönig Emil Forsberg auf die Bank. Bruma kam dafür über die linke Seite, vor ihm spielten Yussuf Poulsen und anstelle des noch nicht fitten Timo Werner Zugang Jean-Kevin Augustin.

„Das war mutig von uns“

So schickte Hasenhüttl seine Mannschaft in das unwägbare Spiel gegen den Tabellenführer, der bis Samstagabend in bester Frühform gewesen schien. Sieben Spiele, sechs Siege, 21 Tore geschossen, nur zwei kassiert. Wie spielt man gegen so ein Team? „Mit offenem Visier“, sagte Hasenhüttl.

RB Leipzig ritt in das Duell angstfrei. Hasenhüttl hatte im Vorfeld schon gesagt, in Dortmund gibt es nichts zu verlieren. Die Sachsen liefen ihre Gegner schon in deren Strafraum an, schlossen jede Anspiellücke, deckten die Ballverteiler eng und schalteten blitzschnell um. „Das war mutig von uns, wir sind All-in gegangen“, so Hasenhüttl später. „Das hätte auch schiefgehen können.“

Hätte es – und ging es auch. Zehn Minuten sah vieles danach aus, als hätte sich der Leipziger Trainer beim Personal und beim Matchplan vergriffen. Der BVB presste nämlich ebenfalls hoch, Aubameyang lief Ilsanker an, dem wurde der Fuß krumm, seinen zu kurz gespielten Rückpass nahm der Gabuner auf und versenkte ihn zum frühen 1:0 (4.).

Doch Leipzig konterte den Rückstand. Marcel Sabitzer verwertete sechs Minuten eine Freistoßkombination über Kampl und Marcel Halstenbergs Stirn. „Das war enorm wichtig für uns“, sagte der Österreicher später. „Machen wir das 1:1 nicht, kann das in Dortmund ziemlich nach hinten losgehen.“

3:1 – das Spiel eigentlich gewonnen

Tat es aber nicht, weil Leipzig „das beste Spiel dieser Saison“ (Yussuf Poulsen) aus sich herausholte. Nach turbulenten Wochen mit der Niederlage gegen Augsburg, der Niederlage gegen Besiktas Istanbul in der Champions League war das so nicht zu erwarten gewesen. Und schon gar nicht ohne den Fünf-Tore-Mann Timo Werner, der seit dem Türken-Spiel unter Atemnot und Schwindel leidet.

Doch die Sachsen haben erstmals ihr ganzes Potenzial abgerufen. 39 Minuten und eine Pause nach dem 1:1 hatte RB das Spiel eigentlich gewonnen. Poulsen hatte nach Vorlage von Bruma das 2:1 ins Netz gespitzelt (25.), Augustin hatte vom Strafstoßpunkt auf 3:1 erhöht. Sokratis hatte ihn im Strafraum umgerissen, der Grieche musste dafür auch noch vom Platz.

Ein Mann mehr – und zwei Tore vorn? Das war’s eigentlich. Normalerweise. Aber normal war Weniges an diesem Abend. Ilsanker fällte ohne Not binnen zwei Minuten zwei BVB-Spieler. Für das erste Foul bekam er Gelb, für das zweite Gelb-Rot. Anschließend trat Innenverteidiger Dayot Upamecano Aubameyang auf den Fuß, zwei Grashalme hinter der Strafraumgrenze. Kein normales Auge hätte das gesehen, aber der Videoassistent in Köln. Botschaft in Aytekins Ohr, der sah sich die Szene am Seitenlinienmonitor an, ein Pfiff, der Finger zeigte auf den Elfmeterpunkt. Aubameyang verwandelte kalten Herzens (64.).

Es wurde danach turbulent. Doch zum perfekten Matchplan in der 1. Halbzeit gesellte sich Spielglück. Die Leipziger Hintermannschaft vereitelte noch zwei Hochkaräter, dann pfiff Aytekin ab – und entfesselte in Hasenhüttl eine Freude, die Kampl als Erster zu spüren bekam. Er verschmerzte es und sagte: „Der Sieg war richtig verdient.“